Was wieder zunimmt, wenn wir abnehmen

Fettleibigkeit hat Auswirkungen auf unsere Gesundheit, aber mehr noch auf unsere mentale Verfassung. Warum es beim Abnehmen um mehr geht als nur darum, schlanker zu werden.
Autor: Sarah Füßlberger, 10.12.2021 um 16:29 Uhr

Anteil an adipösen (fettleibigen) Personen in Österreich 1999: 9,1 Prozent; Anteil 2019: 16,6 Prozent (Quelle: Statistik Austria).

Als adipös gilt man laut Definition der WHO, sobald der eigene Body Mass Index (BMI) 30 überschreitet, wobei bereits ab einem Wert von 25 Übergewicht diagnostiziert wird. Die Zahlen sind daher erschreckend. Vor allem problematisch erscheint die Zunahme unter Kindern.

Fettleibigkeit und ihre Folgen

Die Liste der Risiken, die starkes Übergewicht birgt, ist leider allzu lang: Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Gelenksbeschwerden, erhöhter Blutdruck, Arthrose, Herzkrankheiten, Schlaganfall oder Rückenbeschwerden – vieles davon ist auf Fettleibigkeit zurückzuführen. Nicht zuletzt sind auch die mentalen Auswirkungen nicht zu missachten. Denn Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper schlägt sich oft auf die Psyche nieder und kann die Lebensfreude beeinträchtigen. Starkes Übergewicht hindert einen daran, an einer Vielzahl an Aktivitäten teilzunehmen und „erschwert“ das Leben im wahrsten Sinne des Wortes. Zudem führt Bewegungsmangel häufig zu Antriebslosigkeit. Obwohl all diese Dinge allgemein bekannt sind, steigt der Anteil adipöser Menschen immer weiter an.

Junge Frau entspannt bei einer Tasse Kaffee | Credit: iStock.com/iprogressman

Keine Zeit für gesundes Essen

Schnelllebig, stressig, unkontrollierbar - so empfinden viele Menschen ihren Alltag zwischen Beruf- und Privatleben. Zeit für geregelte Mahlzeiten, die bewusst zubereitet und in Ruhe genossen werden, bleibt da kaum. Die Alternative ist zu verlockend: Eine Fülle an ungesunden Lebensmitteln wird uns tagtäglich beispielweise von Fastfoodketten oder im Tiefkühlregal schmackhaft präsentiert.

Keine Zeit für uns selbst

Dabei ist es nicht so, dass die Menschen früher weniger gearbeitet hätten als heute, sie nutzten ihre Zeit einfach anders. Social Media war noch nicht existent und „fast living“ ein Fremdwort. Es wurden nicht gleichzeitig Instagram und Mails im Akkord abgecheckt, während man eigentlich einer anderen Tätigkeit nachging. Das Multitasking bewirkt heutzutage, dass wir unaufmerksam, unbedacht und vor allem unbewusst unseren Alltag bestreiten. Das verändert nicht nur den Umgang mit unseren Mitmenschen, sondern auch mit uns selbst und unserem Körper. Bewusst einkaufen, kochen und letztendlich essen verlernen wir, wenn wir uns erst einmal aus dem Fokus verloren haben. Und damit auch das Bedürfnis nach Bewegung.

Glückliche junge Frau steht fröhlich in ihrer Küche | Credit: iStock.com/stockfour

Gesund leben - eine Frage der Gewohnheit

Beim Thema Abnehmen geht es im Kern um mehr als nur darum, seine Ernährung umzustellen und sich mehr zu bewegen, bis das Wunschgewicht erreicht ist. Es geht darum, dass wir das immer tun, weil wir es gewohnt sind. Zugegeben, anfangs braucht es dazu Disziplin, doch sobald man sich daran gewöhnt hat, will man es mit der Zeit auch immer wieder tun. Sobald wir oft genug Wasser statt Softdrinks getrunken, Gemüse statt Schnitzerl gegessen oder Workouts statt Serien-Marathons absolviert haben, beginnen wir diese Aktivitäten in unseren Alltag zu integrieren, und sie erscheinen uns nicht mehr mühsam, sondern sind selbstverständlicher Teil unseres Lebens. Kleine kulinarische "Sünden" wie eine Torte oder eine Pizza zwischendurch inklusive.

Bewegung macht glücklich

Ein zusätzlicher Anreiz: Beim Sport werden gleichermaßen Glückhormone ausgeschüttet wie beim Naschen, daher beugt er auch bestens Depressionen vor. Generell schärfen wir durch Bewegung das Bewusstsein für unsere seelischen und körperlichen Bedürfnisse. Viel wichtiger als sich bei sportlicher Betätigung abzuquälen ist es, dass man sich täglich bewegt. Das können ein Spaziergang, Dehnungs- bzw. Medidationsübungen sein, Pilates oder Yoga. Durch regelmäßige Bewegungseinheiten verändert sich auch unser Appetit und Vorliebe in puncto Nahrungsmittel. Wer sich bewusst bewegt, will sich auch bewusst ernähren.

Junge Frau genießt ein gesundes Frühstück in ihrer Küche | Credit: iStock.com/nensuria

Bewusst genießen statt viel essen

Wenn wir Mahlzeiten bewusst zu uns nehmen, uns Zeit lassen, es genießen, und den Geschmack intensiv erleben, ist die Gefahr für übermäßiges Essen weitaus geringer. Glauben wir nach einer Mahlzeit, noch mehr essen zu wollen, lohnt es sich häufig abzuwarten. Das Sättigungsgefühl stellt sich nämlich bei den meisten Menschen erst nach einer Weile ein.

Wohlfühlen - das oberste Gebot

Es ist in Ordnung, zu sich und seinen Formen zu stehen, solange man sich aufrichtig wohlfühlt. Geht einem dieses Gefühl verloren, lohnt es sich, über Veränderungen nachzudenken. Allein damit ist der erste Schritt in die richtige Richtung gemacht. Alles andere kommt dann schon bald von allein (zurück), allen voran die Lebensfreude.

Zur Autorin

Im Rahmen ihres Philosophie-Studiums geht Passion Author Sarah Füßlberger den Dingen gerne auf den Grund. Für www.weekend.at widmet hinterfragt sie die vielfältigen Entscheidungen, die wir Tag für Tag mit Blick auf unsere Lebensweise mehr oder weniger bewusst treffen.