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Eventim-Österreich-CEO Cristoph Klinger in einer Porträtaufnahme
Klinger spricht über die Zukunft der Live-Veranstaltungen in Österreich.
Klinger spricht über die Zukunft der Live-Veranstaltungen in Österreich.
Studio Heidegger

Eventim-Chef verrät: Darum bleiben Junge lieber auf der Couch

14.09.2026 um 12:30, Marcel Toifl
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Eventim-Chef Christoph Klingler spricht über Ticketpreise, junge Konzertbesucher, digitale Überforderung und die Chancen für Nachwuchskünstler.

Warum bleiben immer mehr Menschen lieber auf der Couch, statt auf Konzerte zu gehen? Eventim-Chef Christoph Klingler spricht im weekend-Interview über digitale Überforderung, hohe Ticketpreise, die Zukunft junger Künstler und verrät, warum sich der Konzertbesuch auch für Singles lohnen kann.

Konzerte gegen die Couch

Herr Klingler, gehen junge Menschen tatsächlich weniger aus und seltener auf Konzerte?
Christoph Klingler: Grundsätzlich gehen die Menschen gerne aus und das Live-Geschäft an sich wächst tatsächlich noch. Aber wir sehen auch, dass sich bestimmte Veranstaltungen, bestimmte Konzerte, vor allem im mittelpreisigen Segment, aktuell etwas schwerer tun als noch vor einigen Jahren. Da ist eine gewisse „Verhaltenheit“ zu spüren.

Was hält die Menschen davon ab, auf ein Konzert zu gehen?
Christoph Klingler: Es gibt aktuelle Studien zum Thema digitale Überforderung, also zu viel digitale Informationen und zu viel Content, der permanent auf mich einprasselt. Da gibt es einen Zusammenhang, denn gerade jüngere Menschen werden durch permanenten digitalen Konsum einerseits ermüdet und müssen andererseits dann auch nicht aufstehen, um bestimmte Informationen oder Reize zu konsumieren. Diese Kombination aus dauerhafter Verfügbarkeit und sich tatsächlich einstellender Müdigkeit ist ein Teufelskreis, gegen den wir ankämpfen möchten.

Wie kann man Menschen dann wieder von der Couch weglocken?
Christoph Klingler: Wir müssen noch sichtbarer und genauer kommunizieren. Wir arbeiten sehr eng mit den Veranstaltern in Österreich zusammen, um das richtige Angebot bieten zu können für das wir dann so gezielt wie möglich die Nachfrage wecken und bedienen. Das ist natürlich nicht einfach, weil wir uns in einem sehr umkämpften Umfeld befinden. Du kannst Netflix auf der Couch aufrufen und dort auch konsumieren.

Wie viel darf ein Konzert kosten?

Gleichzeitig sind Live-Veranstaltungen nicht gerade günstig. Ist der Ticketpreis nicht eine der größten Hürden?
Christoph Klingler: In einer aktuellen oeticket-Studie nennen die ÖsterreicherInnen die generell gestiegenen Kosten als den Hauptgrund für das Zuhausebleiben. Was Tickets betrifft, liegt der Durchschnittspreis bei circa 50 Euro. Ich maße mir nicht an zu bewerten, ob das wenig oder viel Geld ist, aber das Interessante ist, dass gerade junge Menschen einerseits beim Ausgehen sparen aber andererseits auch bereit sind, höhere Summen für ihre Lieblingsartists auszugeben. Auch auf Festivals sind die teuren Karten als Erstes verkauft. Die Frage scheint also eher zu sein: für welchen Content bin ich bereit, mein weniger werdendes Geld tatsächlich zu investieren?

Muss sich dann das klassische Konzerterlebnis verändern, um für junge Menschen attraktiver zu werden?
Christoph Klingler: Ich bin ein großer Fan von klassischen Live-Veranstaltungen, weil das ja das ist, was die Menschen suchen. Egal ob jung oder alt. Der Mensch ist und bleibt ein soziales Wesen. Er braucht das Treffen und die Interaktion mit anderen. Und Veränderung? Nun, ein Konzerterlebnis verändert sich von selbst. Jedes Mal aufs Neue. Diese Einmaligkeit ist doch gerade das Magische an „live“. Zusätzliche Attraktivität könnte aber durchaus durch ein oft fehlendes „davor“ und vor allem „danach“ Angebot geschaffen werden.

Junge Künstler brauchen eine Bühne

Durch Social Media entsteht gleichzeitig ein regelrechter Hype um riesige Konzerte und Festivals. Bleiben kleinere Künstler dabei auf der Strecke?
Christoph Klingler: Die Social-Medialisierung, dieses Dabeisein-Müssen, führt konsequenter- und geplanterweise dazu, dass es zu einem Highlighten bestimmter Events kommt. Alle gehen dorthin, also muss ich auch dorthin gehen. Das ist toll, weil wir diese großen Events auch im Angebot haben. Aber es darf nie dazu führen, dass du die jungen oder kleineren Artists quasi vertrocknen lässt. Wenn man sich z. B. die Festivals in Österreich anschaut, wird schon sehr darauf geachtet, dass dort auch der Nachwuchs spielt. Und nicht unbedingt nur im schlechtesten Slot auf der kleinsten Bühne. Da muss man als Veranstalter gezielt investieren.

Welche Verantwortung trägt ein Unternehmen wie oeticket dabei für junge österreichische Künstler?
Christoph Klingler: Aus einer rein geschäftlichen Perspektive muss man sich das ein bisschen wie einen Gärtner vorstellen. Wenn ein Gärtner immer nur große Bäume oder große Büsche verkauft, dann werden die irgendwann verkauft sein. Wenn er sich nicht darum kümmert, Neues nachzusäen, hochkommen zu lassen und diese jungen Pflanzen zu pflegen, dann kommt irgendwann nichts mehr nach. Aber es ist auch eine riesige gesellschaftliche Verantwortung, weil es dabei um unsere Kultur, deren Erhalt und vor allem deren Weiterentwicklung geht. Wir müssen schauen: Was gibt es? Wer kommt neu dazu? Wer traut sich gerade was? Am spannendsten sind dabei natürlich die, die neue Wege gehen.

Wie unterstützt oeticket solche Nachwuchskünstler konkret?
Christoph Klingler: Wir scouten und unterstützen sie aktiv. Junge Bands können sich z. B. bei unserer Initiative „Bandsupport“ melden. Wir identifizieren Spielstätten oder größere Konzerte, bei denen Künstler auftreten können, sei es als Solokonzert oder als Vorband - denn du kannst der tollste Musiker sein aber wenn niemand deine Kunst live hört, nützt das nichts. Es ist ja bei den meisten Künstlern etwas völlig anderes, ob man sie live erlebt oder nur auf YouTube sieht. Bandsupport ist eine unglaubliche Detailarbeit, sehr zeit- und kostenintensiv, aber absolut notwendig.

Stadt, Land und die Liebe

Ihre Studie zeigt auch Unterschiede zwischen Stadt und Land. Warum gehen Menschen am Land anders mit Veranstaltungen um?
Christoph Klingler: Das ist sehr differenziert und ich möchte hierzu noch tiefergehendere Studien machen lassen. In ländlichen Gegenden werden gerade kleinere Events immer weniger, weil es zum Beispiel kaum mehr die Gasthäuser, Bars oder kleine Clubs gibt, die lokalen Kabarettisten oder Bands eine Auftrittsmöglichkeit geboten haben. Wenn es in einer Region früher zehn Ausgehmöglichkeiten gegeben hat und jetzt nur mehr eine, dann konzentriert sich das und führt zu einer anderen Dynamik. In der Stadt habe ich dagegen eine extrem große Auswahl an Angeboten. Da kann sich eine gewisse Antriebslosigkeit einstellen: „Ja, wurscht, gibt eh so viel. Dann gehe ich halt morgen oder übermorgen.“

Sie sagen, Menschen müssten wieder öfter von der Couch aufstehen. Hat das bei Ihnen persönlich funktioniert? Wo haben Sie eigentlich Ihre Frau kennengelernt?
Christoph Klingler: Ich habe meine Frau tatsächlich auf einem sozialen Event kennengelernt. Eigentlich zweimal. Das erste Mal bei einer größeren Grilleinladung und dann wieder am Christkindlmarkt. Das waren beides gesellschaftliche Events, auf denen Menschen entspannt  zusammengekommen sind. Ich hätte sie damals also nie kennengelernt, wenn ich auf meiner Studentencouch liegengeblieben wäre.

Es gab vor Jahren übrigens eine Studie, die ergeben hat, dass Live-Events die größte Chance bieten, jemanden kennenzulernen, der einen ähnlichen Geschmack hat und auf einer ähnlichen Wellenlänge schwingt. Man hat ja auch sofort ein gemeinsames Thema.

Also: Alle Singles dieser Welt, geht bitte auf Konzerte!

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