Tech-Blog-Meinung: Tausche Niere gegen Smartphone?

Wie ihr aus meinen Tests wisst, bin ich ein Fan von Flaggschiffen. Sie vereinen einfach das technologisch Machbare mit unglaublich guten Geschwindigkeiten und Allround-Ausstattung. Eines stößt mir aber sauer auf, die Preisgestaltung. Als Apple mit dem iPhone die magische Barriere von 1.000 Euro überstiegen hat war das noch eher ein "Naja ist eben Apple". Mittlerweile sind aber auch die großen Android-Platzhirsche Samsung und Huawei dort angekommen. Und die ehemals günstigeren China-Marken Xiaomi und OnePlus kratzten heuer mit ihren Top-Geräten an der Marke, blieben aber mit 999 Euro knapp darunter.

Der Smartphonemarkt hat sich aber insofern geändert, dass mittlerweile auch hervorragende Mittelklassegeräte zu haben sind. Vor einigen Jahren war hier die Auswahl bei weitem noch nicht so groß und gut. Man hatte die Wahl zwischen superschnell und naja, geht so. 2020 sind die Mittelständler jedoch hervorragende Geräte. Ein Xiaomi Mi 10 Lite bietet 5G Konnektivität (rund 300€). Ein OnePlus Nord ebenso, dazu gibt es ein 90 Hz AMOLED Display und eine sehr gute Kamera (399€). Das Samsung Galaxy A51 ist DER Verkaufsschlager (rund 300€) und Huawei punktet noch immer mit der bereits etwas betagteren P30 Lite Linie, die bereits unter 200€ zu haben ist. Und auch Apple hat den Zahn der Zeit erkannt und bietet das iPhone SE 2020 mit Technologie des 11 Pro für unter 500 Euro an. Kein Wunder, dass jene Geräte die Beliebtheitszugriffe bei einem großen österreichischen Preisvergleichsportal anführen. 

Aber was bedeutet das für uns? Ohne die, ohnehin nur mehr homöopathischen, Preisstützungen der Netzbetreiber bleibt vielen nur mehr der Griff zu Finanzierungen oder zu großen finanziellen Anstrengungen um Flaggschiffe zu erwerben. Ein iPhone 11 Pro Max mit 512 GB Speicher kostet 1.649 Euro UVP. Ein Samsung Galaxy Note 20 Ultra in der Vollausbaustufe ruft eine UVP von 1.399 Euro auf. Selbst das derzeit beste Huawei Gerät, das P40 Pro+, kostet 1.299 Euro (und das ohne Google Play Services). Das ist in Zeiten von Corona-Kurzarbeit und Massenarbeitslosigkeit schwer zu verdauen! Sichtbar auch an den Verkaufszahlen für Q2 2020. Der Smartphonemarkt ist um 20 Prozent eingebrochen. Platzhirsch Samsung musste gar einen Verlust von 27,1 % an verkauften Geräten hinnehmen. Ob sich das erholt und ob dann viele noch zum teuren Flaggschiff greifen wage ich zu bezweifeln.

Mir als Tech-Enthusiast bereitet diese Entwicklung allerdings Sorge. Ein Flaggschiff ist nämlich auch Technologieträger und wichtig für die Branche. Diese technologische Entwicklung hat sich aber in den letzten Jahren sowieso verlangsamt. Hier ein wenig mehr Prozessorpower, da eine fünfte Kamera, dort lädt der Akku schneller. Ja, das macht sich gut am Marketingblatt. Gebraucht wird das aber von den wenigsten Smartphoneusern. WhatsAppen, FaceBooken, InstaGramen und telefonieren kann auch ein 300 Euro Gerät. Und auch Spiele rennen auf den meisten Mittelständlern hervorragend. Die Zweiklassengesellschaft am Smartphonemarkt ist somit längst Realität. 

Autor: Lukas Steinberger-Weiß , 28.08.2020