Hubert von Goisern - Der Vielseitige

Seit 30 Jahren machen Sie erfolgreich Musik, haben dabei ein ganzes Genre modernisiert, vergangenes Jahr ein neues Album – Ihr 15. – produziert und Ihren ersten Roman geschrieben. Warum? Das letzte Mal bin ich am 26. Oktober 2016 auf der Bühne gestanden, also viel Zeit gehabt zum Schreiben. Insgesamt habe ich an dem Buch zwei Jahre gearbeitet! Das Buch war schon lange in meinem Kopf, hab es aber immer vor mir hergeschoben. Mir ist immer die Musik dazwischengekommen.

Also kein dem Corona-Lockdown gezollter Roman? Nein, überhaupt nicht! Auch das neue Album hat nichts damit zu tun! Mit dem Album habe ich im Herbst 2019 angefangen und im März darauf ist es fertig geworden. Genau wo Corona zu uns gekommen ist. Da ist noch nix von dem (Corona-)Groove drinnen – weder im Buch noch im Album! Ich habe mir ja viel Zeit dafür genommen, sonst wäre ich bereits vor einem Jahr damit auf Tour gegangen. Dann mussten wir auf heuer verschieben und jetzt haben wir noch einmal verschoben – auf nächstes Jahr. Es ist halt so, wie es ist. Ich hade- re nicht damit!

Das Buch ist in Hochdeutsch geschrieben. War es für Sie schwierig, Gefühlswelten nicht im Dialekt zu Papier zu bringen? Die Art und Weise, wie ich Texte schreibe, hat mich beeinflusst. Seit bald 20 Jahren hab ich mir Anlauf genommen, um mal etwas Hochdeutsches zu machen – mir hat nie gefallen, was dabei herausgekommen ist. Mir ist das Hochdeutsche immer pathetisch vorgekommen. Der Dialekt war mir immer näher, er ist viel wärmer. Durch das Schreiben am Buch und dabei mit der Schriftsprache auf Du und Du zu sein, ist es mit den hochdeutschen Texten dann einfach geflutscht. Auch der überwiegende Teil der Texte auf dem neuen Album ist jetzt in Hochdeutsch!

In seinem künstlerischen Schaffen ist Hubert Achleitner sehr aufmerksam und kritisch

Gab es für Sie einen Überraschungsmoment beim Anhören? Nein, das hat gepasst. Ich war dann so weit und so hat es mich dann nicht überrascht. Einige Zuhörer wird es wahrscheinlich überrascht haben, aber mich nicht.

In Ihrem Debütroman „flüchtig“ geht es auch um Flucht, oder? Ja, in dem Buch sind alle Figuren irgend- wie auf der Flucht. Alle haben eine Peri- ode ihres Lebens hinter sich, wo sie ein- fach abgehauen sind und irgendwo neu angefangen haben. Sei es gezwungenermaßen durch kriegerische Umstände, gesellschaftlichen Druck oder durch Armut. Es zieht sich als roter Faden durch das Buch, dass, wenn man merkt, so geht es nicht weiter, man die Initiative ergreifen muss und wirklich etwas hinter sich lassen muss und nicht so weitermacht wie bisher.

Das Thema „Partnerschaft“ spielt eine große Rolle im Roman. Ist Partnerschaft wichtig? Das muss jeder für sich aus- machen. Für mich ist sie wichtig. Ich würde sagen, größer als jeder meiner Hits, ist die Tatsache, dass es mir gelungen ist, eine Familie zu haben. Natürlich ist es eine partnerschaftliche Errungenschaft, dass wir uns beide über die Zeit hinweg nie aus den Augen verloren haben, uns nahegestanden und unsere Kinder in einer intakten Familie aufgewachsen sind. Ehrlich gesagt, ich glaube, dass Partnerschaft für die meisten Menschen diesen Stellenwert hat. Es hätte mit Sicherheit nicht funktioniert, wenn meine Frau nicht auch ein starkes Ego hätte. Es ist gut, mit seinem Partner auf Augenhöhe zu sein. Man muss ja nicht alles bis auf den kleinsten gemein- samen Nenner zusammen zelebrieren. Es darf schon jeder für sich auch existieren. Das Ich muss auch Platz haben.

Buchtipp "flüchtig" von Hubert Achleitner
Autor: Friederike Ploechl, 20.09.2021