Trauerarbeit mit Kind – was tun, wenn das geliebte Haustier stirbt?

Plötzlich, vollkommen unerwartet, nach langer Krankheit oder altersbedingt – stirbt das geliebte Haustier, stehen alle unter Schock. Sind aber Kinder involviert, steht man vor einer besonderen Herausforderung.
Autor: Jacqueline Klein, 30.12.2021 um 06:50 Uhr

Hamster, Meerschweinchen, Kaninchen, Katze, Hund und Co. – Kinder sehen Haustiere als ihresgleichen an. Sie vertrauen ihrem vierbeinigen Freund, lernen durch ihn Verantwortung zu übernehmen und genießen die bedingungslose Liebe und Geborgenheit, welche Tiere ihnen entgegenbringen. Tiere werden – wie könnte es anders sein – schnell zum Familienmitglied. Die Katze schläft im Bett des Kindes. Der Hund holt das Kind von der Schule ab. Das Meerschweinchen wartet auf das Leckerli. Kinder bauen zu Haustieren eine tiefe emotionale Bindung auf. Sie verraten ihnen ihre Sorgen und Geheimnisse. Je länger das Tier in der Familie lebt, desto tiefer wird diese Bindung sein. Stirbt die geliebte Fellnase, ist das für das Kind eine überaus schmerzhafte Erfahrung.

Trauerarbeit: Kinder und der Tod von Haustieren

In der Regel trifft der Tod des Haustieres Kinder besonders heftig. Immerhin haben sie das Kind meist ihr ganzes Leben lang begleitet und mit dem Tod des Vierbeiners kommt das Kind das erste Mal mit dem Thema Tod in Kontakt. Natürlich will man als Elternteil das Kind vor dieser schmerzhaften Erfahrung beschützen. Oft werden Geschichten über den Verbleib des felligen Freundes erfunden oder einfach ein neues gekauft. Es stellt sich jedoch die Frage, ob diese Herangehensweise wirklich gut für das Kind ist.

Auch Kinder haben das Recht, um ihren vierbeinigen Freund zu trauern. Gewiss kommt es auf das Alter des Kindes an, wie Eltern mit dieser Situation umgehen. Richtig bewusst wird den Kindern die Endgültigkeit des Todes erst im Alter von ungefähr neun Jahren. Zwischen sechs und acht Jahren begreifen Kinder zwar den Kreislauf von Leben und Tod, aber fällt es ihnen schwer, die Zusammenhänge zu verstehen. Drei- bis Fünfjährige haben meist kein Verständnis für den Tod, sie rechnen damit, dass das Haustier irgendwann zurückkommt. Selbstverständlich kennen Eltern ihre Kinder am besten und wissen instinktiv, wie sie ihrem Kind offen, ehrlich und altersgerecht erklären, was geschehen ist. Doch eines haben Kinder und Erwachsene gemein, wenn es um den Verlust des geliebten Haustieres geht: Sie brauchen Zeit und Trost.

Kind mit Katze | Credit: iStock.com/NataliaBelay

Wie können Kinder von Haustieren Abschied nehmen?

Das Abschiednehmen vom geliebten Tier ist auch für Kinder wichtig. Um den Trauerprozess zu bewältigen, helfen altersentsprechende Rituale. Ein Abschiedsritual ist vor allem ein Symbol des Loslassens. Vielleicht haben Sie die Urne Ihres Tieres zu Hause und Ihr Kind darf dafür einen Grabschmuck basteln. Wenn Sie keine Urne aufstellen möchten, können Sie darüber nachdenken, aus einem Teil der Asche oder mit ein wenig Fell Ihres Tieres ein persönliches Schmuckstück anfertigen zu lassen – so wäre ein Teil des Tieres für immer bei Ihnen. Oder Sie stellen eine Kerze und das Lieblingsspielzeug des Vierbeiners auf, damit Ihr Kind einen Ort hat, um Abschied zu nehmen. Gedenkrituale helfen, sich an die schöne Zeit und die vielen Abenteuer zu erinnern, die mit der geliebten Fellnase erlebt wurden. Denn schöne Erinnerungen sind immer noch das beste Heilmittel gegen den schmerzhaften Verlust.

Kaninchen in Wiese | Credit: iStock.com/sduben

Wie kann ich mein Kind in der Trauerzeit unterstützen?

Natürlich hängt es vom Alter des Kindes ab, wie mit dem Tod des Vierbeiners umgegangen wird. Nichtsdestotrotz sind eine ehrliche Erklärung und die Bereitschaft, Fragen zu beantworten und zuzuhören, das Wichtigste für Ihr Kind in dieser schwierigen Zeit. Auch wenn Ihr Kind vielleicht glaubt, dass der vierbeinige Freund wiederkommt, heißt das nicht, dass es nicht von seiner körperlichen Abwesenheit tief betroffen sein kann. Denn meist sind Kinder nicht „zu klein, um das zu verstehen“. Eventuell ist es in dieser Situation hilfreich, mit dem Kind über ein Leben nach dem Tod zu sprechen. Sich vorzustellen, dass der geliebte Freund über die Regenbogenbrücke gegangen ist und dort weiterspielt, ist doch für alle – für Groß und Klein – eine schöne und vor allem tröstliche Vorstellung.

Kind hält einen Hamster | Credit: iStock.com/Liudmila Chernetska

Trauerbewältigung: Gemeinsam trauern hilft!

Nicht nur bei Erwachsenen, auch bei Kindern kann es vorkommen, dass die Trauer über den Verlust des Haustieres so enorm ist, dass es zu Symptomen einer Depression, zu Schlafstörungen oder Verhaltensänderungen wie Albträume oder Bettnässen kommt. Für Kinder ist es oftmals sehr schwer, über Gefühle zu sprechen, was auch daran liegt, dass sie diesen Schicksalsschlag nicht vollends begreifen. Ermutigen Sie daher Ihr Kind, über Gefühle zu sprechen oder das Gefühlschaos anders auszudrücken wie zum Beispiel durch Zeichnungen. Erlauben Sie Ihrem Kind, an der Trauer teilzuhaben. Trauern Sie als Familie.

Im Zweifelsfall holen Sie sich Hilfe. Dabei muss es nicht gleich ein Kinderpsychologe sein. Ihr Tier- oder Kinderarzt hat bestimmt den einen oder anderen wertvollen Ratschlag für Sie.

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