Nachgetreten: Podcast schiebt Mateschitz ins rechte Eck

In „Inside Austria“ wird der erst kürzlich verstorbene Red Bull-Boss als skrupelloser Machtmensch mit Hang zum Rechtspopulismus beschrieben.
Autor: Simone Reitmeier, 18.11.2022 um 10:58 Uhr

Im deutsch-österreichischen Pocast „Inside Austria“ beschäftigen sich Lucia Heisterkamp vom Spiegel sowie Antonia Rauth und Margit Ehrenhofer vom Standard mit Dietrich Mateschitz und seinem Erbe. In der dreiteiligen „Red Bull-Saga“ wird mit verschiedenen Experten auf das Firmengeflecht, die Macht von Red Bull im Sport, das Medienimperium und nicht zuletzt auf die Person Didi Matschitz eingegangen. Gut weg kommen das Unternehmen und der verstorbene Chef dabei nicht immer. Ganz im Gegenteil, nimmt der deutsch-österreichische Podcast auch die Schattenseiten des Dosen-Konzerns unter die Lupe.

Keine Heimatliebe & Message Control

Bereits im ersten Teil attestiert Verena Kainrath (Journalistin, Der Standard) Mateschitz wenig Verbundenheit zu seiner Heimat Steiermark. Weil er einst die Ehrenbürgerschaft von seinem Geburtsort St. Marein im Mürztal ausschlug. Erinnert man sich an Zitate von Didi Mateschitz, könnte die Ablehnung womöglich auch andere Gründe haben. Der Wahl-Salzburger meinte einst: "Ich bin keiner, der Ämter sammelt. Ich glaube nicht, dass man, wenn man in 20 Aufsichtsräten sitzt, seiner Verantwortung noch gerecht werden kann. Ich möchte nicht zu jenen gehören, die vor lauter Wichtigkeit nicht einmal mehr gerade gehen können." Während andere Medien Didi Mateschitz Großteils als großen Spender und bodenständig loben, verweist man im Podcast auf seinen alles andere als bescheidenen Lebensstil mit Privatjet, Flugzeugflotte und einer eigenen Insel. In seinem Konzern habe er zudem Message Control perfektioniert – nichts dringt nach außen. Wer redet, begeht quasi eine Todsünde. „Klopfen Kritiker von außen an, hält die Dose dicht“, heißt es im Podcast.

Devise: The show must go on

Während Red Bull heutzutage aus dem Breitensport nicht mehr wegzudenken ist, wurden zu Beginn nur spektakuläre Extremsportler mit riskanten Aktionen gefördert. In „Inside Austria“ fragt man sich unter anderem, wie weit ist Mateschitz gegangen, welchen Preis war er bereit zu zahlen? „Es sind Sportler ums Leben gekommen, zwischen 10 und 15. Sportler, die einfach finanziell unterstützt wurden von Red Bull. Und die dann bei der Ausübung ihres Sports zu Tode gekommen sind“, so Philip Bauer, Sportchef beim Standard. Trägt der Konzern dafür aber wirklich die Verantwortung? Oder liegt das in der Natur der Sache? Im Podcast stellt man die Mitschuld des Konzerns in Frage, der Umgang mit Todesfällen wird kritisiert – die großen Erfolge treten in den Hintergrund.

„Seelen von Sportvereinen aufgelöst“

Diskutiert wird auch sein Engagement im Fußball und das damit verbundene (und angeblich einzige) Marketingziel, Red Bull noch größer zu machen. Viele Fans sehen laut Moderatoren in Mateschitz keinen Retter, sondern einen Zerstörer, der „die Seele eines Vereins völlig aufgelöst und den Club mit viel Geld neu aufgebaut hatte“.  „Bei der Übernahme des Traditionsvereins Austria Salzburg wurde alles platt gemacht. Man hat Namen geändert, die Farben. Man hat quasi nichts von dem alten Verein übriggelassen“, erläutert Bauer. Unrecht hat der Journalist nicht, dasselbe Programm fuhr Mateschitz auch bei RB Leipzig – aber immerhin katapultierte er den Verein in die Spitzenliga und verwandelte Red Bull Salzburg in eine europaweit angesehene Kader-Schmiede für Nachwuchstalente.

Ferdinand Wegscheider | Credit: VOGL-PERSPEKTIVE.AT - Mike Vogl / picturedesk.com

„Dietrich Mateschitz zum Anschauen“

Der letzte Teil der „Red Bull-Saga“ fokussiert sich auf das Medienimperium und insbesondere ServusTV. Die Moderatoren verorten dabei eindeutig Rechtspopulismus. Harald Fidler, Medien-Redakteur beim Standard, bezeichnet ServusTV als „Abfallprodukt oder Nebenprodukt einer Red Bull-Medienstrategie“ sowie als „Dietrich Mateschitz zum Anschauen“. Und „was da teilweise geäußert wird, […] das ist schon ganz eindeutig rechts oder rechts außen zu verorten“, meint Oliver Das Gupta (Spiegel- und Standard-Redakteur). Das Unternehmen stand bis zu seinem Tod unter der vollen Kontrolle von Didi Mateschitz, daher würden die Inhalte auch seine Geisteshaltung – und jene von Ferdinand Wegscheider ­– widerspiegeln. Zum Beispiel die Kritik an den Russland-Sanktionen, der Zweifel an der Klimakrise und Corona sowie die Angst vor Zuwanderung. „Es ist schon sehr bezeichnend, dass er (Mateschitz, Ann. d. Red.) beispielsweise ein gutes Verhältnis zu HC Strache hatte. Bis Ibiza zumindest“, so Das Gupta.