Yoga unter Palmen

„Inhale and exhale“ – noch einmal atme ich tief ein und strecke meine Arme in die Höhe. Die ersten Sonnenstrahlen kitzeln mich. Jetzt bin ich wirklich hier, wohl inmitten von einem kleinen Paradies angekommen. Umgeben von Palmen, Feigen-, Avocado- und Macadamiabäumen gehe ich wieder nach unten in die Vorbeuge und atme tief aus. Eine leichte Windbrise streift mich und bringt die Blätter zum Rascheln. Bewusst nehme ich das Zwitschern der Vögel und das Krähen eines Hahnes im hügeligen Umfeld wahr. Später im „herabschauenden Hund“ (= Yogaposition) spüre ich dann die Anstrengung in meinen Armen und Schultern, als ich länger mit gesenktem Kopf in dieser Position verweile. Wir sind eine kleine Gruppe von sechs Personen, kannten uns nicht, sind uns aber mittlerweile doch schon vertraut.

Eine Reise für sich selbst – einfach tun!

Schon lange zuvor hatte ich darüber nachgedacht, vielleicht doch einmal einen Yogaurlaub „mit mir“ zu verbringen. Eine Reise für mich selbst? Um Energie zu tanken und neue Eindrücke zu sammeln. Was kann daran eigentlich so falsch sein? Eigentlich nichts. Aber, hm? Ist Yogaurlaub vielleicht doch nur etwas für „Langweiler“? Ein Urlaub ohne „Action“?

Yoga – vielseitig und kräftigend

Den Gedanken, Yoga wäre langweilig, habe ich schon vor ein paar Jahren abgelegt. Aber immer wieder konnte ich auch von anderen Personen Aussagen wie „Yoga ist nichts für mich! Das ist mir zu langsam. Außerdem kann ich nicht ruhig sitzen …“ vernehmen. Doch Yoga ist viel mehr als nur „ruhig sitzen“ und in einzelnen Positionen zu verharren. Denn abgesehen davon, dass für einige Asanas (= Yogastellungen) viel Muskelkraft erforderlich ist, werden auch die Beweglichkeit und der Gleichgewichtssinn gleichermaßen gefördert. In Kombination mit Meditation wirkt Yoga außerdem entspannend, schmerz- und stresslindernd, und generell ist eine positive Wirkung auf Körper und Geist zu spüren. Im Unterschied zu anderen Fitness-Trends wie beispielsweise Pilates oder Bauch-Beine-Po & Co. wird die Achtsamkeit insbesondere auf die Atmung gelegt, die im Einklang mit der Bewegung erfolgt.

Frau bei ihrem Yoga-Training am Strand bei Sonnenuntergang | Credit: iStock.com/yurok

Von „Power-Yoga“ bis „Hatha-Yoga“

Für welche Yoga-Art man sich letztendlich entscheidet, bleibt den eigenen Vorlieben und Bedürfnissen überlassen. Beim „Power-Yoga“ handelt es sich, wie der Name schon sagt, um einen dynamischen, kräftigenden Yogastil. „Vinyasa-Flow-Yoga“ wird ebenfalls dynamisch ausgeführt, jedoch werden die einzelnen Übungen mit fließenden (= flow) Übergängen vereint. Beim etwas sanfteren „Hatha Yoga“, der ursprünglichen Form des Yogas, wird das Augenmerk auch auf das „Nachspüren“ nach den einzelnen Bewegungseinheiten gelegt. Wie fühlt sich der Körper nun an? Werden Veränderungen wahrgenommen? Auch „Yin Yoga“ erfreut sich wachsender Beliebtheit. Die einzelnen Yogastellungen werden hierbei länger angehalten (meist zwischen 3 und 5 Minuten), um insbesondere die tiefergelegenen Muskeln sowie die Faszien (=Bindegewebe) verstärkt zu dehnen.

„Katzenyoga“ – gibt es das auch?

In der „Casa el Morisco“ in der Nähe von Malaga, fernab von Lärm und Trubel oberhalb des Meeres gelegen, wird vorwiegend „Hatha Yoga“ gelehrt, das sowohl für Anfänger als auch Fortgeschrittene geeignet ist. Auch „Katzenyoga“ steht ab und an auf dem Programm. Doch was bitteschön ist „Katzenyoga“? Nein, keine Sorge! Natürlich waren hierbei keine echten Katzen am Start (auch wenn sich in der Anlage viele süße Kätzchen tummeln), und selbstverständlich musste während der Yogastunde weder geschnurrt noch miaut werden. Vielmehr wurde die Konzentration auf den Rücken gelegt, der „Katzenbuckel“ im Kniestand durfte jedoch keinesfalls fehlen! Beim „Yoga-Nidra“ fanden wir Entspannung, da es sich bei dieser Yoga Art vorwiegend um eine Meditation handelt. Genauer gesagt sollte hierbei sogar ein Zustand zwischen Meditation und Schlaf erreicht werden.

Morgendliche Yoga-Einheit am Strand | Credit: iStock.com/kieferpix

Meditation – was ist das eigentlich?

Übrigens ist auch Meditation keinesfalls mit „nur ruhig sitzen“ oder einem „Rückzug in sich selbst“ gleichzusetzen. Vielmehr geht es darum, den „ewigen Trommelwirbel“ in unserem Kopf zu stoppen, sich zu sammeln und die Gedanken ziehen zu lassen. Den eigenen Körper und das Umfeld wieder bewusst wahrnehmen. Den Weg zur eigenen Mitte finden, der mit einem „Öffnen“ nach außen verbunden ist.

Yogaurlaub – gut für Alleinreisende geeignet

Und irgendwie scheint es, als ob dieses „Öffnen“ auch in der „Casa el Morisco“ spürbar ist. Denn meine anfänglichen Bedenken und die zweifelnde Frage, die ich mir zuhause noch stellte (Welchem Publikum werde ich hier wohl begegnen? Und werde ich mich hier überhaupt wohlfühlen?), konnte ich definitiv schon am Ankunftstag mit einem „JA“ beantworten. Ich treffe auf ein durchaus offenes Publikum, viele Alleinreisende und zu meiner Freude stelle ich fest, dass selbst im Speisesaal und auf der herrlichen Terrasse (mit Blick hinab bis zum Meer) keine feste Sitzordnung herrscht, und man sich ungezwungen mit anderen, hauptsächlich deutschsprachigen, Urlaubern unterhalten kann. Die Liebe zum Yoga und zum Reisen haben alle gemeinsam. Auch werden Tipps und Anregungen gerne untereinander ausgetauscht. All jenen, die Ruhe suchen, stehen selbstverständlich auch genügend Rückzugsmöglichkeiten in der Anlage zur Verfügung. Insbesondere die wunderschöne Gartenanlage, mit Liebe zum Detail, eignet sich hierfür bestens. Ebenso sind Spaziergänge zum 20 Minuten entfernten Strand empfehlenswert. Ein Ausflugsprogramm wie beispielsweise der Besuch der weißen Dörfer oder auch Küstenwanderungen runden das Programm auf der „Casa“ ab.

Drei junge Frauen beim Yoga-Training | Credit: iStock.com/insta_photos

Sonnenschein statt Schneeschauer

Noch einmal spaziere ich durch den Garten und mache es mir in der nächsten Hängematte, die zwischen zwei Macademiabäumen gespannt ist, gemütlich. Mein Handy lege ich sogleich beiseite, als mich vermehrt WhatsApp-Nachrichten mit „Schneefotos“ von zuhause aus erreichen. Lieber genieße ich den Blick auf den blauen Himmel und bei angenehmen Temperaturen von 20 bis 22 Grad Celsius im November lasse ich ganz einfach die Seele baumeln. Auch die bevorstehende „Glühweinzeit“ liegt weit weg. Der Glühwein kann warten! Stattdessen trinke ich abends mit meinen „Yogafreunden“ das eine oder andere Gläschen „Sangria“ und lasse mich mit spanischer Tortilla, Empanadas und anderen vegetarischen und veganen Köstlichkeiten (anstelle von Kiachl mit Sauerkraut) verwöhnen.

Namesté!

Am nächsten Morgen finde ich beim „Abschiedsyoga“ in Rückenlage noch einmal Entspannung. Dann richte ich mich auf, falte meine Hände vor das Herz und schaue noch einmal in die Runde. Kurz vorbeugend und mit einem „Namasté“ verabschieden wir uns. Dankbar für die schöne Zeit. Mit neuer Energie. Achtsamkeit und Zufriedenheit, die mich während meiner Heimreise begleitet.

Zur Autorin

Als idealen Ausgleich zu ihrer Arbeit hat Passion Author Margit Kainz das Schreiben entdeckt. Kleine Anekdoten und Tipps sind die Spezialität der reisebegeisterten Tirolerin, die sie in ihren Beiträgen auf www.weekend.at serviert.

Autor: Margit Kainz, 06.12.2021