Werner Steinecker - Der Energie AG Generaldirektor im Interview

Vor 130 Jahren wurde mit dem Beginn der Planungen für die Dampfzentrale in St. Wolfgang der Grundstein für die heutige Energie AG Oberösterreich gelegt. Generaldirektor Werner Steinecker spricht über Meilensteine und künftige Herausforderungen.
Autor: Nadine Pfeiffer, 03.05.2022 um 09:05 Uhr

Was bedeutet der 130. Geburtstag für ein Unternehmen wie die Energie AG?  Das Jubiläumsjahr gibt uns die Möglichkeit zurückzuschauen, aber vor allem auch nach vorne zu blicken. Tradition und Innovation haben immer eine zentrale Rolle gespielt. Seit unserer Gründung mit den Planungen des Dampfkraftwerkes in St. Wolfgang durch Stern & Hafferl 1892 sind wir stark in unserem Land verwurzelt. Für uns sind Nachhaltigkeit und der Generationenvertrag nicht nur Schlagworte, sondern sie werden gelebt. Wir sind ein Stück Oberösterreich und seit 130 Jahren ein Schrittmacher für die Zukunft. 

Wie viele Menschen konnten damals im Vergleich zu heute mit Strom versorgt werden?  Das Dampfkraftwerk in St. Wolfgang konnte in seinen Anfangsjahren das Schafberghotel, die neu erschlossenen Wetterlochhöhlen und den Markt in St.  Wolfgang mit Licht versorgen. Heute versorgen wir mehr als 400.000 Kunden mit Strom, Gas, Wärme und lichtschnellen Daten. Zudem wird mehr als eine Million Einwohner in Oberösterreich und Tschechien mit bestem Trinkwasser versorgt.

Was waren die größten Meilensteine in diesem 130-jährigen Bestehen?  Neben den Pionierschritten in St. Wolfgang waren das die Elektri­fizierung der Straßenbahn in Gmunden sowie der Bau des Kraftwerks Partenstein und damit verbunden die erste 110-kV-Leitung nach Wien. ­Wesentliche Meilensteine waren die thermischen Kraftwerksbauten in Riedersbach, mit denen der steigende Energiebedarf gedeckt werden ­konnte. Die Wasserkraftwerke an der Traun sind ein Symbol für die ressourcenschonende Energieerzeugung im Einklang mit der Natur. Bedeutend waren auch das erste Sonnenkraftwerk am Loser in den 1980ern, die Inbetriebnahme des Gas- und Dampfkraftwerks in Timelkam sowie der SolarCampus in Eberstalzell. Auch unser Engagement im Bereich der Abfallentsorgung und -verwertung, der Wasserversorgung, der Wärme und der schnellen Datenleitungen hat dazu beigetragen, dass die Energie  AG zu einem breit diversifizierten Dienstleistungsunternehmen wurde. In jüngster Zeit waren es der flächendeckende Ausbau der intelligenten Stromzähler, unsere Breitband­offensive mit über 15.000 Subscribern und die Zusammenlegung von Strom, Gas, Wärme und Telekom in eine gemeinsame Vertriebsgesellschaft.

Was sind für die Energie AG die größten Herausforderungen der Zukunft?  Die Energiewende mit dem Umbau des Systems stellt die Branche vor sehr große Herausforderungen. Um die ambitionierten politischen Energie- und Klimaziele zu erreichen, sind mehr Pragmatismus und Technologi­offenheit anstelle bürokratischer Gesetze und Verbote gefragt. Beispielsweise ist eine Verkürzung von UVP-Genehmigungsverfahren (auf zwei Jahre) essenziell, um nachhaltige, ressourcenschonende Projekte zeitnah realisieren zu können. Vor dem ­Hintergrund der derzeitigen Abhängigkeit Österreichs von russischem Erdgas nimmt die Zeitkomponente bei der Transformation des Energiesystems eine umso zentralere Rolle ein. Neben den rechtlichen Rahmenbedingungen wird auch die Verfügbarkeit von ­qualifizierten Fachkräften sowie ­notwendigen Rohstoffen und Mate­rialien ausschlaggebend für das ­Gelingen der Energieziele sein.

Wir sind ein Stück Oberösterreich, seit 130 Jahren ‚einfach da und weiterhin ein Schritt­macher für die Zukunft.