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Einsatzkräfte vor der Kirche in Sydney.
Vor der Kirche bildete sich ein wütender Mob.
Vor der Kirche bildete sich ein wütender Mob.
Mark Baker / AP / picturedesk.com

Terroranschlag: 16-Jähriger sticht auf Bischof ein

16.04.2024 um 12:27, Simone Reitmeier
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Ein Teenager hat einen christlichen Bischof während einer Messe mit mehreren Messerstichen angegriffen. Das Motiv sei "religiös motivierter Extremismus".

Nur drei Tage nach dem Amoklauf in einem Einkaufszentrum hält ein Terroranschlag in einer christlichen Kirche die australische Metropole Sydney in Atem. Ein erst 16 Jahre alter Bursche ist während einer Messe ruhig Richtung Altar gegangen, als er plötzlich ein Messer zückt und auf den Bischof einsticht. Mindestens vier Menschen sollen nach derzeitigem Ermittlungsstand verletzt worden sein.

Als Terrorakt eingestuft

Das Motiv des mutmaßlichen Täters liegt laut der Polizeichefin des Bundesstaates New South Wales, Karen Webb, eindeutig im Bereich des "religiös motivierten Extremismus", die Tat wurde als Terrorakt eingestuft. Unter den Opfern soll der Bischof der örtlichen assyrischen Gemeinde in Sydneys westlichem Vorort Wakeley und mindestens ein weiterer Priester sein. Beide hätten nur durch Glück überlebt und seien bereits operiert worden.

Video im Netz zeigt Tat

Der Gottesdienst wurde offenbar live im Internet übertragen. Veröffentlichte Aufnahmen zeigen, wie ein Mann in schwarzem Pullover nach vorne zum Altar geht, vermutlich ein Klappmesser zückt und den Bischof mehrfach mit dem Messer angreift. Kirchenbesucher greifen sofort ein und können ihn schließlich überwältigen.

Teenager ist polizeibekannt

Nach der Festnahme des 16-Jährigen stellte sich heraus, dass er bereits vor der Tat polizeibekannt war. Laut Webb sei er aber nicht auf einer Beobachtungsliste für Terrorverdächtige gestanden. Um sein genaues Motiv zu klären, seien die Ermittler mit seinen Eltern im Gespräch.

Riesige Menschenmenge vor der Kirche in Sydney.
Einsatzkräfte wurden mit Ziegelsteinen beworfen.

Ausschreitungen vor der Kirche

Vor der assyrischen Kirche Christ The Good Shepherd hat sich binnen kürzester Zeit eine wütende Menschenmenge gebildet. Als die Situation völlig eskalierte, seien Polizeieinheiten aus dem gesamten Stadtgebiet zur Verstärkung gerufen worden. Einsatzkräfte wurden mit Ziegelsteinen und Zaunpfählen beworfen. 20 Einsatzfahrzeuge wurden beschädigt, mehrere Beamte sollen verletzt worden sein, ein Polizist hat einen Kieferbruch erlitten. Auch die Sanitäter mussten sich stundenlang in der Kirche verbarrikadieren, weil sie von der Menge bedroht wurden. Rettungsdienste haben nach eigenen Angaben 30 Patienten behandelt.

Täter wurden Finger abgeschnitten

Auch der 16-jährige Tatverdächtige soll verletzt worden sein. Wie er sich die offenbar schweren Verletzungen zugezogen hat, war zunächst unklar. Australischen Medienberichten zufolge sollen ihm mehrere Finger abgetrennt worden sein. Noch ist nicht klar, ob der wütende Mob dafür verantwortlich ist. Das sei laut Webb noch Gegenstand der Ermittlungen. "Alle, die an diesen Ausschreitungen beteiligt waren, können damit rechnen, dass wir an ihre Tür klopfen werden", so die Polizeichefin. "Vielleicht nicht heute, vielleicht nicht morgen, aber wir werden euch finden und wir werden euch festnehmen. Das ist absolut inakzeptabel."

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