Mein Berufsalltag mit einer vierbeinigen, pelzigen Chefin

Unser Handwerk – die Installateur-Branche – ist schon an sich sehr herausfordernd und abwechslungsreich. Die Arbeit ist immer ähnlich, jedoch nie gleich. Noch mehr gilt das für meinen Alltag im Büro, denn ich habe die Ehre, eine ganz besondere "Chefin" zu haben.

In der Früh bin ich mit einem Monteur die Erste in der Firma, gegen 06:00 Uhr werden wir beim Ankommen schon von einer hübschen graublauen, pelzigen Dame erwartet. Nach dem Begrüßungsritual, welches aus Schmieren sowie intensivem Graskuscheln (natürlich nur Katzengras) besteht, dürfen wir, die "ersten Diener", frisches Wasser und Futter bereitstellen.

Werden wir jedoch aufgeregt und miauend erwartet, dann nur, weil die Futterschale noch halbvoll mit der Hälfte des Nicht-Lieblingsfutters ist. Vergeblich versuche ich immer wieder, etwas anderes dazuzuschummeln, aber meine Katze belehrt mich immer wieder eines Besseren.

Schön langsam trudelt ein Monteur nach dem anderen ein, und dann beginnt die Action: Das Material wird kontrolliert, eingeräumt, rausgetragen – natürlich nur unter Beobachtung der wachsamen Bernsteinaugen der Katze, die es sich schon auf ihrem „Postler-Thron“ gemütlich gemacht hat.

Spätestens, nachdem bis auf drei alle auf den Baustellen sind, geht es schon los: Ein elegantes Miauen ruft den ersten Diener zum Bürsten auf – ein Ritual, welches jeden Morgen um die exakt gleiche Zeit durchgeführt wird, schließlich will das kuschelige Fell gepflegt werden. Ein Überschuss davon befindet sich übrigens in einem eigenen Polster auf dem Katzendivan.

Nach dem Bürsten werden die Leckerlis spielerisch verteilt und genossen und dann wird gespielt: egal ob Fangen, Jagen, (ohne Krallen) Kratzen und Raufen – alles, was der Katze gefällt!

Zwischendurch gibt es immer wieder Trink- und "Schaufensterpausen" - da wird mit den vorbeigehenden Zweibeinern geflirtet, was das Zeug hält. Nebenbei wird das "Futter" – pardon, werden die Vögel - vor dem Haus gründlich anvisiert, ohne, dass sie uns dabei aus den Augen lässt. Was wird gedruckt? Welcher Tee wird getrunken? Was gibt es zu Mittag? Alles wird von unserer Katze genauestens inspiziert oder beschnüffelt. Ein Tipp, wenn sie nur kurz an etwas schnüffelt und die Zunge zeigt, dann lieber Hände weg!

Das Highlight des Tages: Im Laufe des Vormittags kommt der "Lieblingspostler", auf den sie bereits wartet. Wehe, dieser kommt einmal zu spät oder geht unangekündigt in Urlaub. Dann bekommt er ihr britisches Temperament zu spüren, ich habe schon Männer gesehen, die auf Knien um ihre Aufmerksamkeit bettelten und um Verzeihung winselten – aber vergeblich! Wer kennt das nicht, wenn eine Katze beleidigt ist? Unser Postler macht jede Verspätung, jeden Urlaub und Feiertag ganz brav bei ihr wett - und es funktioniert.

Meins! Lillis Katze in ihrem Reich | Credit: Lilli Platzer

Wenn wahre Menschenkenntnis gefragt ist, können wir uns übrigens zu 100 Prozent auf unsere Mieze verlassen: Wenn jemand reinkommt und sie beim ersten Anblick davonläuft, heißt das für uns, Vorsicht, da stimmt etwas nicht! Wenn sie jedoch zu dieser Person hingeht, um sich anzuschmiegen oder ihr nachläuft, dann können wir uns sicher sein, dass alles in Ordnung ist.

Zwischendurch wird immer wieder gekuschelt, auf dem Bürostuhl, den Isolierungen oder am Tisch – wie es ihr gerade passt. Ich bin eher fürs Spielen und Raufen zuständig. Da mein "Catboss" in der Nacht schläft, ist sie tagsüber sehr aktiv und verspielt, bleiben wir jedoch am Abend etwas länger in der Firma, dann ist nicht zu übersehen, wann sie sich fragt, wann wir endlich nach Hause gehen.

Bei allen Eigenheiten spürt sie aber auch, wie es jemandem geht, wie man drauf ist. Man fühlt sich verstanden - ein Gefühl, das wohl jeder Tierfreund bestätigen kann. Wie gerne würde ich sie umgekehrt verstehen wollen, sie hätte mir sicher einiges zu erzählen!

Zur Autorin

Sie lieben Katzen? Dann geht es Ihnen wie "Passion Author" Lilli Platzer, die uns in ihren Anekdoten an ihrem abwechslungsreichen Alltag mit ihrem flauschigen Vierbeiner teilhaben lässt. Und dabei mit ihren Erlebnissen so manchem Katzenbesitzer aus der Seele spricht.

Autor: Lilli Platzer, 28.04.2021