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Opa mit Enkelin am Boden | Credit: iStock.com/evgenyatamanenko
Alt und Jung sprechen nicht immer die gleiche Sprache
Alt und Jung sprechen nicht immer die gleiche Sprache
iStock.com/evgenyatamanenko

Vergangene Zeiten, vergessene Worte

23.02.2024 um 18:00, Artikel von Passion-Autor: Marie Cibulka
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Alte und junge Menschen sprechen nicht dieselbe Sprache? Warum das teilweise sogar stimmt und welche Wörter kaum noch jemand kennt.

Wenn Großeltern und Enkelkinder aufeinandertreffen, führt das hin und wieder zu sprachlichen Missverständnissen. Das Wort Blunzenstricker fällt und die junge Generation zieht die Augenbrauen zusammen. Danach wird vom Swipen gesprochen und der älteren Generation ist die Verwirrung ins Gesicht geschrieben. Wir missverstehen uns, denn die Zeit schreitet voran und so tut es auch unsere Sprache. Manch eine*r hätte gerne, dass Sprache beständig wäre, gefeit vor Veränderung. Doch wäre das nicht langweilig? Unsere Lebensrealitäten ändern sich und so auch unser Wortschatz. Natürlich kannte Oma das Wort Instagram noch nicht, denn was hätte dieser Begriff überhaupt in einer Zeit ohne Handy oder Internet bedeutet?

Spannend ist es, zu entdecken, wofür Generationen Wörter finden. Das Herumwischen auf einem technischen Gerät braucht einen Begriff? In Ordnung, dann swipen wir also. Einige Worte gehen auf die Dauer jedoch verloren oder werden von anderen abgelöst. Worte, die unseren Großeltern noch vertraut sind, kennen wir nicht mehr. Auf der Suche nach vergangenen Zeiten und vergessenen Worten kommen ein paar Schätze zutage ...

Büseln (Verb)

Das Wort erinnert wohl an das Verb bügeln und wenn man möchte, so kann man Verbindungen dazu finden: Gesichtsfalten werden beim täglichen Büseln wie weggebügelt. Doch wie funktioniert das? Büseln bedeutet so viel wie dösen, ein Schläfchen halten. In der heutigen Zeit wäre die Übersetzung von büseln wahrscheinlich einen Nap machen. Vielleicht hast du das nächste Mal, wenn dir auf der Couch die Augen zugefallen sind, also nicht genapt, sondern gebüselt?

Jugendliche sprechen miteinander | Credit: iStock.com/DGLimages
Jugendliche sprechen eine eigene Sprache

Augenpulver, das (Nomen, Einzahl)

Augen und Pulver klingt nach einer Kombination, die man lieber vermeiden möchte. Hast du schon Mal ganz fest die Augen zukneifen müssen, weil du etwas nicht lesen konntest? Beispielsweise bei dem Kleingedruckten in Verträgen oder in Autowerbungen, in dem sie all die unangenehmen Details verraten? Oder einfach bei einem Schild, das sich in zu großer Entfernung befindet? Genau das ist Augenpulver: Schrift, die den Augen schadet, weil sie so klein ist. Wie Pulver in den Augen schmerzt sie unsere Sehkörper und das ist alles andere als angenehm.

einma(r)garieren (Verb)

Nein, es geht nicht um Margarine. Aber es handelt sich tatsächlich um Essen. Einmargarieren bedeutet nichts weniger als marinieren. Das heißt, Fleisch wird einmargariert, indem es mit Marinade beträufelt wird oder andere Lebensmittel werden eingelegt, um so haltbar zu bleiben. Der Begriff findet allerdings auch in anderem Kontext Verwendung: Des kannst dir einmargarieren! Das bedeutet so viel wie: Das kannst du vergessen!

Älteres Ehepaar sitzt auf der Couch | Credit: iStock.com/Brothers91
Verstehen Sie alle Wörter, die Ihre Großeltern vielleicht noch verwenden?

Erbsien, das (Nomen, Einzahl)

Ach, ein Land aus Erbsen, was für eine Idee. Oder ist es ein Ort, der weit entfernt liegt, wie in der Redewendung: Geh dorthin, wo der Pfeffer wächst? Vielleicht lebt dort die Prinzessin auf der Erbse, die auf ihren vielen Matratzen nicht einschlafen kann, weil unter ihnen eine einzige Erbse liegt, die sie drückt. Bei dem Begriff lassen sich die schönsten oder auch kuriosesten Bilder ausmalen, die Wahrheit sieht jedoch düster aus. Erbsien beschreibt das Gefängnis und zwar nicht, weil dort alles grün und frisch wäre. Nein, der Begriff spielt auf das Essen der Gefangenen an, das des Öfteren Erbsen beinhaltet.

Gaugausprudler, die (Nomen, Mehrzahl)

Ist man auf Besuch in Wien, so wird man im Kaffeehaus bestimmt das Wort „Gaugau“ fallen hören. Hier ist nicht von einem Hundenamen die Rede, sondern von Kakao, einer heißen Schokolade. Doch was sind denn jetzt bloß Gaugausprudler? Der Begriff erinnert an ein Gerät, das Kakaopulver mit Milch vermischt beziehungsweise sprudeln lässt. Es handelt sich tatsächlich um sehr dünne Beine. Was Beine mit Kakao zu tun haben? Das bleibt wohl ein Rätsel, das möglicherweise die Großeltern auflösen können.

Opa und Enkel sitzen auf der Couch | Credit: iStock.com/lucigerma
Sprachwandel: Man kann sich gegenseitig helfen

Zur Autorin

Passion Author Marie Cibulka hat ein Faible für Fremdsprachen. Was liegt da näher für die Studentin aus Wien als darüber zu schreiben und dazu mit hilfreichen Studien und Tipps Menschen zu ermutigen, die Hürden auf diesem Weg spielerisch zu nehmen.

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