"Kingsman: The Golden Circle" – Lang lebe der König

Vor zweieinhalb Jahren lieferte Regisseur Matthew Vaughn mit "Kingsman: The Secret Service" einen Überraschungshit ab. Die Geheimdienst-Parodie spielte das Fünffache der Kosten wieder ein und galt als Geheimtipp mit hochkarätiger Besetzung. Die Fortsetzung "The Golden Circle" versucht noch einmal nachzulegen.
Autor: Jans Movie-Blog, 28.09.2017 um 22:13 Uhr

England ist nicht genug - jetzt geht es in die USA. Nachdem bisher alle Bond- und Sherlock Holmes-Klischees dargestellt wurden, gibt es jetzt die typischen Cowboys aus Kentucky. Und als wäre dies nicht genug, geht es in einer Nebenhandlung auch noch zu den Adelshäusern im hohen, kühlen Norden: Eggsy ist mit der Prinzessin von Schweden liiert. Jede Menge schwarzer Humor ist somit vorprogrammiert.

Gemeinsam gegen die Drogen

Die Drogenbaronin Poppy (Julianne Moore – Next, Hannibal) ist dabei, die Welt mit ihren Drogen zu überschwemmen. Diverse Geheimdienste sind ihr ein Dorn im Auge, so auch die Kingsman rund um den jungen Eggsy (Taron Unwin - Legend) und Merlin (Mark Strong – Zero Dark Thirty, Green Lantern). Nach einem fast vernichtenden Raketenangriff sind diese auf die Hilfe der Statesman angewiesen. Champagne (Jeff Bridges – Crazy Heart, Tron), Tequila (Channing Tatum – Logan Luckey, Magic Mike) und Ginger Ale (Halle Berry – Monster’s Ball) schließen sich ihrem Kampf an.

Die Besetzung ist noch stärker als im ersten Teil. Mit Halle Berry und dem bereits im Trailer zurückgekehrten Colin Firth gibt es gleich zwei Oscar-Darsteller. Auch die Nebenrollen sind interessant besetzt, sogar Elton John bekommt eine Rolle - als Elton John.

Videospiel mit Humor

Bei den Action-Sequenzen wird tief in die Trickkiste gegriffen. Alle Kämpfe sind extrem schnell, perfekt choreographiert und voller Effekte. Durch die sehr ruhige Kameraführung wirken die Kämpfe beinahe wie Zwischen-Sequenzen in Computerspielen, was nicht immer ein Vorteil ist. Trotz der gewaltigen Bilder wirken sie dadurch noch surrealer als sie es durch die eingesetzten Hilfsmittel der Agenten eigentlich sollten. Bei der Darstellung der Gewalt geht der Film kaum Kompromisse zu Gunsten der Altersfreigabe ein, was während der Kämpfe überraschend positiv ist. Auch außerhalb der Action gibt es einige Darstellungen von Gewalt und Folter, die meist sehr übertrieben sind und extrem abstoßend wirken.

In Sachen Humor nimmt sich auch der Nachfolger wieder alle Vorlagen von Geheimagenten-Filmen zur Brust und schüttet eine große Portion schwarzen Humor über die Klischees eines ganzen Genres. Hier kann "The Golden Circle" weiter punkten, wären da nicht teilweise Passagen, in denen das Niveau tief unter die Gürtellinie sinkt.

Kreative Comics

Anders als der Vorgänger beruht der zweite Teil nicht mehr auf der Comic-Vorlage von Mark Millar und Dave Gibbson. Diese Entscheidung ist spürbar, der Film büßt bei den Charakteren wie auch in der Handlung einiges an Kreativität und Abgehobenheit ein. Diese Defizite werden durch die vielen (Gast-)Stars nur bedingt wettgemacht. So wirkt "The Golden Circle" letztlich häufig gezwungen, wodurch auch der Humor weniger verfängt.

Kingsman: The Golden Age?

Alles in allem bleibt es eine Geschmacksfrage. Fans von Parodien im Stile von "Kick Ass" und all jene, die den Humor des Vorgängers schätzen, werden auch hier gut unterhalten werden. Unbestritten ist die Kritik an der Länge des Films, 142 Minuten sind einfach zu lang. Der Film befindet sich in einem permanenten Wirrwarr zwischen gut inszenierter Action und belanglosen, lustig gemeinten Charakterszenen, die durch die kaum ausgebauten Charaktere zu wenig Atmosphäre aufkommen lassen.

Weekend-Blogger Jan Gruber ist Blogger und Podcaster aus Leidenschaft. Seit über einem Jahrzehnt beschäftigt er sich aus diesem Hobby heraus viel mit Technik und Medien aller Art. Dennoch ist er kein Couchpotatoe, seine Freizeit genießt er beim Sport in der Natur. Für seinen Blog sieht er sich die neuesten Kino-Streifen an.

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