Spendentestament: Immer mehr Österreicher interessiert

Jährlich kommen in Österreich über 80 Millionen Euro aus Testamentspenden zusammen. Das Interesse am Vermächtnis für den guten Zweck steigt.
Autor: Melanie Ogris, 24.05.2022 um 10:20 Uhr

Wie wichtig und lebensrettend Spenden sind, zeigt sich gerade jetzt im Ukraine-Krieg. Am österreichischen Spendenaufkommen haben Testamente einen wichtigen Anteil. Im Vorjahr wurden rund 80 Millionen Euro auf diesem Wege gespendet – eine wesentliche Unterstützung für die wichtigen Aufgaben von Hilfsorganisationen.

Unterstützung über Tod hinaus

Mit einem Vermächtnis für den guten Zweck nachhaltig positive Spuren hinterlassen – dieser Gedanke ist auch bei den Österreichern angekommen. „Pro Jahr kommen mittlerweile über 80 Millionen Euro an Spenden aus Testamenten zusammen – das ist jeder zehnte Spendeneuro“, sagt Günther Lutschinger, Initiator von der Initiative „Vergissmeinnicht“. Tendenziell vererben Testamentsspender Vermögen zwischen 50.000 und 100.000 Euro.

Große Nachfrage

16% der gesamten Bevölkerung über 40 Jahre, das sind fast 800.000 Österreicher, kann sich laut market-Studie eine Testamentsspende persönlich vorstellen. Somit hat sich laut der Organisation das Interesse seit 2012 verdoppelt. Unter den fast 900.000 kinderlosen Personen ab 40 Jahren sind es sogar 40%. Seit 2012 haben Österreichs Testamentsspender in Summe fast 600 Mio. Euro zur Finanzierung gemeinnütziger Projekte vererbt. Mehr als 90% der Testamentspender sind übrigens alleinstehend und kinderlos.

2012 wussten noch die wenigsten, dass man einen Teil des Testaments einer gemeinnützigen Einrichtung vermachen kann, heute sind es 92 Prozent der Bevölkerung.
– Vergissmeinnicht-Leiter Markus Aichelburg

Jeder Dritte hat ein Testament

Beim Thema Erben insgesamt ist der Informationsbedarf groß: Nur 30% der Personen über 40 haben bereits ein Testament gemacht. 50% bezeichnen sich als wenig bis gar nicht über das Erbrecht informiert. Somit wissen auch die wenigsten, dass das Vermögen automatisch dem Staat zufällt, wenn kein Testament vorliegt und es keine gesetzlichen Erben gibt. Rund 1.000 erblose Nachlässe gibt es pro Jahr (2019: 13 Mio. Euro).

Bei nicht fachgerecht verfassten Testamenten kommt es zudem häufig zu Fehlern, die verhindern, dass der letzte Wille im Sinne des Verstorbenen erfüllt wird. Darum rät Vergissmeinnicht zur kostenlosen Erstberatung beim Notar.

Die Organisation

In Österreich fielen von 2012 bis 2015 über 12 Mio. Euro an den Staat, weil die Verstorbenen keine gesetzlichen Erben mehr hatten und auch kein Testament vorhanden war. Die Initiative Vergissmeinnicht informiert darum seit 10 Jahren mit 100 Mitglieder-Organisationen aus allen gemeinnützigen Bereichen über das „Testament für den guten Zweck“.