Erster Test: BMW i4 M50 - Elektroauto mit ordentlichem Wummms!

Nachdem man das erste Mal auf das rechte Pedal getreten hat, kommt schon so was wie leichte Ehrfurcht auf.  Ein sportliches E-Auto mit 544 PS unter dem Allerwertesten beschert ein leicht laues Gefühl in der Magengegend beim Beschleunigen. Der i4 ist eine Art M3 im Kleid vom 4er. Besser gesagt: er basiert auf dem Grand Coupé, hat aber das Schmalz und die Wucht vom BMW M3. Wir sprechen hier von einem brutalen Drehmoment von fast 800 Newtonmeter und den Hunderter knackt der Sportler in 3,9 Sekunden! Derart brutalen Schub muss man aber erst auf die Straße oder aus der Kurve bringen.

 Grundsätzlich ist es ja so, dass E-Autos quasi nicht nur um einige hundert Kilo schwerer sind (Leergewicht 2.290 kg) als vergleichbare  Verbrenner. Da muss man kein Autoguru sein, um zu erkennen, dass sich da in Sachen Fahrdynamik was tut. Anders ausgedrückt: Das zusätzliche Gewicht muss gebremst und in Kurven daran gehindert werden nach außen zu wandern.

Vorteil. Im Gegenzug haben E-Autos und auch der BMW i4 einen Vorteil, weil ja die Batterien im Fahrzeugboden „verstaut“ sind und deshalb der Schwerpunkt gewaltig nach unten wandert (53 Millimeter tiefer als beim M3), was wiederum dem Fahrverhalten zu Gute kommt. Die Bayern haben deshalb beim i4 fahrwerkstechnisch gesehen tief in die Trickkiste gegriffen und bestimmte Teile verstärkt bzw. verbessert. Und siehe da, der BMW i4 fährt sich wirklich sehr gut. Einzig beim Anbremsen einer Kurve, merkt der Fahrer halt schon, dass da etwas Richtung Horizont schiebt. Wobei das auch zum Teil dem geschuldet ist, dass der Fahrer mit der brutal zuschlagenden und leisen E-Kraft, nicht immer bemerkt, dass er eigentlich ohnehin zu schnell in Richtung Kurveneingang unterwegs ist. Wir bewegen uns also dort, wo viele Tesla-Fans in die Hände klatschen. Allerdings fährt der i4 eindeutig eine Stufe höher vor als ein Tesla. Das Fahrwerk ist den Bayern wirklich gelungen – etwas anderes haben wir aber eh nicht erwartet. Wobei man dem Deutschen doch eine gewisse Härte zugestehen muss – eine Sänfte ist der i4 bei Gott nicht, aber das will ohnehin keiner, der in einem Sportwagen sitzt. Ein Wort zum Sound: Im Sportmodus wir ein Motorsound eingespielt, der doch tatsächlich wie ein Verbrenner klingt und man könnte glatt meinen in einem solchen gerade zu sitzen (zumindest vom Geräusch her!). Ein Satz zum Allradantrieb: Ohne diesen könnte man die Kraft kaum auf die Straße bringen. Zum Einsatz kommen je ein E-Motor an der Vorder- sowie Hinterachse. Der Allrad schaltet sich nur in Extremsituationen komplett zu.

German Autobahn. Theoretisch könnte man mit dem i4 mit 225 km/h über die „German Autobahn“ donnern. Im Selbstversuch müssen wir dies durchaus bestätigen, wobei das Wort „sinnlos“ in diesem Zusammenhang durchaus seine Berechtigung hat. Ein E-Auto säuft ja auch wie es Verbrenner tun, wenn es über die Autobahn geprügelt wird. Ja, der BMW i4 ist eine absolute Spaßmaschine, die sich jedoch gerne und gut normal bewegen lässt. Beim Überholmanöver verschwinden halt ganze Schwerlastzüge in Sekunden im Rückspiegel. Im Normalbetrieb soll die 84 kWh-Batterie (Brutto-Energiegehalt) eine Reichweite von 520 Kilometern ermöglichen (kleinere Version mit 340 PS schafft 590 Kilometer). Geladen wird an der High Power Charging Stationen mit einer Leistung von 200 kW. Damit könnten theoretisch in zehn Minuten 140 Kilometer Reichweite getankt werden. Dazu muss aber eine derartige Ladestation zur Verfügung stehen und derer gibt es nicht viele.

Das Cockpit. Im Innenraum gibt es keine Überraschungen. Im Grunde das gewohnte Bild mit sehr guter Verarbeitung, logisch zu bedienender Infoscreen und gute Platzverhältnisse. Wie immer bei BMW gehen Fahrwerk, Lenkung und Bremsen eine Symbiose ein. Bei den Bremsen wurde übrigens ziemlich Hand angelegt. Schließlich müssen diese ein höheres Gesamtgewicht zum Stehen bringen. Das gleiche „gute“ Bild in Sachen Assistenten – da halten wir uns nicht lange damit auf. Alles da, was wichtig ist.

Fazit: Der i4 M50 ist eine echte Spaßkanone und mit einem BMW M3 durchaus zu vergleichen. Die reingesteckte Arbeit in die Adaption des Fahrwerks in Sachen Zusatzgewicht hat sich echt ausgezahlt. Das brutal und sofort zur Verfügung stehende Drehmoment lässt das Adrenalin so richtig durch den Körper flitzen. Dass die angegebene WLTP-Reichweite nicht der Realität entspricht ist klar. Aber das wissen wir schon von andren Tests mit Elektroautos. Wenn man bedenkt, dass der i4 auf einer Plattform basiert, die für Verbrenner gebaut wurde, ist die Performance sowie das Handling echt beeindruckend. Wer es weniger wild will, kann den BMW i4 eDrive40 mit 340 PS ordern. Dieser kostet ab EUR 57.900,-. Den i4 M50 gibt es um 69.920,- Euro.

Autor: Werner Christl, 13.10.2021