It's time for Wine ...

IN VINO VERITAS. Dass im Wein die Wahrheit liegen soll, hat jeder schon einmal gehört. Aber kennen Sie diesen Ausspruch: „Im Wein liegt nicht die Wahrheit, sondern der Leichtsinn, sie in ungeeigneten Momenten zu erzählen“? Oder den: „Wer die Wahrheit im Wein finden will, sollte die Suche nicht gleich beim ersten Glas aufgeben!“? Durchaus vertretbar erscheint dieser Ratschlag: „Beginne den Tag mit einem Lächeln und beende ihn mit einem Glas guten Wein!“ Was ein guter Wein ist, liegt natürlich im Auge des Betrachters oder im Mund des Verkosters, wenn man so will. Wenn von österreichischem Wein die Rede ist, denkt man vermutlich zuerst einmal an die Anbaugebiete in Niederösterreich, im Burgenland oder in der (Süd-)Steiermark. Dabei wurde auch in Oberösterreich über Jahrhunderte hinweg Wein angebaut, sehr viel sogar! Aber dann kam ein Klimawandel (ja, so etwas gab es auch früher schon) in Form einer kleinen Eiszeit im 18./19. Jahrhundert und die Flächen, auf denen Wein angebaut wurde, nahmen in der Folge drastisch ab. Es war der empfindlichen Weinpflanze schlicht zu kalt nördlich der Alpen. Nun aber – nächster Klimawandel – wird es seit einigen Jahren wieder wärmer und die Weinreben sind nach Oberösterreich zurückgekehrt. Natürlich nicht von selbst, sondern Kraft einer Reihe unbeirrbarer Weinbauern. Einer davon ist Armin Kienesberger.

Kellermeister Armin Kienesberger

Ein Haus voller Liebe.

Armin Kienesberger war eigentlich Steinmetz, als ihn 2010 der „Ruf“ ereilte. Die Idee, in einer für Weinbau unbekannten Gegend als Quereinsteiger Wein erzeugen zu wollen, erschien zunächst schon ziemlich verrückt. Aber Kienesberger war bereit, seinen Weg zu gehen und der erste Schritt führte ihn in die Weinbauschule Krems. Vier Jahre später, also 2014, konnte er als erster Oberösterreicher die Ausbildung zum Weinbau- und Kellermeister abschließen. Es war an der Zeit, den eigenen Weingarten anzulegen – doch damit nicht genug der Herausforderung, sollte es ein rein biologisch-dynamischer Wein sein, der hier heranwachsen würde. Heute ist das Weingut in Schlüßlberg gar das einzige Bio-und Demeter-zertifizierte in Oberösterreich. Gemäß der Idee, dass eine Landwirtschaft ein lebendiger Organismus ist, der sich selbst reguliert, wird auf jegliche Form künstlicher Spritzmittel verzichtet, gedüngt wird mit dem hauseigenen Kompost. Die Arbeit im Weingarten erfolgt per Hand. Mit derselben Achtsamkeit wird die Weinherstellung aufs Wesentliche reduziert. Das Credo lautet: Begleiten statt produzieren. Denn der Wein von Casa Amore soll authentisch, ungeschminkt, echt sein. Und der Erfolg gibt dem Winzer recht. 2020 wurde er von Gault & Millau mit dem Sonderpreis „Entdeckung des Jahres“ ausgezeichnet.

Armin Kienesberger, Casa Amore Wein:

Die Familie wusste schon, dass ich keine halben Sachen mache und unterstützte die Entscheidung, in Grieskirchen Wein anzubauen. Ich weiß natürlich nicht, was die anderen so über mich gesprochen haben, aber von „verrückt“, „der traut sich was“, „kann nichts werden“ bis „Schnapsidee“ war sicher alles dabei. Jetzt, wo wir erfolgreich sind, trauen sich schon ein paar, über ihre Meinung von damals zu sprechen. Das stört mich aber nicht, wichtig war und ist sich seiner Stärken selbst bewusst zu sein und einen Plan zu haben, wie man seine Ziele erreicht. In meinem Kopf waren ja schon die vielen Puzzleteile, die erst zehn Jahre später für die anderen ein Bild ergeben, schon fertig, und zwar genau so, wie es jetzt ist.

Casa Amore

Weinland Oberösterreich.

Eine vor allem im Zentralraum wohl bekannte Wein-Größe ist die Familie Velechovsky. Ihr imposantes Nussböckgut befindet sich in Leonding. Dort wird auf 5,6 Hektar Wein angebaut. Neben dem Direktträger Concordia, aus dem der Velsecco und der Red Uhu gemacht werden, gibt es auch eine Reihe herrlich frischer Weißweine im Angebot.

Familie Velechovsky

Auf dem Hof der Gmeiners in Perg wird seit 2005 Wein gekeltert. Die Weingärten umfassen rund einen Hektar, auf dem vier verschiedene Rebsorten wachsen: der weiße, etwas weniger bekannte Bouvier, der trendige Chardonnay, der klassische Zweigelt und der rote Roesler. Den größten Erfolg erzielte Leo Gmeiner mit seiner im französischen Eichenfass ausgebauten Cuvée Leo. Aber Gmeiner war es mit dem eigenen Wein nicht genug: Er richtete in Perg ein Weinkompetenzzentrum ein, um Interessierten den oberösterreichischen Weinbau näherzubringen.

Leo Gmeiner

Während die Weingärten rund um die Bundeshauptstadt Wien bereits als eigenes Anbaugebiet anerkannt sind, ist man in Linz noch nicht ganz so weit. Aber es wird daran gearbeitet. Jörg Rigger will gemeinsam mit dem Verein „Vinea Lentia“ seinen ersten Linzer Wein 2023 keltern (siehe Infobox „1. Linzer Wein“).

Jörg Rigger, Geschäftsführung Wohnbau 2000 & Neo-Winzer:

Die Idee, einen eigenen Wein zu machen, ist – wie könnte es anders sein – bei einer Weinlaune entstanden, gemeinsam mit Freunden in entspannter Atmosphäre. Wein ist ja ein geselliges Getränk und nicht nur das, ich würde Wein auch als gesundes Getränk bezeichnen, ein Glas guter Wein ist durchaus auch bekömmlich für die Gesundheit!

Verein Vinea Lentia

Im Haselgraben füllt Manfred Maureder seit 2019 den edlen Saft ab. Bei Der Manfred & den Seinen gibt es Gemischten Satz, Gelben Muskateller, Grünen Veltliner und Rosé.

Der Manfred & die Seinen

Florian Eschlböck wiederum macht aus den Trauben seiner 13 ha umfassenden Weingärten rund um Hörsching eine ganze Reihe unterschiedlicher Weine. Die Palette reicht vom „95 Tage Chardonnay Classic“ über einen „Pinksecco“ bis hin zu „Der Eschlböck 1000 & 1 Nacht Zweigelt Barrique“.

95 Tage

Im etwas abgelegenen Weilbach betreibt Wolfgang Költringer seinen „innviadla weinbau“. Scheint ungewöhnlich, dabei wurde hier schon im Mittelalter großflächig Wein hergestellt! 2006 kelterte er jedenfalls den ersten Wein und mittlerweile umfasst sein Sortiment Rivaner, Veltliner, Chardonnay, ebenso Zweigelt und mehrere Cuvées. Angesichts der doch eher frischen Temperaturen in Bad Hall hat sich Armin Rogl auf Weißweine spezialisiert: Bei ihm wachsen auf zwei Hektar rund 4.000 Reben Grüner Veltliner und 2.000 Reben Gelber Muskateller.

Weinbau Rogl

Wein aus Leidenschaft.

Neben den oben genannten Winzern gibt es noch Weinproduzenten, die zwar Oberösterreicher sind, ihren Wein aber ganz woanders machen. Besonders erfolgreich ist damit Clemens Strobl, der sich ein kleines, feines Weingut am Wagram aufgebaut hat: die Weinmanufaktur Clemens Stobl – die unter Federführung des Innenarchitekturbüros destilat übrigens schon mit einem Designpreis ausgezeichnet wurde.

Clemens und Lukas Strobl

Der Unternehmer Karl Egger hat sein Herz an die Toskana verloren. Hier hat er vor einigen Jahren das Weingut Tenuta di Carleone erworben, den Kellermeister Sean O‘Callaghan „importiert“ und produziert seitdem herrlichen Chianti und andere edle Tropfen. Ach ja, kennen Sie den eigentlich schon? „Was du heute kannst entkorken, das verschiebe nicht auf morgen“ …

Toskana

Infobox: 1. Linzer Wein

Am Gründberghügel im Linzer Stadtgebiet wurde vor eineinhalb Jahren auf rund einem Hektar ein Weingarten angelegt. Auf die abenteuerliche Idee waren die vier (Wein-) Freunde Jörg Rigger, Christian Sturm, Mario Mayer und Harald Höflinger mit ihrem frisch gegründeten Verein „Vinea Lentia“ gekommen. Auch wenn die Reben neu waren, tatsächlich wurde damit ein altes Weinbaugebiet reaktiviert, denn rund um Linz war über Jahrhunderte hinweg Wein angebaut worden. Gut 6.500 Flaschen sollen es sein, die in den nächsten eineinhalb Jahren erstmals abgefüllt werden. Geplant sind Weißweine mit den klingenden Namen „Donau Riesling“, „Donau Veltliner“ und „Donau Muskateller“ – und ein kleines Geheimprojekt das aber noch, na ja, geheim ist.

Autor: Sarah Estermann, 20.09.2021