Tech-Blog-Meinung: Chip in der Impfung? Unnötig!

"Aufwachen" und "Nachdenken" sind Worte die wir im Zuge der Corona-Pandemie oft von sogenannten Querdenkern zu hören bekommen. Eine der größten Ängste dieser Gruppierungen ist, dass wir alle mit der Impfung gechipt werden und damit zu Marionetten der Reichen und Mächtigen werden. Provokant könnte ich erwidern: Dieses Faktum erledigen wir schon seit geraumer Zeit selbst. Wir machen es sogar freiwillig und bezahlen viel Geld dafür.

Aber wie vieles im Leben, vor allem während einer Pandemie, ist es nicht so einfach. Worauf will ich hinaus? Ein kurzer Exkurs: Als ich letztens kurz ins Büro musste um ein paar Dinge zu erledigen die ich im Home-Office nicht konnte, setzt sich mein Chefredakteur zu mir und erzählt mir, dass er sich über sein Smartphone ärgert. Als Tech-Journalist bin ich in der Firma just dann die beste Ansprechperson, höre aber auch gerne zu und versuche zu helfen. Also er erzählt mir, dass er gerne laut und lange Musik hört - so weit so normal, machen viele gerne. Letztens hat sich aber sein Smartphone "aufgeregt" und gemeint es müsse die Lautstärke drosseln, da er eben zu lange und zu laut Musik hört.

Hört sich Irre an, oder? Ist es aber nicht! Denn unsere Smartphones wissen de facto fast alles von uns, wenn wir sie denn lassen! Standort, Mikrofon, Kamera, diverse Gesundheitssensoren und und und... In Zeiten der DDR wäre das Smartphone der Traum eines jeden Überwachers gewesen. Wir leben ihn. Und um auf obriges Gespräch mit meinem Chefredakteur zurückzukommen: Seit kurzem tracken die Smartphones unser Nutzerverhalten und zeichnen jede Aktivität auf. Das führt dann zu einer Rüge, wenn wir zu lange und zu laut Musik hören, denn das könnte ja unsere Ohren schädigen. Nennt sich "Digital Wellbeeing", wird also als digitales Wellnessangebot verkauft und ist auch in gewissen Szenarien hilfreich. Vor allem wenn es darum geht eine Sucht zu erkennen oder zu verhindern (z.B. Handyspiele und Co.).

Sie brauchen jetzt aber nicht ihr Smartphone aus dem Fenster zu werfen oder in der Badewanne ersaufen (manche wasserdichte Smartphones halten nämlich sogar diese Tortur aus). Es genügt, wenn wir unser digitales Gehirn einfach bewusster nutzen und absichern. Zugegeben es erfordert Zeit und Kenntnis der Materie, denn dieses "Digital Wellbeeing" abzuschalten ist oft gar nicht leicht. Ohne Standortübertragung auszukommen ist schwer (aber möglich). Die Kamera nicht zu nutzen ebenso und das Mikrofon lässt sich ganz schwer unnutzbar machen, ist es doch bei einem Telefon essentiell. Deswegen bin ich mir sicher, dass viele Menschen - Querdenker oder nicht - ihr Smartphone so nutzen wie sie es bekommen und damit für potentielle Angreifer und Überwacher leuchten wie der Weihnachtsbaum am New Yorker Rockefeller Center.

Noch dazu stehen wir für unser "zweites Gehirn" vor Stores an, bezahlen mittlerweile über 1.000 Euro für das neueste Modell und monatlich eine gewisse Summe um es in vollem Umfang nutzen zu können. Also vor einem Chip in der Impfung habe ich keine Angst, denn selbst wenn er drinnen wäre (was er natürlich nicht ist!), wäre er viel weniger smart als unsere Smartphones die wir Tag und Nacht bei uns tragen. Also: WACHT AUF! Durchforstet die unendlichen Menüs eurer Smartphones und sichert sie ab - es lohnt sich! Denn wenn alles abgeschalten ist was Smartphones intelligent macht, kann es noch immer mehr als der Chip in der Impfung - nämlich telefonieren und SMS schreiben.

 

Autor: Lukas Steinberger-Weiß, 14.12.2020