Netto-Benzinpreis in Österreich EU-weit am stärksten gestiegen

Eine aktuelle Analyse des Verkehrsclubs Österreich zeigt, dass hierzulande der Netto-Benzinpreis, also ohne Steuern und Abgaben, seit Beginn des Kriegs gegen die Ukraine im EU-Vergleich am stärksten gestiegen ist.
Autor: Conny Engl, 08.07.2022 um 11:35 Uhr

Die Bundeswettbewerbsbehörde hat am Donnerstag festgestellt, dass die Treibstoffpreise in Österreich seit Beginn des Ukraine-Kriegs stärker gestiegen sind als durch die Zunahme des Rohölpreises gerechtfertigt ist.

Von Platz 19 auf Platz 4

Die Mobilitätsorganisation VCÖ hat nun die Änderung der Nettopreise, also die Preise für Eurosuper und Diesel ohne Abgaben und Steuern, seit Beginn von Russlands Krieg gegen die Ukraine unter die Lupe genommen und auch mit der Entwicklung in den anderen EU-Staaten verglichen. Ergebnis der VCÖ-Analyse auf Basis von Daten der EU-Kommission: Der Nettopreis von Eurosuper ist in Österreich im EU-Vergleich am stärksten gestiegen! Die Folge: Während Ende Februar Österreich nur den 19. höchsten Nettopreis bei Eurosuper aufwies, hat Österreich jetzt bereits den vierthöchsten Nettopreis. Dass der Preis an der Tankstelle nur der neunthöchste ist, liegt an der in Österreich niedrigeren Besteuerung.

Dass hier offenbar versucht wird, zusätzliche Gewinne zu machen, führt dazu, dass die Teuerung befeuert wird. Es spricht einiges für die diskutierte Sondersteuer auf Übergewinne nach italienischem Vorbild. – VCÖ-Experte Michael Schwendinger

Bei Diesel auch über EU-Schnitt

Auch der Netto-Dieselpreis ist stärker als im EU-Schnitt gestiegen. Österreich weist die sechsthöchste Zunahme seit Beginn des Krieges auf. Ende Februar hatte Österreich den elfthöchsten Diesel-Nettopreis in der EU, jetzt ist es der siebthöchste. Auch bei Diesel ist die Besteuerung in Österreich niedriger, weshalb an der Tankstelle der Preis in Österreich am neunthöchsten ist.

Sprit-Spar-Tipps

Der Ärger vieler Autofahrer ist völlig nachvollziehbar. Immer mehr stellen sich die Frage: Was kann ich als Einzelperson tun? Eine wirksame Maßnahme ist es, durch spritsparenden Fahrstil und Fahrgemeinschaften mit einer Tankfüllung länger auszukommen. – VCÖ-Experte Michael Schwendinger

So kann mit spritsparendem Fahrstil der Verbrauch je nach bisherigem Fahrverhalten um 15, 20 Prozent oder sogar mehr reduziert werden. Ein Auto, das bei 130 km/h sieben Liter pro 100 Kilometer verbraucht, hat bei 100 km/h im Schnitt einen um 23 Prozent niedrigeren Verbrauch, wie eine Studie des Umweltbundesamts zeigt. Neben „gleiten statt rasen“ ist vorausschauendes Fahren sehr wirksam. Wer frühzeitig eine blinkende Ampel sieht, kann auch früher den Fuß vom Gaspedal nehmen. Niedrig tourig fahren, rasch in den nächsthöheren Gang schalten, Klimaanlage nicht zu kalt einstellen und möglichst ohne Dachbox verreisen, sind weitere Tipps des VCÖ.