Fragen, die sich jeder vor Beauty Treatments stellen sollte

Eingriffe ohne Skalpell, die helfen, dem Schönheitsideal näher zu kommen oder den Alterserscheinungen zu entgehen, erfreuen sich großer Beliebtheit. Sie werden nebenbei absolviert wie ein Friseurbesuch. Aber sind sie auch so harmlos?
Autor: Valerie Vonroe, 06.01.2022 um 06:15 Uhr

Lunchtime Lifting, One Hour Glow Treatment, Hyaluronfiller, Microneedling, Fett-weg-Spritze, Eigenblutplasmabehandlung (Vampirlifting), Mesotherapie, Radiofrequenz, Cool Sculpting, Fadenlifting und noch einiges mehr versprechen „Schönheit“ in weniger als einer Stunde. Da geht sich zeitlich sogar noch ein Imbiss in der Mittagspause aus. Schnelle Problemlöser, die die Natürlichkeit in den Vordergrund stellen und schwerwiegende operative Eingriffe ersetzen sollen. Diese Alternativen haben ihr Gutes, keine Frage.

Was die Eingriffe bringen

Frauen aller Altersgruppen wollen auf diesem Weg der Schwerkraft entgegenwirken und ihr Gesicht wieder zum Strahlen bringen. Bedenklich ist, wenn bereits Mädchen unter dem Einfluss von Darstellungen auf Social Media-Kanälen denken, sich bis zur Unkenntlichkeit verändern zu müssen. Denn so unkompliziert diese „kleinen“ Eingriffe auch sind, man sollte sie nicht unterschätzen. Auch sie können unerwünschte Nebenwirkungen haben, wenn zum Glück auch nur selten. Wer sich bewusst entscheidet und genau informiert, beugt Frust ob überhöhter Erwartungen vor.

Frau bei einer Microneedling-Behandlung | Credit: iStock.com/ForsterForest

Worauf sollte man bei der Arztwahl achten?

Bei der Arztwahl sollte man besonders auf sein Bauchgefühl hören und sich folgende Fragen ehrlich beantworten:

  • Fühle ich mich wohl in der Ordination?
  • Werde ich auf die Grenzen der Machbarkeit hingewiesen?
  • Werde ich gut aufgeklärt über mögliche Risiken und Nebenwirkungen?
  • Gibt es ein Anamnesegespräch über mögliche Krankheiten, Medikamenteneinnahme, Allergien?
  • Gibt es einen Kontrolltermin, ein Vorher-Nachher Foto und gegebenenfalls eine Nachbetreuung?

Botox Party mir Prosecco

Es klingt verlockend, bei einer „Botox Party“ mit einem Glaserl Prosecco in der Hand gemeinsam mit anderen Frauen auf dem Sofa zu sitzen, während der Arzt mit der Spritze in der Hand von einer zur anderen geht. In der Regel geht dabei alles glatt. Von denen, bei denen etwas schiefgeht, hört man selten. Meist, weil sie sich schämen, sich selbst die Schuld geben und den Arzt wechseln, um das Problem wieder in den Griff zu bekommen.

Frau bei einer Hyaluron-Behandlung | Credit: iStock.com/microgen

Abschreckendes Beispiel Linda Evangelista

„Brutal entstellt“ nennt es Linda Evangelista, was ihr durch die missglückte Cool Sculpting-Behandlung widerfahren ist. In deren Rahmen ließ sie sich Fettzellen an Kinn, Oberschenkeln, Bauch, Rücken und Brust entfernen. Seit dem Beauty-Eingriff leidet sie unter paradoxer adipöser Hyperplasie, wodurch sich Fettzellen vermehren, anstatt sich - wie vorgesehen - zu verringern.

Bei dem laufenden Verfahren geht es um die Streitsumme von 50 Millionen Dollar. Die Klage lautet auf „dauerhafte Verletzung und Entstellung, Schmerz und Leid, schwerwiegende emotionale Belastung und Seelenqual und wirtschaftliche Verluste“. Seit damals sei sie nicht mehr in der Lage, ihr Einkommen zu sichern, ihr Körper und ihre Karriere seien ruiniert, so das Topmodel. Auch zwei Folgeoperationen brachten der gebürtigen Kanadierin ihr ursprüngliches Aussehen nicht mehr zurück.

"Für weniger als 10.000 Dollar am Tag stehen wir gar nicht erst auf", sagte sie einst in einem Interview mit der "Vogue" in den 1990er-Jahren auf dem Höhepunkt ihrer Karriere. Mittlerweile ist sie 56 Jahre „jung“, mit einigen Kilos und Erfahrungen mehr. Also fast wie „wir“ normalen Frauen, mit dem Unterschied, dass wir keine Supermodels sind. Wollte Linda Evangelista einfach nur zu viel auf einmal?

Grenzen des Anti-Aging

Kinn, Oberschenkel, Po, Bauch und Brust gelten als die größten Schwachstellen, wenn man älter wird, selbst bei schlanken Frauen. Die Idee, sie einfach - anders als bei einer klassischen Fettabsaugung - ohne Spuren wegzufrieren ist genial. Aber es darf bezweifelt werden, ob es eine Behandlung gibt, mit der alle Fettzellen dauerhaft entfernt werden. Nicht zuletzt, weil der Körper eine gewisse Fettschicht als Schutz benötigt. Weiters, weil sich die verbleibenden (wenn auch nur wenige) Fettzellen vermehren, einfach, weil es in ihrer Natur liegt.

Catherine Deneuve hat das längst erkannt. Die französische Schauspielerin ist unverändert attraktiv. Ihre Rundungen nimmt sie gelassen: "Ab einem gewissen Alter muss man sich entscheiden - Gesicht oder Hintern." Vielleicht auch, weil ihr Enkel ihr das Kompliment machte: "Oma, du bist so schön weich." Fettpölsterchen, sei dank.

Was Beispiele wie ihres zeigen: Ist es nicht tröstlich, dass das Älterwerden jeden trifft? Es aber gar nicht so schwierig ist, mit einigen wenigen Make-up-Tricks durchaus ein paar Jahre jünger bzw. mit typgerechtem Styling durchaus schöner auszusehen? Einen Versuch ist es wert. Im Zweifelsfall bleibt immer noch der Gang zum Arzt.

Zur Autorin

Mit ihren wohl überlegten Gedanken und praktischen Tipps liefert die in Wien lebende freie Autorin Valerie Vonroe wertvolle Anstöße für einen bewussteren Umgang mit den eigenen Potenzialen und Ressourcen – in jedweder Hinsicht.