Klarträume: Wie man seine Träume steuert

Im Schlaf werde ich von Bildern verfolgt, die nicht auf meiner Wunschliste stehen, aber sie sind einfach da. Bin ich ein Opfer von negativen Mächten oder einfach nur zu schwach, meine Gedanken zu kontrollieren? Diese Träume, die ich nicht zuordnen kann, sind meine unbewussten Gedanken, die sich nächtens zeigen. Sie kommen an die Oberfläche, weil ich meine bewussten Gedanken nicht ertragen kann. Der Grundstein ist die sogenannte Traumerinnerung, die einen zwingt, hinzuschauen und sie zu akzeptieren. Ich schaue weg, so gut ich kann.

Die Magie luzider Träume

Wie schön wäre es, wenn man in seinen nächtlichen Träumen nicht seinen tief schlummernden Ängsten und verdrängten Gefühlen begegnen müsste, sondern nur träumen könnte, was man möchte. Wie Tagträume so schön. Psychologisch gesehen ist das möglich. Die Rede ist von luziden Träumen (Klarträumen), die wir nutzen können, um eine „Situation“ zu erschaffen und ein Ziel zu erreichen. Die Voraussetzung ist die gleiche wie im realen Leben: die Fähigkeit, sich dafür auf nur einen gewünschten Gedanken zu konzentrieren (eine Art Meditation), die Vorstellung, dass „es“ bereits real ist, und diesen in den Schlaf mitzunehmen. Mehr braucht es nicht dazu, um dann während des Schlafens genau diesen Wunschtraum abzurufen, heißt es.

Gang und gäbe im Spitzensport

Spitzensportler wenden diese mentale Technik für ihre Zwecke bewusst an, um Fehler zu verbessern, effektiv zu trainieren, sich bereits als Sieger zu sehen, noch bevor sie es sind. Wie beim sportlichen Training bedarf es auch beim Klarträumen einer großen Portion Geduld, Motivation und vor allem Ausdauer. Selbstzweifel sind unangebracht und Rückschläge gehören dazu, auch das sollte man einkalkulieren.

Frau mit Hut und Sonnenbrille blickt auf das offene Meer hinaus | Credit: iStock.com/Szepy

Klarträume mit Nebenwirkungen?

Skeptische Traumforscher warnen davor, im Unterbewusstsein herumzutrampeln. Man weiß nie, ob man nicht unbewusst auf eine „Bombe“ tritt, die eine schwache Psyche endgültig ins Wanken bringt.

Klarträume "made in Hollywood"

Klarträumen in seiner extremsten Form wird im Film "Inception" geschildert. Darin stiehlt Dom Cobb geheime Informationen, indem er in die Träume seiner Opfer eindringt und das Unterbewusstsein anzapft. Die Fähigkeit, gezielt träumen zu können, nutzt er auch privat. Wer Realität und Traum nicht mehr auseinanderhalten kann, läuft Gefahr, totaler Selbstüberschätzung bis zum völligen Realitätsverlust zu erliegen.

Schritt für Schritt zum Wunschtraum

Zum Klarträumen muss man wissen, was man träumen will, es sich genau vorstellen, davon überzeugt und dazu motiviert sein. Es kann helfen, das gewünschte Geschehen bereits untertags vor dem geistigen Auge (und zwar mit geschlossenen Augen) testweise "durchzuträumen". Durch den Fokus darauf ist die Chance groß, dass das gewünschte Traumbild in das Unterbewusstsein eingeht, um über den Weg des nächtlichen Traums wieder an die Oberfläche zu kommen. Handelt es sich dabei etwa um ein berufliches Ziel, besteht die Hoffnung, durch die Fixierung den Wunschtraum eines Tages Wirklichkeit werden zu lassen - nach dem Vorbild erfolgreicher Spitzensportler.

Zwei Freundinnen sitzen nebeneinander auf einer Couch mit geschlossenen Augen und träumen vor sich hin | Credit: iStock.com/AntonioGuillem

Was träume ich heute?

Ich werde also heute mit der fixen Vorstellung ins Bett gehen, dass ich morgen frisch und froh erwache, in freudiger Erwartung auf den neuen Tag. Das kann ja wirklich nicht so schwer sein. Wenn es bis jetzt jeden Tag funktioniert hat, dass ich total geschlaucht erwache, mich zur Kaffeemaschine schleppe, meine übervolle To do-Liste anschaue, von der ich schon jetzt weiß, dass sie nicht zu schaffen ist, und in dieser Verfassung in den Tag krieche, der schon vorher ein Fixstarter mit Trauermascherl ist, bevor er noch irgendeine Chance hatte - dann kann es umgekehrt doch genau so funktionieren, oder?

Zur Autorin

Mit ihren wohl überlegten Gedanken und praktischen Tipps liefert die in Wien lebende freie Autorin Valerie Vonroe wertvolle Anstöße für einen bewussteren Umgang mit den eigenen Potenzialen und Ressourcen – in jedweder Hinsicht.

Autor: Valerie Vonroe, 11.12.2021