Die Zukunft ist nachhaltig

Nachhaltigkeit ist zu einem zentralen Thema geworden. Sind wir den damit verbundenen Herausforderungen gewachsen? In Oberösterreich gibt es eine ganze Reihe von Unternehmen, die in puncto Nachhaltigkeit echte Pionierarbeit leisten.
Autor: Sarah Estermann, 28.02.2022 um 15:41 Uhr

Ursprünglich bedeutete „Nachhaltigkeit“, dass nicht mehr Ressourcen verbraucht werden als nachwachsen. Doch mittlerweile wird der Begriff viel weiter gefasst und auch mit einer sozialen Verantwortung gegenüber Mensch und Natur über mehrere Generationen hinweg in Verbindung gebracht. Auch die Forschung beschäftigt sich intensiv mit dem Begriff. So hat die Kunstuniversität Linz das Thema zum fixen Bestandteil ihres Entwicklungsplans gemacht und die drei Säulen der Nachhaltigkeit formuliert: „Zum einen hat das Wort eine deutliche ökologische Komponente. Beim Verbrauch von Rohstoffen und anderen Schätzen der Erde wird nicht mehr verbraucht, als nachwachsen kann. Zum anderen geht es auch um soziale Nachhaltigkeit, wenn Bekämpfung der Armut, Gleichberechtigung und Partizipation der Bürger im Fokus stehen. Die dritte Säule der Nachhaltigkeit ist der Ökonomie gewidmet. Hier ist die Optimierung von Abläufen, hier sind Müllvermeidung und Recycling gefragt“, so Rektorin Brigitte Hütter.

Rektoratsteam Kunstuni

Umwelt und Technik.

Soweit man weiß, hat der Nachhaltigkeitsgedanke seine Wurzeln in der Forstwirtschaft – kein Wunder also, dass der nachwachsende und besonders vielseitige Rohstoff Holz zu seinem Sinnbild geworden ist. Nachhaltige Forstwirtschaft beinhaltet, dass dem Wald nicht mehr Holz entnommen wird als nachwächst, aber auch, dass die Transportwege zur Verarbeitung des Rohstoffes kurz sind – Stichwort „Regionalität“. Demgegenüber stehen vor allem die fossilen Brennstoffe, die einerseits bei der Energiegewinnung, andererseits bei der Mobilität bislang eine dominante Rolle spielten und jetzt zunehmend in die Kritik geraten. Gerade im Bereich der Energiegewinnung hat mittlerweile ein Umdenken stattgefunden. Großflächig will man sich von Öl und Kohle verabschieden und wenn es nach Österreich geht, auch von Erdgas. Hier droht allerdings die EU, dazwischenzufunken: Sie will sowohl Erdgas als auch Atomkraft als klimafreundlich einstufen. In Österreich setzt man derweil lieber auf Solarenergie, Wind- und Wasserkraft. Aber es geht noch mehr: Innovationsführer wie die oberösterreichische Rabmer Gruppe beschäftigen sich intensiv mit dem Thema innovative, nachhaltige Energiegewinnung durch Abluft und Abwasser – mit großem Erfolg. Über 50 Prozent des weltweiten Energiebedarfs werden für das Heizen und Kühlen inklusive Warmwasseraufbereitung verwendet. In Haushalten liegt der Anteil sogar bei 73 Prozent des gesamten Energieverbrauchs. Bis dato wurden dafür fast ausschließlich CO2-kritische Energiequellen verwendet. Das bisher weitgehend ungenutzte Abwasser steht als erneuerbare Energiequelle ganzjährig, rund um die Uhr, zur Verfügung. Die Temperatur in einem Abwasserkanal beträgt über das ganze Jahr hindurch zwischen 12 und 18 °C und ist damit vor allem im Winter höher als die Temperatur von Außenluft, Erdwärme oder Grundwasser. Liegt ein Betrieb in der Nähe, kann die Temperatur des Abwassers auf bis zu 30 Grad ansteigen. Studien zeigen, dass bis zu 25 Prozent des benötigten Wärme- und Kältebedarfs für Gebäude aus der Energiequelle Abwasser gedeckt werden könnten. Damit wird ein wichtiger Beitrag zur Dekarbonisierung des Wärmesektors geleistet.

Ulrike Rabmer-Koller, CEO Rabmer Gruppe:

Investitionen in den Klimaschutz bedeuten eine Win-win-Situation für die Umwelt und das Unternehmen, denn es wird damit nicht nur der CO2-Ausstoß reduziert, sondern man spart auch entsprechend Betriebskosten. Und hier setzen wir mit unseren Technologien an.

Ecoturbino

Apropos Umwelt.

Auf das Recycling von Kunststoffabfällen hat sich die Firma Erema mit Hauptsitz in Ansfelden spezialisiert. Erema, die 1983 als Pionierin der Branche begann, hat sich in den vergangenen Jahrzehnten zur Unternehmensgruppe, die das gesamte Spektrum des mechanischen Kunststoffrecyclings abdeckt, weiterentwickelt und gilt weltweit als führender Hersteller von Kunststoffrecycling- Maschinen und Systemkomponenten. 6.500 dieser Recycling-Lösungen sind mittlerweile rund um den Globus im Einsatz und produzieren jährlich in Summe mehr als 14,5 Millionen Tonnen Kunststoff-Regranulat.

Manfred Hackl, CEO EREMA Group GmbH:

Ein nachhaltiger Umgang mit Kunststoffabfällen ist eine der großen Herausforderungen unserer Zeit. Wir betrachten diese Abfälle als Ressource, aus der durch Recycling und Einsatz in der Herstellung neuer Produkte neuer Wert entsteht. Dafür entwickeln wir unsere Technologien, dafür vernetzen wir uns mit anderen Unternehmen. Kreislaufwirtschaft kann nur gelingen, wenn alle Akteure in der Wertschöpfungskette zusammenarbeiten.

EREMA

Made in Mühlviertel.

Ein ebenso großes Thema wie die klimafreundliche Energiegewinnung ist die E-Mobilität. Auch Österreich hat es sich zum Ziel gesetzt, zukünftig auf Verbrennungsmotoren zu verzichten. Als Schwachpunkt der E-Mobilität gilt allerdings die Batterie. Drei Brüder aus Rainbach im Mühlkreis haben sich unter dem Namen „Kreisel Electric“ der Entwicklung von Batterie-Technologien verschrieben. Ein Mehr an Leistung, Sicherheit, Lebensdauer und Modularität bei wettbewerbsfähigen Kosten sollen den Weg in eine umweltfreundlichere Zukunft bereiten. Auch im E-Motorsport sind die Mühlviertler mittlerweile eine 'große Nummer'. Nun wurde Kreisel Electric von dem amerikanischen Konzern John Deere, einem der führenden Anbieter von Landtechnik in den USA, mehrheitlich übernommen.

Markus Kreisel, Managing Director Kreisel Electric:

Mit dem Anstieg an neu registrierten E-Autos steigt auch der Bedarf an flächendeckenden Schnelllade-Möglichkeiten. Entscheidend ist hier eine nachhaltige Systemlösung, wie beispielsweise unser CHIMERO HPC, eine batteriegepufferte Schnellladesäule, die es ermöglicht, Elektroautos innerhalb kürzester Zeit mit bis zu 180 kWh zu laden, ohne das Stromnetz zu belasten.

CHIMERO

Fast Fashion vs. Consciousness.

Auf Platz vier der Umwelt- und Klimasünder liegt übrigens die Modeindustrie. Allein in New York, einer der größten Modemetropolen der Welt, ist der Mode-Abfallberg in etwa so groß wie das Empire State Building. Nun soll ein Gesetzesentwurf, der sogenannte „Fashion Act“, die großen Modekonzerne umwelttechnisch und sozial zur Verantwortung ziehen. In Oberösterreich gibt es immer mehr Modeprofis, die auf faire Fashion setzen. Aber was genau ist Fair Fashion? Sie muss einerseits bestimmten ökologischen Kriterien entsprechen: Die meisten Produkte sind aus Naturfasern hergestellt, wie etwa Bio-Baumwolle. Im Vergleich zu konventioneller Baumwolle werden bei Biobaumwolle durchschnittlich 42 Prozent an Treibhausgasen, 62 Prozent Energie und 91 Prozent Wasser eingespart. Aber auch soziale Standards müssen andererseits eingehalten werden. So garantiert beispielsweise das Fairtrade-Siegel, dass die verwendete Rohbaumwolle fair angebaut und gehandelt wurde. Im Gegensatz zur sehr kurzlebigen Fast Fashion soll die faire Mode ihre Besitzer außerdem über einen längeren Zeitraum erfreuen.

Mit dem Drahtesel für die Umwelt.

Das Kepler Uniklinikum Linz (KUK) nimmt die Reduktion von Emissionen ebenfalls ernst: Für die Mitarbeiter des KUK Linz wurden 14 E-Bikes von movelo angeschafft. Um die E-Bikes nutzen zu können, registrieren sich die Mitarbeiter über eine eigene Smartphone-App und werden anschließend freigeschaltet. Mit dieser App können die E-Bikes dann auch reserviert und entsperrt werden und kommen in erster Linie zum Einsatz, um die Distanz zwischen dem Neuromed und dem Med Campus rasch und stressfrei zu bewältigen. Die E-Bikes dürfen aber auch ausdrücklich privat genutzt werden. Dieses Angebot wird von den Mitarbeitern gerne angenommen: In den vergangenen zweieinhalb Jahren wurden auf den Elektrofahrrädern immerhin 88.000 Kilometer zurückgelegt. Die Zugänge zum Thema „Nachhaltigkeit“ sind vielfältig und das ist gut so. Wir werden uns in nächster Zeit noch intensiv damit beschäftigen müssen. Denn nachhaltig handeln bedeutet Zukunft gestalten.

E-Bikes des KUK