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Romana Thiem und Isabella Lehner | Credit: Sabine Kneidinger
Sabine Kneidinger
Promotion

Können statt Klischees

29.09.2026 um 13:34, Online Promotion
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Frauen sind an der Spitze noch immer unterrepräsentiert. Grund genug für die beiden Oberbank-Vorstandsdirektorinnen, ihre Kernbotschaften hervorzuheben.

Weshalb braucht echte Chancengleichheit weiterhin gezielte Frauenförderung? 

Romana Thiem: Weil gleiche Fähigkeiten noch nicht automatisch zu gleichen Chancen führen. Frauen zweifeln oft länger, bevor sie sich für neue Aufgabe melden. Sie prüfen, ob sie bereits alle Anforderungen erfüllen, während andere Chancen ergreifen und den Rest unterwegs lernen. Genau hier müssen wir ansetzen. Wir wollen Frauen nicht bevorzugen, sondern ermutigen, vorzutreten, Verantwortung zu übernehmen und ihre Möglichkeiten zu nutzen. 

Isabella Lehner: Frauenförderung be-ginnt für mich lange vor der Besetzung einer Führungsposition. Entscheidend ist, Potenziale früh zu erkennen, Entwicklung zu ermöglichen und Frauen aktiv anzusprechen. Oft braucht es einen kleinen Anstoß von außen, damit frau den nächsten Schritt wagt. Ein „Ich traue dir das zu“ kann in einer beruflichen Entwicklung erstaunlich viel bewirken.

Warum ist gerade dieses Thema für Sie eine Herzensangelegenheit? 

Isabella Lehner: Weil ich selbst erlebt habe, wie wichtig Menschen sind, die einem etwas zutrauen und Türen öffnen. Hindurchgehen muss man selbst. Aber Chancen entstehen nicht immer von allein. Deshalb sehe ich es als Führungsaufgabe, Potenziale wahrzunehmen, Frauen zu stärken und ihnen die Möglichkeit zu geben, sich zu beweisen. Es geht nicht darum, Frauen in eine bestimmte Rolle zu drängen. Sie sollen frei entscheiden können, ob sie führen wollen – unter fairen Voraussetzungen. 

Romana Thiem: Mir ist wichtig, dass Frauen ihre berufliche Entwicklung nicht kleiner denken, als sie sein könnte. Viele leisten Hervorragendes, machen ihre Arbeit aber still und selbstverständlich. Sie warten darauf, entdeckt zu werden, statt selbst aufzuzeigen. Natürlich brauchen Unternehmen transparente Prozesse und faire Chancen. Gleichzeitig dürfen Frauen lernen, ihre Ambitionen auszusprechen und klar zu sagen: „Diese Aufgabe interessiert mich. Ich möchte Verantwortung übernehmen.“

Welche konkreten Maßnahmen setzt die Oberbank hierbei um? 

Isabella Lehner: Wir arbeiten an mehreren Stellschrauben parallel: offene Ausschreibungen von Führungspositionen, gezielte Entwicklung weiblicher Potenziale, ein konsequentes Monitoring bei Nachfolgeentscheidungen und Angebote, die Führung auch in diversen Lebensphasen ermöglichen. Ebenso wichtig sind Netzwerke und sichtbare Vorbilder. Frauen sollen sehen: Dieser Weg ist möglich, und ich muss ihn nicht allein gehen. Mit „Oberbank 4women“ schaffen wir Raum für Austausch, gegenseitige Unterstützung und Sichtbarkeit. Der Frauenanteil in Führung erreichte 2025 30 Prozent und soll bis 2030 weiter steigen. In Entwicklungsprogrammen streben wir ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis an. 

Romana Thiem: Die entscheidende Arbeit passiert aber im Alltag: Bei Nachfolgeplanungen, Entwicklungsgesprächen und Besetzungsentscheidungen fragen wir uns, ob wir tatsächlich alle geeigneten Talente berücksichtigen. Geben wir Frauen dieselbe Sichtbarkeit? Sprechen wir auch jene an, die sich vielleicht nicht sofort selbst ins Spiel bringen? Zur Förderung gehören zudem flexible Arbeitsmodelle, Führung in Teilzeit und neue Modelle wie Shared Leadership. Diese Ansätze können Führungsverantwortung für jene öffnen, deren Lebensrealität nicht in ein traditionelles Vollzeitmodell passt.

Was bedeutet für Sie „Mut zur Lücke“ in diesem Zusammenhang? 

Isabella Lehner: Vorbereitet zu sein, aber nicht auf hundertprozentige Sicherheit zu warten. Niemand ist in einer neuen Aufgabe sofort vollständig fit, und jede Position bringt einen Lernprozess mit sich. Frauen dürfen sich darauf verlassen, dass sie nicht alles schon können müssen. Wichtig sind Lernbereitschaft, Neugier und der Wille, Verantwortung zu übernehmen. Mein Rat: Wenn Sie sich eine Aufgabe grundsätzlich zutrauen, ergreifen Sie die Chance. Fragen Sie sich nicht nur, was Ihnen fehlt, sondern auch, was Sie mitbringen. Das ist meist deutlich mehr, als Sie glauben. 

Romana Thiem: Der Anspruch, alles perfekt beherrschen zu müssen, kann zum größten Hindernis werden. Entwicklung findet aber nicht in der Komfortzone statt. Wer neue Aufgaben übernimmt, darf Fragen stellen, Lernfelder haben und Unterstützung annehmen. Führung bedeutet schließlich nicht, auf alles sofort eine Antwort zu wissen. Gute Führung zeigt sich auch darin, andere einzubeziehen, zuzuhören und gemeinsam Lösungen zu entwickeln.

Romana Thiem und Isabella Lehner | Credit: Sabine Kneidinger

Warum beginnt Selbstbestimmung mit finanzieller Freiheit? 

Isabella Lehner: Weil Selbstbestimmung über die berufliche Position hinausgeht und eine finanzielle Dimension hat. Das Einkommen allein schafft noch keine finanzielle Unabhängigkeit. Dazu gehören Vorsorge, Absicherung, Vermögensaufbau – und finanzielle Entscheidungen nicht dauerhaft anderen zu überlassen. 

Romana Thiem: Viele Frauen kümmern sich hervorragend um die finanzielle Sicherheit ihrer Familie, stellen die eigene Vorsorge aber hinten an. Das Thema wird vertagt oder an den Partner delegiert. Finanzielle Eigenständigkeit ist jedoch kein Misstrauensvotum gegenüber einer Partnerschaft. Sie ist persönliche Verantwortung und ein wichtiger Teil der eigenen Lebensplanung.

Ihr abschließender Rat an uns? 

Romana Thiem: Sprechen Sie aus, was Sie wollen. Machen Sie Ihre Leistungen sichtbar und warten Sie nicht darauf, dass jemand zufällig erkennt, wozu Sie fähig sind. Und: Unterstützung anzunehmen ist kein Zeichen von Schwäche, sondern ein kluger Teil jeder Entwicklung. 

Isabella Lehner: Trauen Sie sich etwas zu. Nutzen Sie Chancen, auch wenn Sie noch nicht jedes Kästchen im Anforderungsprofil abhaken können. Seien Sie mutig genug für den nächsten Schritt und gelassen genug für die eine oder andere Lücke. Und: Nehmen Sie Ihre finanzielle Zukunft selbst in die Hand – denn echte Unabhängigkeit heißt, den eigenen Weg frei zu wählen.

Zur Person

Romana Thiem studierte Rechtswissenschaften in Salzburg und startete direkt danach im Firmenkundengeschäft der Oberbank. 2017 übernahm sie die Leitung des Private Banking in Salzburg, 2022 die Leitung der Privatkundenabteilung in Linz. 2024 wurde sie in den Vorstand berufen und verantwortet die Bereiche Private Banking, General Banking sowie 4 Geschäftsbereiche in Österreich und Deutschland.

Isabella Lehner studierte Wirtschaftswissenschaften in Linz, kam 2011 zur Oberbank und entwickelte dort den Online-Bereich maßgeblich weiter. Später leitete sie die Abteilung Privatkunden mit Fokus auf Digitalisierung und anschließend die strategische Organisationsentwicklung. 2023 wurde sie in den Vorstand berufen und verantwortet die Bereiche Organisationsentwicklung, Digitalisierung, IT und Nachhaltigkeit.

Kontakt

Oberbank AG
Untere Donaulände 28
4020 Linz 
Tel: +43 (0732) 7802 - 0
Mail: office@oberbank.at
Web: www.oberbank.at

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