Meal Prep für Faule: Wie man stressfrei satt wird

Ist es Stress, Heißhunger, der innere Schweinehund, Erschöpfung - ich kann's nicht sagen. Nur soviel: Ich werde jetzt gleich in eine ernährungstechnisch wertlose Leberkässemmel beißen. Aus einem einfachen Grund – ich habe sie sofort parat – jetzt. Ohne irgendetwas tun zu müssen. Schon jetzt weiß ich: Mein schlechtes Gewissen wird zurückbeißen.

Was esse ich heute bloß?

Zu meiner Verteidigung, bei einer ausgewogenen Ernährung ist so ein Ausrutscher ab und zu erlaubt. Weil, um mir ein halbwegs gesundes Essen, das mir auch schmeckt, zuzubereiten, brauche ich mindestens 20 Minuten, eher 30. Dazu kommt noch, dass die Zucchini im Kühlschrank nach einer Woche Lagerung nur mehr für die Biotonne wertvoll ist. Die geplanten Champignons habe ich gestern auf die Notfall-Fertigpizza draufgegeben, um sie aufzupeppen. Das bedeutet, ich habe lediglich einen tiefgekühlten Blattspinat zur Verfügung - ohne nix. Das macht keinen Spaß, wie überhaupt nur für mich allein zu kochen. Zuerst stehe ich allein in der Küche, dann trage ich meinen Teller zum Esstisch und schaue dabei auf die Küchenarbeitsplatte, die es zu säubern gilt. Fünf Minuten später trage ich mein Essgeschirr zum Geschirrspüler. Und das nennt sich dann Abendessen.

Als Oma noch vorkochte

Ich esse wahnsinnig gerne, am liebsten, wenn man es mir fix und fertig hinstellt, und ich nicht allein bin. Nun gilt es aber das Beste aus meiner Situation zu machen. Im Eingangsbereich aller Supermärkte befindet sich eine große Anzahl von vermeintlich gesunden, frisch zubereiteten Imbissen. Das ist noch immer besser als die Leberkässemmel. Wenn das Gericht aber mindestens fünf Tage haltbar ist, muss es ja unsichtbar konserviert worden sein, sonst geht sich das nicht aus. Und preisgünstig kann man das Angebot auch nicht nennen. Und plötzlich erscheint vor meinem geistigen Auge das Bild meiner Omi. Wir kamen als Kinder nach Hause, und binnen fünf Minuten stand das Essen am Tisch. Damals sagte man „vorkochen“, bis es irgendwann aus unserem Wortschatz still und leise verschwunden ist. Das waren noch Zeiten, als man nach dem Credo haushaltete - möglichst vom Feld direkt in den Topf. Aber wer schafft das heute schon? Offensichtlich nur die wenigsten, wie der Blick in die Kühlvitrinen der Geschäfte zeigt.

In Plastikbehältern vorportioniertes Gemüse | Credit: iStock.com/Ben6

Meal Prep - so fing es an

Dafür gibt es jetzt Meal Prep, und ich bin voll dabei. Ich wähle einen fixen Tag in der Woche, in meinem Fall ist es der Samstag. Ich kaufe ausschließlich Gemüse, das mir schmeckt, keines, das man essen sollte, weil es gerade angesagt ist. Dazu wahlweise Schafskäse, Mozzarella, Huhn, Fisch oder was mich sonst so anlacht. Gewürze, Nüsse, Sesam, Kresse habe ich zu Hause. Dann schnipsle ich das gesamte Gemüse, blanchiere es oder brate es mit etwas Öl an. Dann kommt es in das gute, alte Tupperware-Geschirr. Die restliche Woche mische ich es so zusammen, wie es mir eben für den jeweiligen Tag gefällt. So habe ich binnen zehn Minuten ein wunderbares, gutes Essen ohne schlechtes Gewissen. Ich schmeiße nichts mehr weg, spare Geld, brauche nur noch ein Reindl oder eine Pfanne und muss nicht für ein Essen die gesamte Küche putzen. Und ich bin richtig stolz auf mich, wie ich das schaffe. Es gibt mir ein gutes Gefühl, an einem Tag mein Essen für eine Woche vorbereitet zu haben. Jeden Tag Resterlessen. Immer wieder anders. Immer wieder gut.

Frau würzt ihr Gericht in der Pfanne | Credit: iStock.com/Andrey Shevchuk

Essen ohne Hype entspannt

Wenn ich mir jetzt zwischendurch eine Leberkässemmel gönne, muss ich innerlich lächeln. Ich lasse den Leberkäse in ein Dinkelweckerl legen und esse dazu einen Salat. Nach dem Motto: Wenn zwei Drittel gute Lebensmittel sind, kann man gelegentlich zu einem Drittel „sündigen“. Entspannt essen, weil man den Hype um Ernährung endlich überwunden hat. Die Fragen: Was muss man unbedingt, was darf man gar nicht, was sollte man. Was ist da noch ausgewogen, frage ich mich. Es fördert höchstens den inneren Stress, wenn man es nicht schafft, so zu leben.

Vorkochen - gut fürs Bauchgefühl

Heute weiß ich: "Vorkochen" heißt auch, buchstäblich auf sein Bauchgefühl zu hören. Fehlt nur noch eine zeitgemäße, neudeutsche Bezeichnung dafür, um es salonfähig zu machen. Ich hätte da schon einen Vorschlag: "Follow your heart to the belly" (sinngemäß: Lass' dein Herz deinem Magen folgen) - #heartbellyeating.

In diesem Sinne: Mahlzeit!

Zur Autorin

Mit ihren wohl überlegten Gedanken und praktischen Tipps liefert die in Wien lebende freie Autorin Valerie Vonroe wertvolle Anstöße für einen bewussteren Umgang mit den eigenen Potenzialen und Ressourcen – in jedweder Hinsicht.

Autor: Valerie Vonroe, 13.10.2021