Die französischen Staatskarossen von Peugeot

Die Franzosen sind Patrioten und deswegen fahren die Präsidenten ausschließlich Fahrzeuge aus heimischer Produktion. Es wird zwar öfter die Marke gewechselt, Peugeot konnte aber schon öfter den Präsidenten herumkutschieren.
Autor: Lukas Steinberger-Weiß, 09.08.2022 um 08:00 Uhr

Das jüngste Modell in der Geschichte der Präsidentenfahrzeuge ist der PEUGEOT 5008 – in ihm fuhr Frankreichs amtierender Staatspräsident Emmanuel Macron im Jahr 2017 zu den Zeremonien anlässlich des 14. Juli vor. Er behielt dieses Modell während seiner gesamten ersten fünfjährigen Amtszeit. Aus Sicherheitsgründen bewahrt die Präsidentschaft über die Einzelheiten des Fahrzeugs Stillschweigen. Was jedoch bekannt ist: Der PEUGEOT 5008 wurde im französischen Werk Rennes produziert und dann Centigon anvertraut, einem bretonischen Spezialunternehmen, das die Panzerung des Fahrzeugs vornahm. Einige wenige Informationen liegen über die Anordnung der Rücksitze, des Blinkers und des Kühlergrills vor. Das Präsidentenfahrzeug hat zwei (statt drei) Sitze, welche mit einer speziellen Mittelkonsole ausgestattet sind. Zudem unterscheidet sich der PEUGEOT 5008 des Staatspräsidenten durch die Anbringung der vorderen Blinker am Kühlergrill und des Abzeichens der Präsidentschaft der Französischen Republik an der Karosserie vom Serienfahrzeug.

Der Pionier: Der PEUGEOT Typ 156 von Alexandre Millerand

Die Vorgeschichte von PEUGEOT und der Französischen Republik begann in den 1920er Jahren. Nachdem Alexandre Millerand am 23. September 1920 zum dritten Staatspräsidenten gewählt worden war, fuhr er ab 1921 einen PEUGEOT Typ 156. Dieses Vorzeigemodell der Löwenmarke war das erste Modell, das in Sochaux hergestellt wurde und mit einem beeindruckenden 6-Zylinder-Reihenmotor mit 5.954 cm3 und 18 kW (25 PS) versehen war.

Der PEUGEOT 604 von Valéry Giscard d'Estaing

Mehr als ein halbes Jahrhundert später wählten die Franzosen einen PEUGEOT Liebhaber zu ihrem Staatspräsidenten. Valéry Giscard d'Estaing holte PEUGEOT 1975 in den Elysée-Palast. Im selben Jahr wurde das neue Flaggschiff der Marke, der PEUGEOT 604 vorgestellt. Eine Neuerung, die von einem ausgesprochen modernen Staatsoberhaupt gewünscht wurde: Die Autos des Präsidenten waren nicht mehr schwarz, sondern moosgrün.

Während der siebenjährigen Amtszeit bestellte der Elysée-Palast vier PEUGEOT 604. Drei davon waren Serienmodelle, die SL-Versionen der Spitzenklasse mit dem 2.6-Liter-V6-Motor mit 100 kW (136 PS), die der Präsident auch selbst fuhr. Daneben gab es eine Limousine des PEUGEOT 604, die für feierliche Anlässe reserviert war. Sie wurde in Zusammenarbeit mit der Karosseriefirma Heuliez hergestellt und verfügte über einen um 62 Zentimeter verlängerten Radstand, der den luxuriösen Rücksitzen zugutekam, sowie über ein schwarz lackiertes Dach.

Die PEUGEOT Modelle von Jacques Chirac

Während seiner zwölfjährigen Amtszeit im Elysée-Palast nutzte Jacques Chirac regelmäßig den PEUGEOT 607, der zum Fuhrpark der Präsidentschaft der Französischen Republik gehörte. Der PEUGEOT, der die Franzosen damals am meisten beeindruckte, war der rote PEUGEOT 205 SR von 1984, den die Präsidentengattin selbst auf den Straßen von Corrèze fuhr. Auch Nicolas Sarkozy nutzte einen 607.

Fragen zum Präsidentenfahrzeug

Sind eine oder zwei Fahnen am Fahrzeug angebracht?

Im Protokoll ist die „Dekoration“ des Präsidentenfahrzeugs genau festgelegt. Wenn sich der Präsident der Republik bei einem offiziellen Anlass im Fahrzeug befindet, wird es mit einer französischen Flagge geschmückt, die an der rechten Vorderseite angebracht ist, auf der das Staatsoberhaupt ein- und aussteigt. Befindet sich ein zweites Staats- oder Regierungsoberhaupt in Begleitung des französischen Staatspräsidenten, wird die Flagge des Gastlandes an der linken Vorderseite angebracht.

Welches Nummernschild hat der PEUGEOT des Präsidenten?

Bis in die 1970er Jahre wurden im Elysée-Palast die Nummernschilder 1PR75 bis 5PR75 für den Wagen des Präsidenten reserviert. Mehrere Fahrzeuge waren auf das Kennzeichen 1PR75 zugelassen. Diese Tradition gibt es heute nicht mehr: Die Fahrzeuge des Präsidenten tragen nun gängige Nummernschilder, die von der Zulassungsstelle chronologisch zugeteilt werden.

Was geschieht mit den Fahrzeugen nach dem Ausscheiden des Präsidenten?

Es gibt keine Vorschrift. Einige bleiben im Fuhrpark des Elysée-Palastes, andere werden verkauft oder an Museen abgegeben. Der Typ 156 von Millerand, die Limousine PEUGEOT  604 von Giscard d'Estaing, die Limousine PEUGEOT  605 von Mitterrand und die Limousine PEUGEOT 607 Paladine werden beispielsweise im Musée de l'Aventure PEUGEOT in Sochaux aufbewahrt.