Zwischen Paragrafen und Personlichkeit
Der Gedanke „Gestalten statt Abwarten“ ist buchstäblich Ihr Leitmotiv. Was bedeutet dieser Anspruch für Sie – beruflich als Notarin, aber auch persönlich?
Im Grunde ist meine Betrachtung „Gestalten statt Abwarten“ beruflich und privat sehr ähnlich. Im Privaten denke ich, dass man nicht alles in der Hand hat und sich manches auch entwickeln darf. Manchmal spielt das Leben anders als geplant. Anders im beruflichen Kontext: Hier rate ich dazu, die „Ist-Situation“ zu erheben, hinzuschauen, die möglichen Szenarien durchzuspielen und dann das Wunschszenario ins Auge zu fassen. Hier kann ein gestalterischer Spielraum in Form einer sicheren Regelung eine Vorsorge und Wohltat für später sein.
Menschen kommen häufig zu Ihnen, wenn im Leben etwas in Bewegung gerät – Partnerschaft, Familie, ein Unternehmen, Vermögen oder Nachfolge. Was macht für Sie gute Beratung in solch entscheidenden Lebensphasen aus?
Gute Beratung beginnt mit einem sehr ehrlichen, nicht geschönten Gespräch. Alles – auch oder besonders das Unangenehme – aussprechen, nichts verschweigen oder negieren. Adressat ist eine gute Zuhörerin und jemand, bei dem Empathie eine große Rolle spielt. Dann heißt es, vorausschauend zu sein. Ich denke, es gibt kein Patentrezept guter Beratung. Je nachdem gilt es auch, verschiedene Blickwinkel einzunehmen und so auch eine andere Sichtweise in Betracht ziehen zu können.
„Beratung kann weiblich“ – was steckt für Sie hinter diesem Gedanken? Gibt es Qualitäten, die Frauen heute stärker in eine traditionell eher männlich geprägte Beratungswelt einbringen können, ohne dabei klassische Rollenbilder zu bedienen?
Das ist schwierig – ohne klischeehaft sein zu wollen: Vielleicht ist weibliche Beratung emotionaler geprägt, von größerer Empathie, akribischer und manchmal auch detailverliebter. Ich glaube, dass Frauen oft einen etwas anderen Blickwinkel einbringen und dadurch auch andere Aspekte in der Beratung wahrnehmen. Gleichzeitig sind für mich Ehrgeiz, das eiserne Verfolgen eines Zieles sowie der notwendige Weitblick besondere Qualitäten. Gerade die Verbindung aus Empathie, Genauigkeit und Zielstrebigkeit kann in der Beratung sehr wertvoll sein.
Wenn Sie auf Ihren Weg und auf die nächste Generation von Frauen in Ihrer Branche blicken: Was ist heute selbstverständlicher – und wo wünschen Sie sich noch deutlich mehr weibliche Selbstverständlichkeit?
Selbstverständlich sind aus meiner Sicht eine gute Ausbildung und der berufliche Werdegang, ebenso wie die Tatsache, dass es kein Entweder-oder zwischen beruflichem Erfolg und Familie geben sollte. Genauso selbstverständlich sollten auch Frauen in Führungspositionen sein. Was ich hier allerdings auffällig finde, ist, dass es nach wie vor nicht selten Frauen in solchen Positionen sind, die – sei es bewusst oder aus anderen Gründen – kinderlos sind. Hier erachte ich es als notwendig und gleichermaßen selbstverständlich, sich selbst und seinen Idealen treu zu bleiben und sich nicht vom eigenen Weg abbringen zu lassen. Beruflicher Erfolg und Familie sollten einander nicht ausschließen. Vielmehr geht es darum, den eigenen Weg konsequent zu verfolgen und dabei auf die persönlichen Vorstellungen und Ziele zu vertrauen, auch wenn im Laufe des Lebens die eine oder andere Kurskorrektur erforderlich wird.
Last, but not least: Mit Ihrer neuen Adresse in Gallneukirchen beginnt auch räumlich ein neues Kapitel. Was wollten Sie mit diesem Schritt verändern oder weiterentwickeln – und was sollen Ihre Mandant:innen spüren, wenn sie bei Ihnen zur Tür hereinkommen?
Mein neuer Standort „Pfarrplatz 1“ steht sinnbildlich für mehr als Paragrafen und Verträge. Jedenfalls sehe ich den ehrwürdigen Ort, der für mich auch einen persönlichen Wert und eine besondere Bedeutung hat, als gutes Omen. Er steht für positive Veränderung, klare Sicht, Menschlichkeit und Verständnis in einem modernen, technisch zeitgemäß ausgestatteten Notariat. Dort, wo ich mich selbst wohlfühle, kann ich professionell und zugleich individuell auf die Bedürfnisse meiner Klient:innen eingehen.
Zur Person
Reinhild Schober-Hohla wurde 1978 in Linz geboren, lebt im Linzer Domviertel und ist Mutter einer 15-jährigen Tochter und eines fast 14-jährigen Sohnes. Die Juristin studierte Rechtswissenschaften in Innsbruck und Salzburg und absolvierte ihre Gerichtspraxis in Eferding und Wels. Nach einer Tätigkeit in der Rechtsabteilung einer Baufirma wechselte sie ins Notariat, wo sie seit 2004 tätig ist. Seit April 2023 ist sie öffentliche Notarin in Gallneukirchen. Ein besonderer Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt auf der Vorsorge in unterschiedlichen Lebenslagen. 2026 setzt sie mit dem Umzug ihres Notariats an den Pfarrplatz 1 den nächsten Schritt auf ihrem beruflichen Weg.
Neue Adresse - gleiche Nähe
Pfarrplatz 1
4210 Gallneukirchen
Tel: 07235 67067
Mail: office@notaringallneukirchen.at
Web: www.notarin-gallneukirchen.at
