Vivienne Westwood: Ein Nachruf auf einen Punk

Punk mag zwar nicht tot sein, hat aber seine Königin verloren.
Autor: Cornelia Scheucher, 30.12.2022 um 15:38 Uhr

"Anpassen" - dieses Wort hatte Vivienne Westwood nie gelernt. Und dafür wurde sie von der Modewelt geliebt und verehrt. Donnerstagabend schloss die "Femme terrible" der Modebranche im Alter von 81 Jahren ihre Augen für immer (wir berichteten). Was bleibt? Zeitlose Designs und die immer währende Hoffnung, dass Punk niemals stirbt.

Vivienne und die Sex Pistols

Die außergewöhnliche Karriere der Britin startete zeitgleich mit der Kultband "Sex Pistols". Genauer gesagt mit deren Manager Malcom McLaren. Anfang der 70er Jahre eröffnete Westwood gemeinsam mit dem Kunststudenten eine Boutique in der Londoner Kings Road. Kurze Zeit später wurde der Laden in "Sex" umbenannt, 1975 begann McLaren dann die Band zu managen, die aus Stammkunden der Boutique bestand. Der Punk war geboren. Und mit ihm seine Königin Vivienne Westwood. Die Pistols trugen ihre Designs und machten die Britin damit weltberühmt.

"Vivienne Westwood war eine kreative Ikone, die geholfen hat, den Platz Großbritanniens an der spitzen der modernen Mode zu festigen." 

- Sadiq Khan, Bürgermeister von London 

Eine Rebellin mit Stil

Ihr Stil zeichnete sich vor allem durch eines aus: Rebellion. Westwood war bekannt für außergewöhnliche Kreationen, denen der britische Stil doch innewohnte. Karo war Pflicht, Provokation ebenso. Westwood designte alles - von Hochzeitskleidern bis zu Fetisch-Looks. Doch ihre Mode war vor allem politisch. Von Anfang an war Westwood eine kritische Zeitgenossin und legte sich immer wieder mit dem System und seinen Mächtigen an. Selbst das britische Königshaus wurde nicht verschont. Und dennoch erhielt die Britin im Laufe ihrer Karriere einige Ehrungen von Queen Elizabeth II. 1992 wurde sie in den Order of the British Empire aufgenommen. 2006 wurde sie von der Queen zur Dame gemacht.  

Vivienne Westwood auf einer Demo

Im Kampf für die Umwelt

In den letzten Jahren übernahm ihr Partner, der 25 Jahre jüngere Andreas Kronthaler aus Tirol, überwiegend die Betreuung der Kollektionen und des Unternehmens. Westwood selbst engagierte sich vermehrt für den Umweltschutz und nahm bis zuletzt an Protestaktionen teil. Einmal erklärte die Frau mit den orangen Haaren - ihr Markenzeichen - sogar, dass ihr die Umwelt wichtiger sei als die Mode. Mit einem Banner, auf dem in großen Buchstaben "Climate Revolution" stand, beendete sie bereits vor einem Jahrzehnt schon ihre Modeschauen. Westwood war durch und durch eine Pionierin - nicht nur der Mode. Sie hinterlässt ihren Mann, zwei Söhne und einen großen Fußabdruck, der im Gegensatz zu anderen, die Welt um einiges besser und kreativer gemacht hat. 

Westwood mit ihrem Partner