Hilfe, meine Katze hat einen Vogel

Katzen sind schlau, hochsensibel und Individualisten, sie entwickeln aber auch gerne Neurosen, Ticks und seltsame Macken. Für den Besitzer kann das ganz schön nervtötend sein, meist liegt dem komischen Verhalten aber ein natürlicher Instinkt oder ein vom Menschen verursachtes Problem zugrunde. Die Salzburger Katzenpsychologin Michaela Knosp hat uns erklärt, welche Ursachen hinter vermeintlich irren, abnormalen Verhaltensweisen stecken können.

Mangelhafte Stubenreinheit: Meine Katze pinkelt in die Wohnung.

Die einfachste Ursache ist, dass aus Katzensicht mit der Toilette etwas nicht stimmt: zu klein, zu wenig Streu oder nicht sauber. Weist das Klo keine Mängel auf, handelt es sich meist um natürliches Markierverhalten. Das kann passieren, wenn fremde Katzen Zutritt in den Haushalt haben oder nicht vertraute Gerüche auftauchen. In einigen Fällen sorgt eine Kastration für Abhilfe. Mitunter kann es auch an Putzmitteln liegen, die zu viel Ammoniak enthalten – das riecht für Katzen wie fremder Urin. Bekommt man das Problem nicht in den Griff und wurden medizinische Gründe ausgeschlossen, sollte man einen Profi um Rat fragen. Übertriebenes Markieren kann auch stressbedingte Gründe haben, ist mit geeigneten Therapieformen aber in vielen Fällen korrigierbar. Auslöser sind zum Beispiel Zoff mit der Nachbarskatze, ein Umzug oder ein neues Familienmitglied. Wichtig: Wird die Katze plötzlich unrein, ist das kein Protest, sondern ein Hilferuf!

Nächtlicher Terror: Meine Katze kratzt an der Schlafzimmertür und miaut lautstark.

Störaktionen in der Nacht sind meist ein erlerntes Verhalten. Vor allem im Jungtieralter kommt die Katze mit verzweifeltem Miauen fast immer an ihr Ziel und ins Schlafzimmer. Und das merkt sie sich. Hierfür gibt es nur eine Lösung: Die Katze ignorieren und konsequent durchhalten – es kann mitunter Wochen dauern, bis die Aufweckmanöver abflauen. Leidet die Samtpfote unter Trennungsangst, hilft es, mit ihr regelmäßig von Raum zu Raum zu gehen, Türen zu schließen und wieder zu öffnen. So lernt sie, dass eine geschlossene Tür nicht Trennung bedeutet. Bei älteren Tieren kann es zu einer Abnahme der Sinneswahrnehmungen kommen und sogar eine Demenzerkrankung auftreten. Leidet eine Katze daran, fühlt sie sich vor allem nachts verloren und miaut, um auf ihre missliche Lage aufmerksam zu machen.

Zerstörungswut: Meine Katze zerfetzt grundlos Möbel und Kleidung.

Der häufigste Grund für blinde Zerstörungswut sind fehlende Kratzmöglichkeiten oder Frust, durch zu wenig Beschäftigung. Mit artgerechten Kratzbäumen und regelmäßigen Spieleinheiten wird sich das Problem schnell in Luft auflösen. Handelt es sich um optische Reviermarkierungen, kann das Verhalten mit ein bis zwei Tropfen Baldrian an eine gewünschte Stelle (zum Beispiel auf den Kratzbaum) umgelenkt werden oder man bietet der Katze genau dort eine Kratzmöglichkeit, wo sie sich am liebsten austobt.

Katzenpsychologin Michaela Knosp | Credit: Gut Aiderbichl/Pamina Pollanz

Allesfresser: Meine Katze saugt an Stoffen und frisst Plastik, Steine und Wolle.

In diesem Fall handelt es sich um das Pica-Syndrom, eine gefährliche Verhaltensstörung, die tödlich enden kann. Häufige Ursachen sind Nährstoffmangel oder die zu frühe Trennung des Kätzchens von der Mutter. Gründe können aber auch Stress oder Langweile sein, zudem sind Siam- und Burma-Katzen anfälliger für diese Zwangserkrankung, die mit einer Sucht vergleichbar ist. Besitzer können lediglich versuchen, alle „fressbaren“ Gegenstände zu entfernen und vom Tierarzt empfohlene Nahrungsergänzungsmittel zu verabreichen. Ratsam ist, einen Tierpsychologen hinzuzuziehen, der mit geeigneten Therapien versucht, das Verhalten sanft zur korrigieren.

Putzzwang: Meine Katze putzt sich wie verrückt den ganzen Tag lang.

In seltenen Fällen kann exzessives Putzen eine Verhaltensstörung aufgrund von zu wenig Beschäftigung sein, wahrscheinlicher ist aber eine medizinische Ursache. Womöglich leidet die Katze an Parasiten, einem Pilz oder einer Allergie, die Juckreiz auslöst.

Selbstverstümmelung: Meine Katze reißt sich das Fell aus und beißt sich selbst.

Das ist eine schwere Zwangserkrankung, die im Fachjargon „Overgrooming“ genannt wird. Abnormales Putzverhalten kann so weit gehen, dass sich eine Katze selbst verletzt und sprichwörtlich verstümmelt. In diesem Fall kann nur ein Profi helfen, der mit einer geeigneten Therapie der Ursache auf den Grund geht. Auslöser sind unzureichende Haltungsbedingungen, zu wenig Platz und körperliche Misshandlung, genauso wie chronischer Stress oder fehlende Aufmerksamkeit.

Fauchende Furie: Meine Katze flippt plötzlich aus, beißt und kratzt heftig.

Eine Spielaggression entsteht, wenn die Katze nie gelernt hat, wo die Grenzen liegen. Entweder weil sie zu früh von der Mutter getrennt wurde oder der Besitzer weitermacht, auch wenn es weh tut. Für Abhilfe sorgt ein klares Signalisieren von Schmerz. Zum Beispiel durch einen schrillen Schrei in Kombination mit einem abrupten Beenden der Spielsituation. Flippt die Katze bereits bei leichten Berührungen aus und zuckt vermehrt mit Fell und Haut, kann es sich um die Nervenkrankheit „Rolling Skin Syndrom“ handeln. Weitere medizinische Ursachen können ein Kopftumor, Migräne oder Epilepsie sein.

Fauchende Furie | Credit: iStock.com/Osobystist

Geisterjagd: Meine Katze starrt in Ecken, wo nichts ist und jagt unsichtbare Dinge.

Tiere haben einen siebten Sinn, sind extrem feinfühlig und arbeiten kommunikativ auf einer anderen Ebene als Menschen. Nur weil wir an einer Stelle nichts sehen, heißt das nicht, dass dort nichts ist. Das kann zum Beispiel ein Energiefeld sein, das sich unserer Wahrnehmung entzieht. Allerdings sehen Katzen auch um ein Vielfaches besser als Menschen und erkennen für uns unsichtbare, klitzekleine Dinge, die krabbeln oder fliegen. Bei Extremfällen ist ein medizinischer Check ratsam, da auch Krankheiten wie Epilepsie dahinterstecken könnten.

Das Gurken-Phänomen: Warum hat meine Katze Angst vor einer Gurke?

Dabei handelt es sich um einen Internethype und das Angstverhalten hat nichts mit der Gurke an sich zu tun. Die Katze erschreckt sich schlicht und ergreifend, wenn plötzlich etwas hinter ihr ist, dass sie nicht kennt und mit dem sie nicht rechnet – das kann genauso gut eine Tomate, ein Brokkoli oder eine Vase sein.

Die berühmten „5 wilden Minuten“: Einmal am Trag dreht meine Katze durch.

Ein normales Verhalten, dass bei fast jedem Tier auftritt und ein Zeichen dafür ist, dass es dem Vierbeiner gut geht. Katzen bauen durch diese „Anfälle“ überschüssige Energie ab, setzen Adrenalin frei und leben ihren Jagdtrieb aktiv aus.

Autor: Simone Reitmeier, 01.03.2021