Back to the Roots: Parov Stelar kehrt zur Malerei zurück

moments: Parov Stelar, dem Begründer des Elektroswing, jubelt ein Millionenpublikum frenetisch zu. Müssen wir jetzt umdenken, denn deine neuesten Schöpfungen sind beeindruckende Bilder. Wie kam es dazu?

Marcus Füreder: Gemalt habe ich schon immer, und die Malerei war lange vor der Musik meine treibende schöpferische Kraft. Ein Umdenken ist nicht notwendig, da ich bereits „Parov Stelar“ als Gesamtkunstwerk gesehen habe. Die Visualisierung war schon immer ein sehr wichtiger Bestandteil meiner Arbeit. Was letztendlich den Ausschlag dafür gegeben hat, dass ich mich die vergangenen drei Jahre verstärkt der Malerei gewidmet habe, kann ich nicht wirklich erklären. Es war ein Impuls, dem gefolgt ­werden muss – das ist wie ein Geschenk – und wenn ich beschenkt werde, frag ich am besten nicht warum.

moments: Folgst du dabei einem bestimmten Plan oder reagierst du spontan auf Ideen und Eingebungen?

Füreder: Spontaneität ist für mich im Schöpfungsprozess die einzige Herangehensweise, um Radikalität und Ehrlichkeit zum Ausdruck zu bringen. Zu lange über einer Idee zu grübeln, ist wie Gemüse zu lange zu kochen. Die Idee muss knackig frisch sein, zumindest in ihrer Ursprungserscheinung. Danach darf natürlich ­daran gefeilt und gearbeitet werden.

moments: Bei unserem Gespräch vor über einem Jahr habe ich dich als einen sehr spirituellen Menschen erlebt. Wie war das vergangene Jahr für dich, wo du als Künstler weit­gehend auf reales Publikum hast verzichten müssen?

Füreder: Es war und ist eine sehr intensive Zeit mit Ups und Downs. Zum einen habe ich mehr Zeit, um mich vollkommen auf den Studio- oder Atelierprozess zu konzentrieren, zum anderen aber ist die fehlende Sozialkomponente natürlich eine große Herausforderung für mich. Wenn man lange genug in einen Abgrund blickt, blickt er irgendwann mal zurück. Mit der Kunst aber hab ich meinen Fallschirm Gott sei Dank als Sicherung. In der Kunst kann ich meine Gedanken besser verdauen – das ist wie Träumen. Denn ohne Träume und ohne Schlaf würde man verrückt werden.

Scheitern und erfolgreich erfolglos zu sein, führen meistens zum eigenen Stil.

moments: Wer hat deine künstlerische Seele erstmals geweckt?

Füreder: Natürlich haben mich meine Eltern maßgeblich für meinen Weg geprägt und das in einer großartigen Mischung: Mein Vater hat mir Konsequenz und Durchhaltevermögen gelehrt, meine Mutter Leichtigkeit und Kreativität. Mama, Papa, ich danke euch dafür, ihr seid tolle Eltern!

moments: Was wünschst du dir für die nächsten Monate, und wird dich auch die Bühne demnächst wieder zurückbekommen oder müssen deine Fans noch länger auf dich warten?

Füreder: Ich wünsche mir ein normales Leben ohne Einschränkungen zurück, so wie alle anderen auch, und ich bin guter Dinge, dass dies in ein paar Monaten der Fall sein wird. Natürlich komme ich, so schnell es geht, auf die Bühne zurück. Nichts ist schlimmer als ein arbeits­loser Zirkusartist! (Lacht.)

moments: Du bist Botschafter der Kunstuniversität Linz, um Studierenden Mut zu machen, ihren eigenen Weg zu gehen und offen zu sein für Richtungsänderungen. Wer waren deine ­Mentoren, als du hier studiert hast?

Füreder: Das waren definitiv meine Mutter, Professor Herbert Lachmayer und mein innerer Schweinehund. Der Erfolg ist ja nicht über Nacht gekommen, auch wenn das einige denken. Es war eine harte Zeit des erfolgreichen Scheiterns und der Ablehnung. Aber genau das ist prägend und treibt dich zu Höchstleistungen an. Man sollte es wie ein Praktikum als Pflichtfach einführen: Scheitern und erfolgreich erfolglos zu sein. Das führt meistens zum eigenen Stil, der für lang anhaltenden Erfolg sorgen wird.

Autor: Friederike Ploechl, 05.03.2021