„Noch drastischer“: Wadsak warnt vor Wetter-Herbst
Die Bilder vom Hochwasser im September 2024 sind vielen Österreichern noch in Erinnerung. Nun warnt ORF-Meteorologe Marcus Wadsak vor einer brisanten Ausgangslage für den kommenden Herbst. Ein extrem warmer Sommer, ein außergewöhnlich aufgeheiztes Mittelmeer und die massive Trockenheit in Österreich liefern demnach Zutaten, die bei der passenden Wetterlage heftige Regenfälle begünstigen können. Ob Österreich tatsächlich getroffen wird, ist derzeit allerdings völlig offen.
Wadsak sieht Parallelen zu 2024
Im September 2024 sorgte ein mächtiges Tiefdruckgebiet für tagelangen Dauerregen in Teilen Mitteleuropas. Besonders schwer betroffen war der Osten Österreichs. Zahlreiche Flüsse führten extremes Hochwasser, am Wienfluss wurde das Ereignis im Nachhinein sogar als 1000-jährliches Hochwasser eingestuft.
Zwei Jahre später erkennt Marcus Wadsak ähnliche Voraussetzungen. Gegenüber der „Kleinen Zeitung“ erklärte der Meteorologe, die Zutaten seien wieder angerichtet. In einem Punkt sei die Ausgangslage sogar noch extremer: Der Sommer 2026 brachte Österreich enorme Hitze, während gleichzeitig das Mittelmeer außergewöhnlich hohe Temperaturen erreichte.
Auch die Trockenheit ist derzeit außergewöhnlich. GeoSphere Austria bezeichnete die vergangenen zwölf Monate als trockenste Periode seit Beginn der Messungen im Jahr 1850. Besonders im Osten Österreichs bestehen seit Monaten große Niederschlagsdefizite.
Mittelmeer außergewöhnlich warm
Eine entscheidende Rolle spielt das aufgeheizte Mittelmeer. Im Ligurischen Meer wurden Anfang August Werte um 31 Grad gemessen. Noch extremer war eine Messung vor Mallorca: Die Boje bei Sa Dragonera registrierte Anfang August einen Höchstwert von 33,02 Grad.
Solch hohe Wassertemperaturen können große Mengen Feuchtigkeit für die Atmosphäre bereitstellen. Je wärmer das Wasser ist, desto stärker ist grundsätzlich die Verdunstung. Gleichzeitig kann warme Luft mehr Wasserdampf aufnehmen als kalte.
Trifft diese warme und feuchte Luft später auf deutlich kühlere Luftmassen, können sich kräftige Tiefdruckgebiete und intensive Niederschlagsereignisse entwickeln. Genau eine solche Kombination spielte auch beim Extremwetter im September 2024 eine wichtige Rolle.
Warum massiver Regen möglich wird
Wadsak hält deshalb starke Regenfälle im Herbst für wahrscheinlich. Entscheidend ist allerdings, welche Zugbahn mögliche Tiefdruckgebiete nehmen. Ein sogenanntes Italientief kann große Mengen feuchter Mittelmeerluft Richtung Alpen und Mitteleuropa transportieren.
Eine zusätzliche Herausforderung ist die derzeitige Trockenheit. Fällt nach langen trockenen Phasen innerhalb kurzer Zeit sehr viel Regen, kann der Boden die Wassermassen regional nicht schnell genug aufnehmen. Dadurch steigt bei Starkregen das Risiko, dass Wasser oberflächlich abfließt und kleinere Bäche oder Flüsse rasch anschwellen.
Dass die Ausgangslage außergewöhnlich ist, zeigen auch die österreichischen Wetterdaten. Im Sommer wurden mehrere Temperaturrekorde gebrochen. Anfang August erreichte Bad Deutsch-Altenburg mit 41,2 Grad sogar einen neuen österreichischen Hitzerekord.
Katastrophe lässt sich nicht vorhersagen
Trotz der Warnung bedeutet die aktuelle Situation nicht, dass Österreich zwangsläufig vor einer Wiederholung des Hochwassers von 2024 steht. Wadsak betont selbst, dass derzeit nicht gesagt werden kann, wo mögliche extreme Niederschlagsereignisse tatsächlich auftreten werden.
Solche Details hängen von der konkreten Luftströmung und der Position eines Tiefdruckgebiets ab. Diese Entwicklungen können erst deutlich kurzfristiger zuverlässig eingeschätzt werden. Auch GeoSphere Austria weist darauf hin, dass saisonale Prognosen im Alpenraum über längere Zeiträume mit großen Unsicherheiten verbunden sind.