Morddrohungen: Ärztin aus OÖ muss Praxis schließen

Eine Allgemeinmedizinerin aus Seewalchen am Attersee in Oberösterreich bekommt seit Monaten Morddrohungen aus der Querdenker-Szene. Jetzt muss sie ihre Praxis wegen finanzieller Probleme dicht machen.
Autor: Lukas Steinberger-Weiß, 28.06.2022 um 13:48 Uhr

Dr. Lisa-Maria Kellermayr ist engagierte Allgemeinmedizinerin mit eigener Praxis in Seewalchen am Attersee. Seit Beginn der Pandemie zeigt sie Probleme in der Versorgung und im Gesundheitssystem auf. Das gefällt aber nicht jedem. Sie bekommt seit Monaten Morddrohungen der übelsten Sorte und muss ihre Praxis mit einem privat bezahlten Sicherheitsdienst schützen.

Jetzt ist die engagagierte Medizinerin allerdings am Ende - vor allem finanziell. Auf Twitter kündigt sie an ihre Praxis ab sofort zu schließen:

Heftige Morddrohungen - sogar mit einem Massaker wird gedroht!

Gleichzeitig veröffentlich sie Screenshots der Morddrohungen. Ein besonders aggressiver Schreiber droht ein regelrechtes Massaker in ihrer Ordination anrichten zu wollen und erklärt detailliert wie er Dr. Kellermayr und ihre Mitarbeiter töten will. (ACHTUNG: Nichts für schwache Nerven):

Polizei sieht keine akute Bedrohungslage und betreibt Täter-Opfer Umkehr

Heute hat sich zum Fall der oberösterreichische Polizeisprecher David Furtner in einem Ö1-Interview geäußert. Er wirft der Medizinerin vor in die Öffentlichkeit gedrängt zu sein, sieht keine akute Bedrohungslage und rät der Ärztin psychologische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Polizeischutz für ihre Praxis gab es während der Bedrohungen aber keine, der Ort wurde nur "stark bestreift" und es wurde, zusammen mit dem Verfassungsschutz, ermittelt.

Die Reaktion auf das Interview des Polizisten ist, zumindest auf Twitter, verheerend. Der Polizei wird übelste Täter-Opfer-Umkehr vorgeworfen. Einige meinen auch, dass ein Polizist einer Medizinerin dazu rät psychologische Hilfe in Anspruch zu nehmen ist ein neues Allzeit-Tief . Auch die Ärztin meldet sich auf das Interview:

Auch andere Poster auf Twitter sind schockiert über den unsensiblen Umgang der Polizei mit dieser Situation:

Ärztin droht Konkurs - Ärztekammer will helfen

Rund 8.000 - 10.000 Euro hat die engagierte Ärztin pro Monat für den privaten Schutz ihrer Ordination, Angestellten und Patienten ausgeben müssen. Für eine Kassenärztin sei das zu viel und es droht ihr der Konkurs. Die Ärztekammer hat zwar eine Zahlung aus einem Nothilfefond angeboten, ob diese Zahlung reicht um die Kosten zu decken ist aber fraglich.