Einmal Genuss zum Mitnehmen, bitte!

„Man soll dem Körper Gutes tun, damit die Seele Lust hat, darin zu wohnen“ – diese viel zitierten Worte von Winston Churchill haben auf den ersten Blick so gar nichts mit Covid-19 zu tun. Dabei wusste wohl kaum jemand besser, was Krise bedeutet, als der ehemalige britische Premierminister, der zwei Weltkriege miterleben musste. Und er wusste, was gutes Essen ist. Bekanntlich hatte er eine ausgeprägte Schwäche für Whisky, Champagner und Austern. Nun hat uns das vergangene Jahr ein Virus und damit verbunden die größte Krise seit Ende des Zweiten Weltkrieges beschert. Das hätte selbst Churchill nicht ahnen können. Aber Krisen bringen manchmal unerwartete Entwicklungen mit sich. Eingesperrt in den eigenen vier Wänden, beginnen die Menschen wieder zu kochen und zu backen...

Birgit Massimilla-Kern, Inhaberin Non Solo Vino, Linz:

Während des Lockdowns haben vor allem auch Männer das Kochen wieder für sich entdeckt und die wollen die bestmöglichen Zutaten und suchen auch danach. So hat sich Guanciale im vergangenen Jahr vom Geheimtipp zum echten Dauerbrenner entwickelt. Ich führe Guanciale vom Bio-Schwein der Rasse „Cinta Senese“. Die Schweine leben frei laufend in großen umzäunten Gebieten im toskanischen Apennin. Wer einmal ein Nudelgericht mit Guanciale gekostet hat, wird richtiggehend süchtig.

Vielerorts floriert der Lebensmittelhandel, während andere Branchen mit enormen Umsatzeinbußen zu kämpfen haben. 2020 brachte ein sattes Plus von sieben Prozent und das lag nicht an den Hamsterkäufen zu Beginn der Krise. Plötzlich besinnt man sich auf die Freuden des guten Essens. Kein Wunder – in einer Zeit, in der es weniger gibt, woran man sich erfreuen könnte. Sämtliche Einrichtungen, die dem Menschen für gewöhnlich zur Zerstreuung dienen, sind geschlossen. Es ist still geworden. Aber Essen muss der Mensch und es ist ein Glück, dass uns dieses Vergnügen geblieben ist.

Essen macht glücklich.

Gutes Essen tut nicht nur dem Körper wohl, es ist auch Balsam für die Seele. Das ist mittlerweile hinlänglich wissenschaftlich bewiesen. Wenn wir unser Essen mit anderen Menschen teilen können – umso besser, gemeinsam genießt es sich natürlich am besten! Dabei müssen es nicht immer Champagner und Austern sein, auch andere Delikatessen können zu größten lukullischen Genüssen führen, solange man auf die Qualität achtet. Was gibt es Besseres als ein feines Stück Käseoder eine gute Pasta? Mittlerweile hat man vielerorts die Qual der Wahl, findet italienische, französische, spanische und asiatische Delikatessengeschäfte oder aber einen Markt, der mit heimischem Obst und Gemüse, Käse, Speck und frisch gebackenem Brot lockt. Heutzutage gibt es wirklich viele, viele Möglichkeiten, auch mit gutem Gewissen zu genießen, zum Beispiel, weil man weiß, wo die Produkte herkommen und wie sie entstehen!

Delikatessen

Delikat.

Wem es tatsächlich einmal ausgefallener beliebt, der findet im heimischen Internet alles, was das Feinschmecker-Herz begehrt. Ein Tipp, aber kein Geheimtipp, ist „ Julius Meinl am Graben“, wo man sich selbst als „Österreichs erste Adresse für Gourmets und Genießer“ bezeichnet. Ob Süßes oder Saures, Festes oder Flüssiges, hier ist die Auswahl wirklich enorm. Aber das Vergnügen hat natürlich auch seinen Preis. Wer an österreichischen Spezialitäten interessiert ist, sollte sich bei den „Schätzen aus Österreich“ oder bei „Österreich Delikatessen“ umsehen. Darüber hinaus gibt es auch Websites, die sich sehr stark spezialisiert haben, zum Beispiel auf Kaviar wie „Kaviar Wien“ oder auf Jahrgangssardinen wie „ViAn“.

Sushiplatte

Take away.

Und wenn dann doch irgendwann die Sehnsucht nach dem Essen vom Profi zu groß und die Lust am Kochen zu klein wird, dann kann man sich glücklicherweise beliefern lassen oder das Essen abholen gehen. Viele Gastronomen haben im Lockdown aus der Not eine Tugend gemacht und bieten „Genuss zum Mitnehmen“ an. Die Rede ist hier nicht von Pizza oder Burger, nein! Auch Spitzengastronomen bieten Take-away an, in Wien beispielsweise Kapazunder wie das „Steirereck“. In Oberösterreich sorgen Gastro-Highlights wie das „Herberstein“, „Holzpoldl“, „CUBUS“, „Jack the Ripperl“, „Die Donauwirtinnen“ und viele andere dafür, dass einem das Wasser im Munde zusammenläuft. Selbst der kürzlich zum „Koch des Jahres“ gekürte Max Stiegl bietet in seinem Gut Purbach im Burgenland köstliche Gerichte zum Mitnehmen an. Man kann mit Klassikern wie Rindsrouladen und Paprikahenderl vorliebnehmen. Oder man lässt es richtig krachen und bestellt das Signature Dish „Huhn in der Blase“ mit Gänseleber gefüllt und Trüffel gespickt, einer Flasche Chardonnay und Cremeschnitte zum Nachtisch. Im Jahr 2020 wurde übrigens auch für Wein und Schaumwein signifikant mehr ausgegeben. Warum nicht? Zu einem guten Essen gehört ein gutes Tröpfchen schließlich dazu! Und wer sich vorbildlich an die Fastenzeit hält, der genießt zumindest die Vorfreude.

Jack Pot
Autor: Sarah Estermann, 14.04.2021