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Millionenshow-Moderator Armin Assinger steht vor dem Aus
Der Vertrag von Armin Assinger bei der Millionenshow läuft mit Jahresende ab.
Der Vertrag von Armin Assinger bei der Millionenshow läuft mit Jahresende ab.
ORF/Stefan Gregorowius

Millionenshow vor dem Aus: Jetzt spricht Armin Assinger

01.06.2026 um 12:40, Anna Kirschbaum
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Der ORF feiert seinen besten Februar seit 12 Jahren — und setzt die Millionenshow auf die Streichliste. Was wirklich hinter dem drohenden Aus steckt.

Armin Assinger setzt sich in seinen Stuhl, die Musik setzt ein, das blaue Licht flammt auf — und du weißt: Es ist Montag. Das war über 20 Jahre lang eines der verlässlichsten Rituale des österreichischen Fernsehens. Doch heuer könnte dieser Montagabend auf ORF 2 für immer anders werden.

Laut einem Bericht des „Kurier" vom 31. Mai 2026 steht die Millionenshow auf der internen Streichliste am Küniglberg. Mögliches Ende: 2027. Und Armin Assinger selbst hat gegenüber oe24 bestätigt: „Ich kann hierzu nichts sagen, außer dass mein Vertrag mit Ende des Jahres ausläuft."

Was am Küniglberg gerade passiert

Der ORF steckt in einer Finanzklemme. Der ORF-Beitrag wurde per Gesetz im März 2025 bis 2029 bei monatlich 15,30 Euro eingefroren. Was harmlos klingt, bedeutet für den Sender laut Ex-ORF-Generaldirektor Roland Weißmann einen kumulierten Sparbedarf von 220 Millionen Euro bis 2029. Allein 2027 fehlen dem ORF wegen dieses Einfrierens rund 54 Millionen Euro.

Ab 2027 soll Berichten zufolge ein zusätzliches Sparpaket von 85 Millionen Euro jährlich kommen. Offiziell beschlossen ist noch nichts, ORF-Generaldirektorin Ingrid Thurnher lässt aber keinen Zweifel an der Ernsthaftigkeit: „Das ist in einer Dimension und Kurzfristigkeit, die an den Grundfesten rüttelt. Das Publikum wird es spüren."

Fix gestrichen sind bereits die Vorabend-Quizformate „Q1 – eine Antwort ist falsch" mit Oliver Polzer und „Smart10" mit Caroline Athanasiadis. Von „Universum – Die Show" mit Mirjam Weichselbraun soll dem Vernehmen nach nur noch eine einzige weitere Ausgabe produziert werden. Die Millionenshow steht ebenso auf der potenziellen Streichliste, ist aber noch nicht fix weg.

Das Quoten-Paradox

Im Februar 2026 erzielte die ORF-Sendergruppe einen Marktanteil von 40,4 Prozent — der stärkste Februar-Wert seit 12 Jahren. ORF 1 verbuchte seinen besten Februar seit 2015. In der Zielgruppe 12 bis 29 Jahre gab es sogar den Bestwert seit 23 Jahren. Im April 2026 folgte der höchste April-Wert seit fünf Jahren.

Ein Sender auf historischem Rekordkurs — und ausgerechnet jetzt steht seine beliebteste Quizshow auf der Abschussliste. ÖVP-Generalsekretär Nico Marchetti ließ dazu knapp verlauten, der ORF müsse „einen Beitrag zur Budgetkonsolidierung leisten". Das ist das eigentliche Dilemma: nicht schlechte Quoten, sondern Politik.

Darf man das noch „österreichisch" nennen?

Die Millionenshow wird nicht in Wien produziert. Auch nicht in Graz oder Linz. Die Ratesendung entsteht in einem Studio der EMG Germany GmbH im nordrhein-westfälischen Hürth bei Köln, produziert von der Banijay Media Germany GmbH, einer deutschen Firma. In denselben Kulissen, in denen Günther Jauch seinen Kandidaten Joker um Joker abringt. 

Die allerersten Folgen im Jahr 2000 wurden sogar in den Niederlanden aufgezeichnet, in Hilversum. Erst zum Jahreswechsel 2000/2001 zog die Produktion nach Hürth.

Wer als als Kandidat zur Millionenshow gefahren ist, ist nicht nach Wien gereist, sondern nach Köln. Das „a Jokerle bitte" wurde nie auf österreichischem Boden gerufen. 

Das ist kein Anlass zur Empörung, erklärt aber den Grund für den Einsparwunsch: Österreich würde keine Eigenproduktion verlieren, sondern aufhören, eine deutsche Lizenz zu finanzieren.

Millionenshow feiert 25. Jubiläum

Beim großen Jubiläum im Jänner 2025 — 25 Jahre Millionenshow, über 35.000 gestellte Fragen, 8.700 Kandidatinnen und Kandidaten, neun Millionäre aus sieben Bundesländern — sagte Armin Assinger in die Kamera: „Ich wünsche der ‚Millionenshow', dass wir noch den 26., 27., 28., 29. und vielleicht noch mehr Geburtstage gemeinsam feiern können."

Sechzehn Monate später läuft sein Vertrag mit Jahresende aus. Eine Show, die der ORF im Jänner 2025 mit großem Pomp feierte, steht im Juni 2026 auf der Streichliste. Ob das konsequente Sparlogik oder ein echter Verlust ist, lässt sich tatsächlich streiten. Das Wirtschaftsmagazin „Der Pragmaticus" aus dem Red Bull Media House gibt nämlich zu bedenken, dass der ORF umsatzmäßig stabil bei rund 1,1 Milliarden Euro liegt und die geplante Streichung von 50 Stellen angesichts von 3.800 Vollzeitäquivalenten „vergleichsweise undramatisch" wirke.

Stille um 20:15 Uhr

Was füllt den Montagabend auf ORF 2, wenn die Millionenshow wegfällt? Im März 2024 saßen 664.000 Menschen vor dem Fernseher, wenn Assinger die Joker erklärte — 24 Prozent Marktanteil. Eine Lücke dieser Größe lässt sich nicht mal eben schließen.

Der ORF selbst sagt intern, man wolle die Sendung bis 2027 weiterlaufen lassen, weil man sonst ein „adäquates Ersatzprogramm" bräuchte. Was dieses Ersatzprogramm sein soll: Fehlanzeige. Noch kein Wort dazu vom Küniglberg. Thurnher: „Der ORF ist nicht Spielball der Politik. Der ORF gehört dem Publikum." Aber das Publikum hat in dieser Entscheidung keine Stimme — nur den Fernseher.

Fendrich, Stöckl, Assinger — eine Ära geht zu Ende

Dabei haben drei Moderatoren diese Sendung geprägt und ihr je eine eigene Ära gegeben. Den Anfang machte Rainhard Fendrich im Jänner 2000: Er moderierte die ersten sechs Ausgaben und gab dem neuen Format seinen unverwechselbaren österreichischen Ton. Ab Mai 2000 übernahm Barbara Stöckl — und schrieb damit Fernsehgeschichte: Sie war weltweit die erste Frau, die das „Who Wants to Be a Millionaire?"-Format präsentierte, und blieb bis September 2002.

Seit damals ist Armin Assinger das Gesicht der Sendung. Über 23 Jahre lang kam der Kärntner mit dem trockenen Schmäh jeden Montagabend ins österreichische Wohnzimmer, sein unverwechselbares „a Jokerle bitte" im Gepäck, und durfte bei sieben Millionären die entscheidende Frage stellen. Sein Vertrag läuft mit Ende 2026 aus.

Drei Gesichter, drei Generationen, eine Sendung. Ob es einen vierten gibt, entscheidet gerade nicht das Publikum — sondern das Budget.

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