Tausende Jobs weg: Konzern setzt alles aufs Spiel
Oracle: Der US-Konzern verschuldet sich massiv, streicht weltweit bis zu 18 Prozent der Belegschaft und pumpt zweistellige Milliardensummen in neue KI- und Cloud-Kapazitäten, bei zugleich hohem Wachstum und wachsender Kritik.
Aggressive KI-Offensive finanziert durch Schulden und Stellenabbau
Oracle treibt den Umbau zum KI- und Cloud-Konzern mit einer Kombination aus hoher Verschuldung und radikalem Sparkurs voran. Um den Ausbau seiner KI-Rechenzentren zu finanzieren, nimmt der US-Softwarekonzern Schulden in bislang unerreichter Größenordnung auf und setzt parallel eines der größten Jobabbauprogramme der eigenen Geschichte um.
Weltweit sollen bis zu 30.000 Stellen wegfallen, was rund 18 Prozent der Belegschaft entspricht. Die Restrukturierung soll zwischen acht und zehn Mrd. Dollar an freiem Cashflow freisetzen, der direkt in neue KI-Infrastruktur fließen soll. Das ursprünglich mit 1,6 Mrd. Dollar veranschlagte Restrukturierungsprogramm ist dafür auf 2,1 Mrd. Dollar ausgeweitet.
Milliardeninvestitionen in Cloud-Infrastruktur trotz dünner Margen
Im Zentrum der Strategie steht Oracle Cloud Infrastructure (OCI). Für sie werden die langfristigen Kapitalausgaben auf insgesamt 156 Mrd. Dollar geschätzt. Allein 2026 plant Oracle Investitionen von 50 Mrd. Dollar, um die globale Kapazität seiner Rechenzentren für KI-Anwendungen massiv auszubauen.
Zur Finanzierung dieser Offensive hat das Unternehmen bis 2026 bereits zwischen 45 und 50 Mrd. Dollar über Schulden und Eigenkapital aufgenommen. Finanziell bleibt das Geschäft mit KI-Rechenzentren dennoch vorerst deutlich unter den Renditen klassischer Software-Angebote. Die Bruttomarge im KI-Infrastrukturbereich liegt derzeit bei 32 Prozent und damit unter typischen SaaS-Margen und klar hinter wichtigen Wettbewerbern.
Wachstumssprung und optimistische Prognosen
Operativ verzeichnet Oracle derzeit einen deutlichen Wachstumsschub. Im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2026 steigt der Gesamtumsatz um 22 Prozent auf 17,2 Mrd. Dollar. Die Cloud-Erlöse legen im selben Zeitraum um 44 Prozent auf 8,9 Mrd. Dollar zu.
Es ist das erste Quartal seit mehr als 15 Jahren, in dem sowohl der organische Gesamtumsatz als auch der Non-GAAP-Gewinn je Aktie in US-Dollar um mehr als 20 Prozent zunehmen. Vor diesem Hintergrund hebt Oracle seine Jahresziele an und peilt für 2026 nun 67 Mrd. Dollar Umsatz an. Für 2027 erhöht der Konzern die Erwartungen auf 90 Mrd. Dollar.
Analysten trauen dem Unternehmen zu, den Umsatz in den kommenden Jahren insgesamt zu verdreifachen. Der hohe Auftragsbestand unterlegt diese Einschätzung: Er liegt aktuell bei 553 Mrd. Dollar und damit um 325 Prozent höher als im Vorjahr.
Aktienabsturz, Klage wegen KI-Risiken und gespaltene Marktsicht
An der Börse spiegelt sich die Wette auf KI bislang nicht in steigenden Kursen wider. Seit dem Hoch im September 2025 verliert die Oracle-Aktie mehr als die Hälfte ihres Werts. Parallel dazu wächst der juristische und regulatorische Druck.
Gegen das Unternehmen läuft eine Sammelklage wegen mutmaßlichen Wertpapierbetrugs. Kläger werfen Oracle vor, die finanziellen Risiken der KI-Strategie nicht ausreichend offenzulegen. Konkret geht es um die Belastungen durch Schulden, mögliche Auswirkungen auf das Kreditrating sowie den freien Cashflow. Die Frist, sich als Hauptkläger in dem Verfahren zu registrieren, endet am 6. April 2026.
Trotz der Kursverluste und der laufenden Klage halten nicht alle Marktteilnehmer die Strategie für überzogen. Die Großbank Barclays bestätigt ihre Übergewichten-Einschätzung für die Aktie und signalisiert damit weiter Vertrauen in das langfristige Potenzial. Oracle setzt zudem ein Zeichen der Kontinuität bei der Ausschüttung: Am 24. April zahlt der Konzern die nächste Quartalsdividende von 0,50 Dollar je Aktie.