Women make IT happen
Inhalt
Die Homepage von mann&mouse IT Services GmbH macht sofort neugierig – selbst wer viel im Netz unterwegs ist, stößt selten auf so eine sympathische, pfiffig gestaltete, aber dennoch hoch professionelle Seite. Natürlich passt das zum Kern des Unternehmens: die digitale Welt im Griff zu haben. Der Betrieb wurde 2003 aus der internen IT-Abteilung der TGW Logistics Group ausgegründet. Heute ist die IT-Schmiede zu 100 Prozent unabhängig und betreut mit über 120 Mitarbeitenden jährlich knapp 60.000 Tickets – starke Zahlen, die für sich sprechen. Doch das Herz des IT-Experten schlägt vor allem für eines: weibliche Talente. Im Unternehmen ist man überzeugt: Frauen bringen nicht nur fachliche Kompetenz, sondern auch Kommunikationsstärke, Empathie und Organisationstalent mit. Ob im Kunden-Service-Desk, in der Projektkoordination oder im technischen Support – sie sorgen für frischen Wind in Projekten sowie Prozessen und gestalten die digitale Zukunft aktiv mit. Und genau diese Energie, mit der Frauen hier Ideen umsetzen, steckt gefühlt auch in jedem Pixel des kurzweiligen Layouts als Firmenauftritt im World Wide Web. Der Spaß hört jedoch bei der Homepage nicht auf – speziell beim Thema „Karriere“ ist mann&mouse alles andere als langweilig, da Kompetenz, Kreativität und Teamgeist im Unternehmen ihresgleichen suchen.
Drei Stimmen, eine Vision.
Weibliche Talente werden intern gezielt gefördert – durch Ausbildung, Mentoring und Zusammenarbeit mit Initiativen wie „Digital Pioneers“. In unseren Gesprächen mit drei Vertreterinnen des mann&mouse-Teams wird daher schnell deutlich, wie sehr diese Unterstützung motiviert und die Karrierechancen stärkt.
Was bedeutet es für Sie, als Frau in einer Branche zu arbeiten, die lange als Männerdomäne gegolten hat, und wie hat sich Ihr Blick auf die IT dadurch verändert?
Für mich bedeutet es vor allem, die Möglichkeit zu haben, Veränderungen zu schaffen und ein Vorbild für andere Frauen zu sein. Im Laufe der Zeit hat sich mein Blick auf die IT stark verändert. Früher hatte ich ein sehr stereotypes Bild von der IT und hätte nie gedacht, dass ich diesen Bereich einmal als so spannend und vielseitig erleben würde. Heute sehe ich, wie viele Wege und Chancen zur persönlichen wie fachlichen Entwicklung es gibt – gerade auch für uns Frauen. Die Branche ist offener, innovativer und menschlicher, als man von außen oft denkt. Es ist ein schönes Gefühl, als Frau sichtbar zu sein und vielleicht auch anderen Mut zu machen. Die IT ist kein geschlossener Raum, sondern voller Möglichkeiten.
Wo sehen Sie heute klare Veränderungen im Recruiting von Frauen für IT-Positionen im Vergleich zu früher?
Vor ein paar Jahren lief vieles noch nach klassischen Mustern. Heute werden Stellenprofile geschlechtsneutral und inklusiv gestaltet und schon im Vorfeld wird über Diversität nachgedacht, um Frauen gezielt anzusprechen. Wir wissen, dass sie auf andere Soft Skills achten und sich erst bewerben, wenn sie rund 90 Prozent der Anforderungen erfüllen – Männer bereits bei etwa 60 Prozent. Gleichzeitig entstehen immer mehr Initiativen, die Frauen im IT-Bereich sichtbar machen und den Einstieg erleichtern wie die „Digital Pioneers“, wo viele über den zweiten Bildungsweg in die IT wechseln. Wir sind bereits zum zweiten Mal dabei und genau dadurch ist auch Stella zu uns gekommen. Für mich reicht es heute nicht mehr, Frauen nur zur Bewerbung zu motivieren. Sie müssen sich im gesamten Prozess repräsentiert fühlen – von genderneutraler Sprache über sichtbare weibliche Vorbilder bis zu einer Unternehmenskultur, die sie langfristig unterstützt. Verglichen mit früher bedeutet das für mich, dass weibliche Talente heute ein bewusster Teil des Recruitings sind – auch, wenn noch viel zu tun bleibt.
Welche drei Barrieren begegnen Frauen nicht nur beim Einstieg in der IT?
1. Strukturelle und kulturelle – in männlich dominierten Teams herrschen stereotype Erwartungen und eine Kultur, in der frau sich beweisen muss. Karrierewege sind weniger transparent, und flexible Modelle, die den Einstieg erleichtern würden, fehlen.
2. Die geringe Präsenz weiblicher Vorbilder, die jedoch so wichtig wäre. HR kann Frauen sichtbarer machen, Mentoring anbieten und Netzwerke stärken. Sichtbarkeit ist ein wirksames Mittel, um Barrieren abzubauen. 3. Die „Confidence Gap“: Frauen starten mit gleichen Skills, aber oft weniger Selbstvertrauen – nicht, weil sie weniger können, sondern durch hemmende soziale Prägung.
Was bedeutet es für Sie, als Frau in einer Branche zu arbeiten, die lange als Männerdomäne gegolten hat, und wie hat sich Ihr Blick auf die IT dadurch verändert?
Ich habe in meinem Leben bereits in mehreren Branchen gearbeitet und für mich spielt es keine große Rolle, ob eine Branche männer- oder frauendominiert ist. Letztlich geht es immer darum, mit unterschiedlichen Persönlichkeiten zusammenzuarbeiten und offen und respektvoll aufeinander zuzugehen, unabhängig vom Geschlecht. Wobei ich schon anmerken möchte: Es heißt natürlich „DIE Informationstechnik“.
IT und Marketing scheinen zwei Welten zu sein. Wo treffen sie sich, und was macht ihre Schnittstelle spannend?
Auf den ersten Blick wirken sie wie unterschiedliche Welten – die eine technisch, die andere kreativ. In der Realität sind sie eng miteinander verbunden: IT lässt sich heute in keiner Organisation mehr isoliert betrachten. Egal, ob Marketing, Einkauf oder HR: IT ist überall. Wenn ich mich im Marketing mit SEO, Google Ads oder Social Media beschäftige, sind das stets auch IT-Themen. Um unsere Zielgruppen zu erreichen, muss ich zunehmend Algorithmen bedienen, um digital sichtbar zu sein. Besonders spannend wird die Schnittstelle durch generative KI: Tools wie Copilot nutze ich täglich – sie nehmen mir operativen Aufwand ab und geben Raum für strategische Themen.
Welche Geschichte zeigt besonders eindrucksvoll, wie viel Kraft und Verantwortung weibliche Talente bei Ihnen im Unternehmen übernehmen?
Ich erinnere mich gut an meinen ersten Arbeitstag vor knapp einem Jahr. Eine junge Kollegin aus der IT hat mich durch den Tag begleitet und meine gesamte technische Ausstattung eingerichtet. Ich habe dann im Gespräch erfahren, dass sie die Ausbildung zur „IT-Systemtechnikerin“ bei uns macht. Ich war beeindruckt von der Art und Weise, wie sie mich so kompetent und souverän durch alle Abläufe führte. Ihre Geschichte zeigt für mich, wie selbstverständlich junge Frauen bei uns Verantwortung übernehmen und genau das macht sie so stark. Die junge Kollegin heißt übrigens Stella.
Stichwort „Eigene Arbeitgebermarke“: Welche Botschaft ist Ihnen speziell für junge Frauen besonders wichtig?
Wir heißen mann&mouse, sind aber längst frau&mouse. In Bereichen wie Marketing, HR, Einkauf und Verwaltung arbeiten inzwischen mehr Frauen als Männer und auch im IT Service Desk besetzen wir zunehmend Positionen mit Frauen. Wir sind ein Unternehmen, das Vielfalt lebt: eine bunte Mischung aus IT-Expert:innen, Consultants, Projektbegleiter:innen, Tüftler:innen, Nerds und Teamplayer:innen. Genau diese Vielfalt macht uns erfolgreich. Junge Frauen, die sich für IT interessieren, finden bei uns nicht nur einen Job, sondern die Chance, viel zu lernen und sich fachlich wie persönlich weiterzuentwickeln. Wer Motivation und Engagement mitbringt, ist richtig bei uns.
Was bedeutet es für Sie, als Frau in einer Branche zu arbeiten, die lange als Männerdomäne gegolten hat, und wie hat sich Ihr Blick auf die IT dadurch verändert?
Durch meine Erfahrung als Sicherheitsangestellte und mein Interesse an der Metal-Szene habe ich gelernt, in männlichen Umgebungen zu agieren. Ich denke, dass Frauen mit der nötigen Anpassungsfähigkeit aufwachsen, um sich in diversen Milieus einzufinden und die notwendigen Adjustierungen zu treffen, um sich wohlzufühlen. Obwohl ich versuche, vorurteilsfrei zu leben, hat mich die Offenheit und der Umgang in der Branche positiv überrascht. Die IT-Welt ist nicht nur in der Arbeitsweise, sondern auch im Miteinander zukunftsorientiert und modern. Natürlich bekommt frau gelegentlich skeptische Reaktionen von User:innen – hinterfragt zu werden, ist jedoch keine neue Erfahrung. Mit der Unterstützung meines Teams rauben mir Mikroaggressionen nicht die Freude an der Arbeit.
Was hat Sie in die IT geführt – Neugier, Zufall oder ein konkreter Traum?
Ich war zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Als gelernte Piercerin habe ich eine Herausforderung gesucht und diese durch das „Digital Pioneers“-Projekt gefunden: ein freiwilliges digitales Jahr zur Umschulung von Frauen in die IT, das von AK, AMS und BFI angeboten wird. Über mein Leben verteilt habe ich die Technik stets durch handwerkliche Tätigkeiten, die Licht- und Bühnentechnik oder eigene DIY-Projekte versiert. Die IT war eine neue, wenn auch anfangs einschüchternde Erweiterung meines Repertoires, auf die ich inzwischen stolz bin.
Selbstbewusst, anspruchsvoll, wertorientiert – trifft das auf Ihre Gen Z zu?
Meine Generation beweist, dass sie aus Wandel, Technik und sozialen Normen gelernt hat, für sich selbst und andere einzustehen. Der Gen-Z-Spirit mag oft überheblich wirken, doch meine Generation spricht ihre Meinung laut aus und erkennt ihren Wert – privat wie beruflich. Ich glaube, dass sowohl dem Arbeitsmarkt als auch der Gesellschaft die modernen Wertansätze und die selbstsichere Gen-Z-Grundeinstellung Mehrwert bieten und ihr Selbstbewusstsein im Positiven ansteckend ist.
Was raten Sie jungen Frauen, die eventuell überlegen, in die IT zu gehen?
Manche lernen nicht, ihren Wert zu erkennen. Aus Erfahrung ist weibliche Selbstsicherheit jahrelange Arbeit, da viele (erfolgreich) das „Fake it till you make it“-Prinzip leben. Menschen raten oft zum „nicht aufgeben“, ich hingegen zum „einfach anfangen“. Die FH-Professorin Martina Gaisch zeigt in ihrer MINT-Studie, dass fehlende Ermutigung im Umfeld sowie unbegründete gesellschaftliche Vorurteile Selbstzweifel hervorrufen. Unbekannten, komplexeren Interessen nicht nachzugehen, schafft einen vermeintlichen „Safe Space“, der nur von potenzieller Passion zurückhält. Männer zweifeln nicht an sich – warum sollten sie?