Wo bleibt der Bote? Paketeflut sorgt für Chaos

An der Pakete-Front herrscht Krieg: Genervte Kunden warten vergeblich, die Zusteller kommen mit ihrer Arbeit nicht nach.
Autor: Andrea Schröder, 17.12.2021 um 13:12 Uhr

Lockdowns, Online-Shopping und die Folgen: 2020 ist die Zahl der versendeten Packerln hierzulande schon um rund 17 Prozent gestiegen. Für heuer rechnet die Branche mit einem weiteren Plus von gewaltigen 30 Prozent. Die Regulierungsbehörde RTR geht von 340 Millionen zugestellten Paketen bis Ende des Jahres aus. 

Knochenjob

Die Leidtragenden dieser Paket-Sintflut sind neben den Kunden die Zusteller. Laut Arbeiterkammer und der Gewerkschaft Vida müssen einzelne Boten pro Tag zwischen 200 und 300 Pakete ausliefern. Das berichtet die Tageszeitung "Der Standard". Die deutsche Gewerkschaft Verdi macht in diesem Tweet auf die unhaltbare Situation für die Zusteller aufmerksam:

Wer seine Pakete aus Zeitnot nicht verteilen kann, sucht einen beim Kunden äußerst unbeliebten Ausweg: das Abladen ganzer Wagenfuhren bei einer Abholstation. Das Paket landet also dort, obwohl man den ganzen Tag zuhause war und auf den Boten gewartet hat. 

Auf dem Prüfstand

Zusteller DPD Austria muss sich wegen dieser gängigen Praxis derzeit einem Aufsichtsverfahren durch die RTR unterziehen. Bereits im Frühjahr hat DPD daraufhin angekündigt, zusätzliche Arbeitskräfte einzusetzen und die Zustelltouren um 25 Prozent zu erhöhen.

Grafik zur Entwicklung der Paketzustellung nach Quartalen 2018 bis 2021

Was viele nicht wissen: Die Paketboten der privaten Dienste sind meist Ein-Personen-Unternehmer und tragen das gesamte Risiko für die Zustellung, nutzen sehr häufig ihr eigenes Fahrzeug und erhalten keinen Stundenlohn, sondern eine Pauschale.  Wenn das Auto kaputt ist, sie einen Schaden verursachen oder ein Paket verloren geht: Es haftet stets der Bote selbst.

 

Blick auf mehrere Fließbänder mit zahlreichen Paketen und einem Mitarbeiter

Die Post grenzt sich im "Standard" deutlich vom Mitbewerb und dessen Arbeitsbedingungen ab: Anders als andere Zusteller würde die Post 80 Prozent der Paketzustellung über eigene Mitarbeiter abwickeln, nur etwa 20 Prozent würden zu Spitzenzeiten an externe Frächter ausgelagert. 

Was tun bei Beschwerden?

Wer Probleme mit einem Paketzustelldienst hat, kann online ein Beschwerdeformular bei der Schlichtungs-und Beschwerdestelle der RTR ausfüllen (www.rtr.at).  Heuer rechnet man mit 9.000 Empfangsbeschwerden und 660 daraus resultierenden Schlichtungsverfahren - extrem niedrige Zahlen gemessen an der irren Paketflut, die über das Land schwappt.