Balenciaga schickt seine Models in den "Krieg"

Ein eisiger Sturm inklusive Schnee weht im Pariser Parc des Expositions du Bourget. Es ist düster, die Stimmung wirkt geknickt. "Es lebe die Ukraine, für Schönheit, Stärke, Wahrheit und Freiheit", rezitiert Balenciaga-Chefdesigner Demna zu Beginn der Show ein Gedicht. Dann schickt er seine Models auf den Laufsteg, der das Kriegsgeschehen abbilden soll.

Auf der Flucht

Ein Teil der Models läuft nur spärlich bekleidet in Boxershorts und Sneakers über den eisigen Laufsteg. Andere tragen wiederum Plastiksäcke. Sie repräsentieren die Millionen von Menschen, die derzeit vor Putin und seinem Krieg auf der Flucht sind. 

Model auf dem Laufsteg

Helle Lichtblicke

Die meisten Looks sind düster gehalten – dunkle Kleidung, fliegende Capes und Mäntel sowie dunkel verspiegelte Brillen prägen die Show. Doch es gibt auch Lichtblicke. Helle Gestalten, eingekleidet in weißen Pelzmänteln oder eisblauen Kleidern, lockern die Show etwas auf. 

Vom Flüchtling zum gefeierten Designer

Balenciaga-Designer Demna nimmt das Unglück in der Ukraine besonders mit. Der künstlerische Leiter war selbst einmal ein Flüchtling und floh in den 90ern mit seiner Familie aus Georgien. Dort führte ebenso Russland Krieg. Für die Modeindustrie hat er harte Worte. Laut ihm gleicht die "Fashion Week einer Art Absurdität" in Krisenzeiten. Dennoch muss sie stattfinden. Wie so etwas funktionieren kann, hat der Designer mit seiner Herbst-/Wintershow 2022/23 bewiesen. 

Autor: Cornelia Scheucher, 11.03.2022