Dicke Haustiere: Zu viel Liebe auf den Rippen
- Liebe macht blind
- Zu viel Futter, zu wenig Bewegung
- Wohlstand wird zu Krankheit
- Ist mein Tier zu dick?
- Experten-Tipp: „Nicht nach Gefühl füttern“
Balu bekommt noch ein Stück Wurst, Lilly ein zusätzliches Leckerli, und wenn der Napf leer ist, wird sicherheitshalber nachgefüllt. Schließlich soll es dem tierischen Familienmitglied an nichts fehlen. Doch gut gemeint ist nicht immer gut gemacht. Fast jede zweite Katze in Österreich ist laut Tierschutzverein übergewichtig, rund 20 Prozent gelten bereits als fettleibig. Auch bei Hunden sind zu viele Kilos weit verbreitet, wie internationale Studien zeigen.
Liebe macht blind
Dabei fehlt es den Besitzern keineswegs an Fürsorge. Ganz im Gegenteil. Eine aktuelle Untersuchung der Veterinärmedizinischen Universität Wien zeigt, dass beispielsweise Katzenhalter das Wohlbefinden ihrer Tiere grundsätzlich sehr aufmerksam beurteilen. Tückisch wird es jedoch beim Gewicht: Legt der Stubentiger schleichend an Pfunden zu, wird das gerne übersehen und im Alltag zur Normalität. Hartnäckig hält sich zudem die Vorstellung, ein gut genährtes Tier mit ordentlich Appetit sei automatisch gesund.
Zu viel Futter, zu wenig Bewegung
Die Rechnung ist zunächst einfach und gleich wie bei Menschen: Nimmt ein Tier dauerhaft mehr Energie auf, als es verbraucht, steigt das Gewicht. Besonders Wohnungskatzen verbringen einen großen Teil des Tages in einem Umfeld, in dem Futter jederzeit verfügbar ist, während Jagd, Klettern und Streifzüge wegfallen. Bei Hunden kommt der Lebensstil ihrer Besitzer hinzu. Fällt der tägliche Spaziergang kurz aus, während Leckerli weiterhin großzügig verteilt werden, gerät auch hier die Energiebilanz aus dem Gleichgewicht. Auch Alter und Kastration können das Risiko erhöhen, weil Bewegung und Energiebedarf sinken beziehungsweise sich der Stoffwechsel verändert.
Wohlstand wird zu Krankheit
Ein paar Speckröllchen mögen niedlich wirken, gesundheitlich harmlos sind sie aber nicht. Übergewicht erhöht bei Katzen u. a. das Risiko für Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Gelenkprobleme und Verdauungsbeschwerden. Auch beim Hund können zu viele Kilos die Gelenke belasten sowie Herz, Nieren und Leber beeinträchtigen. Was viele Haustierbesitzer nicht gerne hören: Auch die zunehmende Vermenschlichung begünstigt Übergewicht. Experten der Vetmeduni warnen seit Jahren, dass sie Wohlstandserkrankungen fördern und die Lebenserwartung verkürzen kann. Problematisch wird es, wenn menschliche Bedürfnisse auf Tiere übertragen werden und Futter für Liebe, Trost und Belohnung steht. Wir gönnen uns nach einem anstrengenden Tag etwas Gutes und geben deshalb auch dem Hund einen Snack. Die Katze miaut vor dem Futterschrank und bekommt eine zusätzliche Portion. Über den gesamten Tag kann daraus ein beträchtliches Kalorienplus werden.
Ist mein Tier zu dick?
Ob ein Tier zu schwer ist, lässt sich oft schon an der Körperform erkennen: Die Rippen sollten bei leichtem Darüberstreichen tastbar und von oben eine Taille sichtbar sein. Regelmäßiges Wiegen hilft, Veränderungen frühzeitig zu erkennen. Ist das Tier bereits deutlich übergewichtig, sollte nicht auf eine Radikaldiät gesetzt werden. Sinnvoll ist eine langsame Gewichtsreduktion, am besten in Abstimmung mit dem Tierarzt. Am Ende bedeutet Tierliebe deshalb manchmal auch, dem treuen Bettelblick zu widerstehen.
Experten-Tipp: „Nicht nach Gefühl füttern“
Worauf kommt es bei der richtigen Ernährung von Haustieren an? Mike Podobrin, Geschäftsführer von Fressnapf Österreich, erklärt, welche Fehler Tierhalter häufig machen und was bei der Wahl des Futters zu beachten ist.
Hat sich das Bewusstsein der Kunden für gesunde Tierernährung in den vergangenen Jahren verändert?
Das Thema Ernährung nimmt bei vielen Tierhaltern einen wichtigen Stellenwert ein. Dabei informieren sich Kunden zunehmend über unterschiedliche Fütterungsmöglichkeiten, Qualität, Inhaltsstoffe und die individuellen Bedürfnisse ihrer Tiere. Gleichzeitig steht heute eine breite Auswahl an Produkten und Ernährungskonzepten zur Verfügung. Im Mittelpunkt steht daher oft die Frage, welche Fütterung am besten zu den Anforderungen des jeweiligen Tieres passt.
Was ist besser: Trocken- oder Nassfutter?
Sowohl Trocken- als auch Nassfutter können Teil einer ausgewogenen Ernährung sein. Entscheidend ist, dass die Nährstoffversorgung den individuellen Bedürfnissen des Tieres entspricht. Viele Haustierbesitzer nutzen auch eine Kombination beider Fütterungsformen. Welche Variante geeignet ist, hängt unter anderem von den Vorlieben des Tieres ab.
Welche Fehler machen Tierhalter beim Füttern besonders häufig?
Bei der Fütterung gibt es unterschiedliche Herangehensweisen. Oft wird Menge unbewusst nach Gefühl statt nach dem tatsächlichen Bedarf des Tieres bestimmt. Orientierung für die Haustierbesitzer bieten hier die Fütterungsempfehlungen der Hersteller. Entscheidend ist eine Fütterung, die zu Alter, Aktivität und der jeweiligen Lebenssituation des Tieres passt.