Prostata-Beschwerden: Wenns nicht richtig läuft

Wie macht sich eine ­kranke Prostata anfangs bemerkbar? Eine gutartige Prostataerkrankung, z.B. eine Prostataentzündung oder -vergrößerung, hat typische Symptome, vor allem bei der Miktion. Brennen beim Harnlassen, schwacher Harnstrahl, nächtliches Harnlassen und eine Drangkomponente tagsüber kommen dabei am häufigsten vor. Der Prostatakrebs hingegen macht erst im weit fortgeschrittenen Stadium Symptome, dies dann vor allem durch die Fernge­schwüre der Krebserkrankung, z. B. mit Schmerzen in der Lenden-Wirbelsäule. Zu Beginn ist der Prostatakrebs völlig asymptomatisch.

Woran erkennt der Mann den Unterschied zwischen einer altersbedingt vergrößerten Prostata und Pros­tata­­krebs? In der Regel nur durch die eben genannten klassischen Miktionssymptome, die bei der vergrößerten Prostata auftreten können. Der Prostatakrebs ist anatomisch in der Mehrzahl der Fälle im äußeren Teil der Prostatadrüse lokalisiert und macht deswegen keine Pro­bleme beim Harnlassen.

Wo werden die Vorsorgeunter­suchungen vorgenommen? Die Prostatakrebs-Vorsorge sollte immer durch einen Facharzt für Urologie durchgeführt werden, und nicht wie so häufig durch eine alleinige PSA-Bestimmung (= Tumormarker für ­Prostatakrebs) beim Hausarzt.

Ultraschalluntersuchung der Prostata

Reicht es nicht einfach aus, den PSA-Wert regelmäßig zu ­bestimmen und „that‘s it“? Genau da liegt die Gefahr der Fehl­interpretation dieses organspezifischen Tumormarkers. Dieser kann zum einen falsch positiv erhöht sein, und zum anderen ist eine Interpretation der PSA-Höhe nur anhand des Patientenalters nicht immer korrekt. Am genauesten ist immer die PSA-Evaluierung im zeitlichen Verlauf (= PSA Doubling Time) und in Zusammenschau mit den restlichen Befunden der Vorsorgeuntersuchung.  

Gibt es Ausnahmen, warum man früher zur Prostata-Vorsorge gehen sollte? Gibt es eine familiäre Häufung der ­Prostatakrebs-Erkrankung, sollte etwa der Prostatakrebs z. B. beim Vater, Bruder oder Onkel bereits vorgekommen sein, ist die erste Vorsorge bereits im 40. Lebensjahr, gemäß den internationalen Leitlinienempfehlungen, notwendig.  

Wie wird der Prostatakrebs letztendlich diagnostiziert? Auch wenn es heute gute Möglichkeiten der Prostata-Bildgebung gibt, z. B. MRT oder Hochfrequenz-Ultraschall, geht die Diagnosesicherung immer über eine Biopsie der Prostata mit ­histopathologischem Befund. Diese Biopsie kann in einem ambulanten oder tagesklinischen Setting durchgeführt werden.  

Wenn es zu der Diagnose Prostatakrebs kommt, welche Behandlungsmethoden gibt es und wann kommt welche Methode zur Anwendung? Der Prostatakrebs wird je nach Diagnosestellung eingeteilt in eine Low-, Intermediate- und High-risc-Erkrankung. Zusätzliche Staging-Untersuchungen zeigen, ob der Krebs lokal auf die Prostata begrenzt oder bereits fortgeschrittenmetastasiert ist. Prinzipiell können die lokal begrenzten Prostatatumore mit einem kurativen Therapieansatz, einer Operation oder einer Bestrahlung, angegangen werden. Fortgeschritten-metastasierte Tumore werden in der Regel systematisch behandelt. Es gilt jedoch immer, für jeden einzelnen ­Patienten ein individuelles Therapiekonzept durch das behandelnde Pros­tata-Zentrum zu erstellen.

Wissenswertes über die Prostata

Muss Prostatakrebs immer behandelt werden? Nein, es gibt ein frühes Stadium der Prostatakrebs-Erkrankung, hier darf man den Patienten aktiv beobachten (= Active Surveillance), und dies ohne Prognoseverschlechterung für den Patienten. Diese Active Surveillance verlangt jedoch Disziplin und Com­pliance, d. h., es werden 3-monatliche PSA-Kontrollen und eine Re-Biopsie der Prostata nach einem Jahr durch­geführt. Diese Zeitintervalle können dann aber, bei Stabilität der Befunde, in der Folge weiter prolongiert werden. Wenn der Befund sich aber verschlechtert, wird der Patient dann einer kurativen Therapie zugeführt.  

Gibt es eine Lebensstilführung, die Prostatakrebs verhindert bzw. begünstigt? Prinzipiell ist ein gesundes, vitales Leben immer positiv für den Immunstatus und somit präventiv auch für Krebserkrankungen. Es gibt jedoch ­keine spezifischen Empfehlungen für eine Risikoverminderung bezüglich des Prostatakrebses.  

Ist Prostatakrebs heilbar? Ja, der Prostatakrebs ist im lokal begrenzten Stadium heilbar. Dies gilt vor allem für die Low-risc-Tumore. Bei Intermediate- und High-risc-Tumoren hat die Operation einen Überlebens­vorteil gegenüber der Bestrahlung.  

Kann man einen Prostatakrebs auch im fortgeschrittenen Stadium noch behandeln? Im fortgeschrittenen bzw. metastasierten Stadium wird der Prostatakrebs auf Basis eines Hormonentzugs systemisch behandelt. Auch hier ist ein individuelles Therapiekonzept für die Prognose entscheidend. Unter der richtigen ­Therapiekaskade können bei den ­meisten Patienten zehn bis zwölf Jahre Über­leben bei relativ guter Lebens­qualität gewonnen werden.

Was kann jeder Mann vorbeugend selbst tun – vergleichbar dem Abtasten der Brust zur Früherkennung von Brustkrebs? Darauf achten, regelmäßig zur jähr­lichen Vorsorge zum Urologen gehen, mehr kann man nicht machen. Von einer Selbstuntersuchung der Prostata rate ich dringend ab. 

Autor: Friederike Ploechl, 24.11.2021