Olympia-Maßnahmen: Kinder sind die Opfer

Diese Bilder gehen unter die Haut: Kinder, nicht älter als sechs oder sieben, stecken von Kopf bis Fuß in weißen Schutzanzügen.  Schutzbrillen und Visiere sind über die kleine Köpfe gezogen. Im Gänsemarsch steuern sie auf eine geöffnete Bustür zu und verschwinden darin.

Peking schlägt zu

Ihre Eltern werden sie so schnell nicht wiedersehen. Was steckt hinter diesen Szenen, die wie aus einem dystopischen Thriller wirken?

Kinder von Kopf bis Fuß und Schutzanzügen steigen in einen Bus

Die Aktion ist teil der gigantischen "Null Covid"-Strategie, die Peking anlässlich der Winterolympiade verfolgt. In sozialen Medien wird deutlich: China hat ein riesiges Netzwerk an Quarantänelagern errichtet, in denen Tausende Menschen zwei Wochen in winzigen Containern leben müssen. Dabei sind sich Experten einig, dass selbst solche drastischen Isolationsmaßnahmen gegen Omikron machtlos sein dürften.

Irrsinn made in China

Den Wahnsinn belegen Zahlen wie diese: In der nordchinesischen Stadt Tianjin mussten alle 14 Millionen Einwohner zu einem zweiten Covid-Test antreten, weil 97 Covid-Infektionen entdeckt worden waren.  20 Millionen Menschen sollen zudem in den Städten Anyang, Yuzhou und Xi'an in ihren Wohnungen eingeschlossen sein. Sie dürfen nicht einmal zum Einkaufen gehen. 

Aufnahme von oben auf ein markiertes Feld mit Wartenden

Die Szene mit den Kindern, die in Quarantäne gebracht werden, wurde in Anyang aufgenommen. Die Stadt mit 5,5 Millionen Menschen wurde abgeriegelt, nachdem zwei Omikron-Fälle gemeldet worden waren. Selbst Grundschüler ab sechs Jahren wurden von Anyang in Lager verfrachtet. Ist das im Sinn der olympischen Idee?

Wo genau die Kinder ohne ihre Eltern hingebracht werden? Man kann nur spekulieren. Die Lager mit den Mini-Containern sollen sich vor allem  in Xi'an befinden. Was für Erwachsene schon schwer zu ertragen ist, dürfte Kinder traumatisieren.  Dieser Junge wird in eine Isolierstation gebracht. Lasst die Spiele beginnen ...

In den Lager sollen laut Augenzeugen nicht nur Coronafälle und Kontaktpersonen isoliert werden, sondern auch  all jene, die "nicht kooperieren".  Ihnen droht ein langer Aufenthalt: Die olympischen Winterspiele dauern vom 4. bis zum 20. Februar. Und man werde mit allen Mitteln versuchen, einen großen Ausbruch innerhalb der Olympia-Blase zu verhindern, so Huang Chun vom Organisationsteam. 

Impfschutz unklar

Besonders brisant: Es ist fraglich, wie gut die chinesischen Impfstoffe vor Omikron schützen. Studien gehen von einem wesentlich geringeren Schutz als bei mRNA-Impfstoffen aus. Impfstoffe von BioNTech/Pfizer und Moderna sind in China nicht zugelassen.

Mann in Schutzkleidung vor Beijing 2022 Schriftzug
Autor: Andrea Schröder, 13.01.2022