Wann bin ich bereit für etwas Neues?

Jeder von uns kennt das klassische Ende einer Beziehung: Ein Paar trennt sich, beide Fraktionen verbringen die darauffolgenden Monate damit, zu trauern und sich mit sich selbst zu beschäftigen und nach einer gewissen Zeit fühlt man sich wieder bereit dazu, auf Dates zu gehen. Die Theorie klingt einfach, die Praxis ist es dann eher nicht. Denn wie es eben ist, spielt das Leben nie nach Plan und hält immer wieder Überraschungen bereit. Vor allem was die Liebe betrifft. Und so kann es dann doch recht schnell passieren, dass man kurz nach einer Trennung jemanden kennenlernt, der sehr interessant ist. Der die gleichen Hobbys teilt. Der körperlich anziehend ist. Und plötzlich hat man sich verliebt. Und stellt sich die Frage aller Fragen: Bin ich denn wirklich schon bereit für etwas Neues?

Die Sache mit der Zeit

 

Vor allem der Zeitfaktor wird in so einer Situation gerne erwähnt. Denn Gedanken wie „Ich sollte einmal alleine sein und mich auf mich selbst konzentrieren“, „Ich sollte noch warten, bis ich mein Herz wieder verschenke“ oder „Was, wenn ich noch gar nicht abgeschlossen habe?“ drängen sich sehr schnell auf. Wie nennt man das also? Schlechtes Timing? Zufall? Schicksal? Oder einfach nur Glück? „Den perfekten Zeitpunkt gibt es schon mal nicht, denn was ist schon ideal“, meint Beziehungscoach Alexandra Marko-Hinteregger. Und auch das mit dem Abschließen ist gar nicht so einfach zu beantworten. Denn genauso individuell wie die Menschen sind, sind auch ihre Gefühle und Beziehungen. Und somit auch Trennungen „Viele finden erst nach Jahren ihren Frieden mit alten  Beziehungen oder emotionalen Verletzungen. Das heißt aber nicht, dass man nicht über eine Person hinweg sein kann. Der Mensch ist kein abgeschlossenes System, im Erwachsenenalter holen einen auch oft noch Dinge ein, die in der Kindheit passiert sind“, so Marko-Hinteregger. Im Idealfall ist man emotional nicht mehr an den Ex gebunden. Hat man keine Wunschgedanken mehr in Bezug auf den ehemaligen Partner (Stichwort: erneutes Zusammenkommen) und kann ihm ohne Groll alles Gute für seine Zukunft wünschen, ist der eingeschlagene Weg der richtige.

"Ob ich für jemand Neuen bereit bin, weiß nur ich. Wichtig ist es, der eigenen Intuition zu folgen." – Alexandra Marko-Hinteregger, Beziehungscoach 

Anderer Blickwinkel

Aber nicht nur die eigenen Gedanken und Ängste können einen zweifeln lassen, sondern auch Kommentare von außen. Denn meist sind böse Zungen dort, wo auch Glück zu finden ist. Sätze wie „Bleib doch mal alleine“, „Deine letzte Beziehung ist aber nicht so lange her“ oder „Puh, schon wieder“ fallen schnell und unbedacht. Davon darf man sich aber nicht beirren lassen, wichtig ist nur, wie man selbst fühlt. Das rät auch Marko- Hinteregger: „Ob ich für jemanden bereit bin, weiß nur ich. Das merkt man ja auch gefühlsmäßig. Prinzipiell ist es ratsam, der eigenen Intuition zu folgen.“

Love yourself first

Bevor du jemand anderen lieben kannst, musst du dich selbst lieben“ – dieser Spruch mag dem einen oder anderen bekannt vorkommen. Doch was ist da wirklich dran? Und muss man sich immer erst selbst lieben, bevor man erneut eine Verbindung eingeht? „Ein gewisses Maß an Selbstliebe ist wichtig, Liebe und Selbstliebe hängen ja zusammen. Oft erwarten wir uns etwas vom Partner, das er uns gar nicht geben kann. Meist hat das aber mit der eigenen Unzufriedenheit zu tun“, so die Paarberaterin. Mit sich selbst im Reinen zu sein, schafft auch eine gute Basis für neue Beziehungen: Man kennt seine eigenen Grenzen und weiß, welche Art von Partnerschaft man führen möchte. „Es ist aber genauso ok, sich selbst erst anzunehmen, wenn man schon in einer Partnerschaft lebt. Selbstliebe ist Heilung alter Wunden. Der Partner kann dabei helfen. Wichtig ist aber nicht zu vergessen, dass man auch selbst daran arbeiten muss“, erklärt Marko-Hinteregger. Prinzipiell gilt: Es gibt keine Regeln. Das zu tun, was sich gut anfühlt, ist richtig.

6 Anzeichen, dass man über den Ex hinweg ist

1.) Die Angst, dem Ex-Partner zufällig zu begegnen, ist fort. Außerdem weiß man, dass ein Treffen nichts verändern würde.

2.) Man spürt nicht mehr Wut oder Trauer, wenn man an die Trennung denkt, sondern ist dankbar für die Erfahrungen und Momente.

3.) Lange Zeit spukte im eigenen Kopf nichts anderes herum als der Ex-Partner. Mittlerweile werden diese Gedanken immer seltener.

4.) Noch vor einigen Wochen verbrachte man viel Zeit auf den Social-Media-Profilen des Ex, jetzt werden die Besuche weniger.

5.) Bis vor kurzem wurde jedes Lied mit dem Ex-Partner assoziiert. Mittlerweile kann man die Songs hören, ohne daran zu denken.

6.) Eines der wichtigsten Anzeichen: Man beginnt, sich wieder für neue Leute zu interessieren, und ist offen für Bekanntschaften.

Autor: Cornelia Scheucher, 25.03.2021