Xylit: Süßstoff kann das Herz schädigen
- Xylit ist ein beliebter Zuckerersatz
- Xylit: Forscher untersuchen Daten von rund 18.000 Menschen
- Bis zu 57 Prozent höheres Herz-Kreislauf-Risiko
- Forscher haben Xylit schon länger im Visier
- Studie beweist nicht, dass Xylit Herzinfarkte verursacht
- Forscher fordern weitere Untersuchungen zu Xylit
Der Zuckerersatz Xylit gilt als beliebte Alternative zu herkömmlichem Zucker. Eine neue große Studie sorgt nun allerdings für Fragezeichen: Menschen mit besonders hohen Xylit-Werten im Blut haben demnach häufiger schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse wie Herzinfarkte und Schlaganfälle erlitten. Die Forscher haben dafür Daten von rund 18.000 Menschen aus Kanada und Europa ausgewertet.
Xylit ist ein beliebter Zuckerersatz
Xylit, auch Xylitol oder Birkenzucker genannt, gehört zu den sogenannten Zuckeralkoholen. Der Stoff wird unter anderem zum Süßen von zuckerfreien Lebensmitteln und Getränken verwendet und steckt auch in Kaugummis oder Zahnpflegeprodukten.
Zuckeraustauschstoffe haben gegenüber klassischem Zucker einige Vorteile. Sie liefern weniger Kalorien, lassen den Blutzucker weniger stark ansteigen und fördern keine Karies. Zugelassene Zuckeraustauschstoffe gelten in verzehrüblichen Mengen grundsätzlich als gut untersucht.
Eine neue Studie, die kürzlich bei der Jahrestagung der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) in München vorgestellt wurde,wirft nun vor allem Fragen zu möglichen langfristigen Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-System auf.
Was ist Xylit und wo steckt der Zuckerersatz drin?
Xylit, auch Xylitol oder Birkenzucker genannt, ist ein Zuckeralkohol und wird als Zuckeraustauschstoff verwendet. Auf Zutatenlisten ist Xylit auch unter der Bezeichnung E 967 zu finden. Der Stoff wird unter anderem für zuckerfreie Lebensmittel und Getränke sowie für Kaugummis, Zahnpflege und Mundpflegeprodukte eingesetzt. Xylit liefert weniger Kalorien als klassischer Zucker, lässt den Blutzucker weniger stark ansteigen und fördert keine Karies.
Xylit: Forscher untersuchen Daten von rund 18.000 Menschen
Das Forschungsteam rund um Marco Witkowski von der Berliner Charité hat Daten von 17.710 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus zwei großen Beobachtungsstudien in Kanada und Europa analysiert und die Xylit-Werte im Blut mit dem Auftreten schwerer Herz-Kreislauf-Ereignisse verglichen. Dazu zählen Todesfälle, Herzinfarkte und Schlaganfälle.
Das Ergebnis zeigt einen klaren Zusammenhang. „Je höher die Xylitol-Blutwerte, desto höher die kardiovaskuläre Ereignisrate“, fasst die Europäische Gesellschaft für Kardiologie die Ergebnisse zusammen.
Bis zu 57 Prozent höheres Herz-Kreislauf-Risiko
Besonders deutlich fällt der Unterschied in der kanadischen Gruppe aus. Personen mit den höchsten Xylit-Werten im Blut wiesen innerhalb von sechs Jahren ein 57 Prozent höheres Risiko für schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse als jene mit den niedrigsten Werten auf.
Risikofaktoren wie Alter, Geschlecht, Rauchen, Cholesterin, Diabetes und Bluthochdruck wurden berücksichtigt.
Auch die europäischen Daten zeigen einen Zusammenhang. Über einen Beobachtungszeitraum von 30 Jahren war das Risiko bei Personen mit den höchsten Xylit-Werten um 18 Prozent höher als in der Gruppe mit den niedrigsten Werten.
Forscher haben Xylit schon länger im Visier
Für Witkowski und sein Team sind die Ergebnisse nicht völlig überraschend. Bereits frühere Untersuchungen haben Hinweise auf mögliche Auswirkungen von Xylit auf die Blutgerinnung geliefert.
„In früheren Studien haben wir gezeigt, dass Xylit die Fähigkeit von Blutplättchen zur Bildung von Blutgerinnseln erhöhen kann“, erklärt Witkowski.
Die Forscher haben zudem bereits bei Menschen mit erhöhtem gesundheitlichem Risiko einen Zusammenhang zwischen hohen Xylit-Werten und Herz-Kreislauf-Erkrankungen beobachtet. Mit der neuen Untersuchung haben sie diesen Zusammenhang nun in einer wesentlich größeren Bevölkerungsgruppe und über längere Zeiträume analysiert.
Studie beweist nicht, dass Xylit Herzinfarkte verursacht
Die Ergebnisse bedeuten allerdings nicht, dass der Verzehr von Xylit nachweislich einen Herzinfarkt oder Schlaganfall verursacht. Die Beobachtungsstudie zeigt lediglich einen statistischen Zusammenhang zwischen hohen Xylit-Werten im Blut und Herz-Kreislauf-Ereignissen, kann aber keine direkte Ursache nachweisen.
Offen ist damit auch, welchen Anteil der tatsächliche Konsum von Xylit an den gemessenen Blutwerten hat. Der Zuckeralkohol kommt natürlicherweise in kleinen Mengen im menschlichen Stoffwechsel sowie in verschiedenen Lebensmitteln vor.
Als Zuckerersatz wird Xylit allerdings in wesentlich höheren Mengen eingesetzt. Laut Europäischer Gesellschaft für Kardiologie können die Mengen in Lebensmitteln, Getränken und Mundpflegeprodukten mehr als tausendmal höher sein als jene, die natürlicherweise vorkommen.
Xylit-Studie: Was die Ergebnisse wirklich zeigen
- Hohe Xylit-Werte im Blut stehen in der Studie mit mehr schweren Herz-Kreislauf-Ereignissen in Verbindung.
- In der kanadischen Gruppe ist das Risiko bei den höchsten Xylit-Werten um 57 Prozent höher gewesen, in der europäischen Gruppe um 18 Prozent.
- Die Untersuchung ist eine Beobachtungsstudie und beweist nicht, dass der Konsum von Xylit Herzinfarkte oder Schlaganfälle verursacht.
- Weitere Studien müssen klären, welche Rolle der tatsächliche Verzehr von Xylit für das Herz-Kreislauf-Risiko spielt.
Forscher fordern weitere Untersuchungen zu Xylit
„Künstliche Süßstoffe werden von Menschen konsumiert, die glauben, sie seien gesünder als Zucker, und werden von den Aufsichtsbehörden allgemein als sicher angesehen“, sagt Witowski.
Die neuen Daten seien deshalb ein Anlass, genauer hinzusehen. „Unsere Langzeitergebnisse in der Allgemeinbevölkerung zeigen, wie wenig wir über die Herz-Kreislauf-Sicherheit von Xylitol wissen.“
FAQ: Xylit, Herzinfarkt und die neue Studie
Ist Xylit gefährlich?
Die neue Studie zeigt einen Zusammenhang zwischen hohen Xylit-Werten im Blut und einem erhöhten Risiko für schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse. Sie beweist allerdings nicht, dass der Konsum von Xylit diese Erkrankungen verursacht.
Kann Xylit einen Herzinfarkt verursachen?
Das lässt sich aus der Studie nicht ableiten. Menschen mit besonders hohen Xylit-Werten im Blut haben häufiger Herzinfarkte, Schlaganfälle oder andere schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse erlitten. Ein ursächlicher Zusammenhang mit dem Verzehr von Xylit ist damit nicht bewiesen.
Was ist Xylit?
Xylit ist ein Zuckeralkohol, der auch als Xylitol oder Birkenzucker bezeichnet wird. Als Zuckeraustauschstoff trägt er die Bezeichnung E 967 und wird unter anderem in zuckerfreien Lebensmitteln, Kaugummis und Zahnpflegeprodukten eingesetzt.
Ist Xylit gesünder als Zucker?
Xylit hat gegenüber klassischem Zucker einige Vorteile: Der Zuckeraustauschstoff liefert weniger Kalorien, lässt den Blutzucker weniger stark ansteigen und fördert keine Karies. Die neue Studie wirft jedoch Fragen zu möglichen langfristigen Auswirkungen hoher Xylit-Werte auf das Herz-Kreislauf-System auf.