Test: Audi RS3 - Rotkäppchen und der böse Wolf

In diesem Fall sollte es besser heißen: „Das böse Rotkäppchen“, denn der knallrote Audi RS3 ist ein böser Quertreiber und ein wildes Gefährt. Der Fünfzylinder mit 400 PS ist vielleicht kein Ecoflitzer, aber sicher ein Spaßmacher.
Autor: Werner Christl, 24.01.2022 um 11:00 Uhr

Ein gewisser Herr Walter Röhrl hat ­einen Audi-Fünf­zylinder 1987 in Rekordzeit auf den Pikes Peak geprügelt. Schon der legen­däre Audi S1 hatte einen solchen Motor, der jetzt in adaptierter Form im neuen RS3 werkt. Ein wilder, brachialer Geselle mit 400 PS Output, 500 Newtonmetern Drehmoment und einer Kraftentfaltung bereits im unteren Drehzalkeller. Der RS3 beschleunigt in 3,8 Sekunden auf 100 Sachen. Ja, schnelle Kurven mag er, der Deutsche, wobei das Fahrwerk glücklicher­weise nicht so brutal rüberkommt und die Bandscheiben doch schont. Im Gegenzug kommt der Sound schwer brutal rüber. Sehr knurrig  – aber eben nicht unbedingt dezent. Aber wer ein solches Auto kauft, tut dies nicht, um nicht aufzufallen. Aggressiv geht’s auch optisch zur Sache. Der neue RS3 hat einen übergroßen Kühlergrill geschenkt bekommen. Dazu riesige Lüftungsschlitze sowie serienmäßige LED-Scheinwerfer, die beim Starten lustige Lichtspiele  „absondern“.  Das Heck wirkt dagegen fast normal – wenn da nicht die beiden fetten Endrohre wären.


Fahreindruck.

Der Allradler  soll dank „Torque Splitter“ mehr Momentverteilung auf die Hinterräder bringen. Heißt: bessere Driftfähig­keiten. Das können wir nach einer Fahrt auf Schnee be­stätigten, wobei man nicht ­erwarten darf, dass er im Alltag wie ein Hecktriebler agiert.  Wer den Popsch zum Driften bringen will, drückt bei den Fahrmodi einfach den Drift-Modus. Zu den Bremsen: Die kosten über 6.000 Euro Aufpreis (Keramikbremsen) und greifen dementsprechend beherzt zu. Gut in der Hand liegt das ­Alcantaralenkrad. Die Sitze sind eher komfortbetont und könnten ein wenig besseren Seitenhalt geben. Ein Wort zum Verbrauch: Laut WLTP sollen es 8,8 Liter sein. Wer den Gasfuß sehr zügelt, kommt sogar darunter. Im Test lagen wir immer darüber – weil Hirn nicht immer eingeschaltet. Und der Preis? 99.361 Euro für den überkomplett ausgestatteten Test-RS3 sind kein Brösel! Ohne Schnickschnack sind es 71.548 Euro. Fazit: Audi hat einen RS3 konstruiert, der der Konkurrenz in dieser Klasse ziemlich um die Ohren fährt. Sehr scharf und eine echte Fahr­maschine mit einem rassigen Fünfzylinder, der im Grunde zu einer aussterbenden Spe­zies gehört, aber merkbar lebt und Spaß macht.

Foto: ©Weekend/Christl

Technische Daten:

Leistung: 400 PS
Verbrauch/WLTP: 8,8 Liter
Motor: 2.5-TFSI-Fünfzylinder Turbo
Drehmoment: 500 Newtonmeter
0 – 100 km/h: 3,8 Sekunden