Malen ist mein Leben - Kurt Stimmeder

Soeben bist du zurück aus London, wo du als einer der ganz wenigen österreichischen Künstler zur „Affordable Art Fair“ eingeladen wurdest. Wie bist du zur Malerei gekommen?

Ich habe mich schon immer kreativ ausgedrückt und war früher Musiker. Mit Mitte dreißig hatte ich eine Phase, in der ich nichts Kreatives gemacht habe und bin eher aus Neugier zur Malerei gekommen. Allerdings habe ich – wie vom Blitz getroffen – erkannt, dass ich mich mit Malerei am allerbesten ausdrücken kann.

Deine Bilder entstehen in der aufwendigen altmeisterlichen Maltechnik. Was fasziniert dich daran?

Meine Liebe gehört der altmeisterlichen Malerei und mein Lieblingssujet ist das Porträt. Und weil der Mensch aus mehr besteht als nur dem Kopf, zieht es mich auch zu den altmeisterlichen Allegorien, weil man sich damit ganz großartig ausdrücken kann. Ich bin offen für alle Epochen. Aber die riesengroßen Historiengemälde des 19. Jahrhunderts oder auch die Bilder aus dem Barock faszinieren mich, weil die eine sehr spektakuläre Komposition haben. Rein technisch betrachtet hat die Malerei ihren Höhepunkt bereits vor 500 Jahren gehabt. Manche technische Aspekte wurden über die Jahrhunderte aufgegeben, dafür wurden neue hinzugewonnen. Man kann es in Wahrheit nicht beschränken und muss es immmer im zeitlichen Kontext betrachten.

Bild von Kurt Stimmeder

Trifft auf dich zu, dass man als Künstler im Schaffensprozess einsam ist?

Als Maler ist man eigentlich in einer Art Dauerquarantäne ohne soziale Interaktion. Oft befinde ich mich während eines intensiven Arbeitsprozesses in einem tranceähnlichen Zustand. Ich versuche immer, in jedem Bild etwas nicht Greifbares mitzugeben. Das habe ich früher mit ganz starker Farbigkeit zu erfüllen versucht und bin dann draufgekommen, dass es für mich selber ganz wenig Farbe braucht, um das zum Ausdruck zu bringen, was ich ausdrücken will. Es ist eine kontinuierliche Entwicklung von einer sehr bunten Breite der Farbpalette auf eine sehr starke Reduktion. Das Interessante an wenig Farbe ist, dass es sehr wenige verschiedene Farben braucht, um eine große Farbvielfalt zu erzielen. Die Realität ist eigentlich weniger bunt, als man denkt. Das hängt ganz stark mit dem persönlichen Moment zusammen. Man sagt ja nicht von ungefähr, dass der Alltag grau ist.

Wo würdest du gerne eines deiner Bilder ausgestellt sehen?

Amüsant wäre es, wenn eines meiner Porträts in London im Kunstmuseum „ National Portrait Gallery“ hängen würde. Porträts haben dort einen unglaublichen Stellenwert. Die Engländer sind verrückt danach. (Lacht)

Steckbrief Kurt Stimmeder
Autor: Friederike Ploechl, 09.05.2022