Kachelmann: Niemand hätte bei Unwetter sterben müssen

In einem Interview mit Puls24 kritisiert der deutsche Meteorologe Jörg Kachelmann Österreich scharf und meint das Unwetter war klar ersichtlich und es hätte Warnungen geben müssen. Die Todesfälle wären vermeidbar gewesen.
Autor: Lukas Steinberger-Weiß, 19.08.2022 um 10:25 Uhr

Der deutsche Moderator Jörg Kachelmann betreibt seit geraumer Zeit mit "Kachelmannwetter" einen eigenen Wetterdienst. Bereits gestern hat er auf Twitter vor den Unwettern und vor allem vor den Sturmböen gewarnt, da war das Unwetter schon in Niederösterreich:

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Schwere Vorwürfe im TV-Interview

Im Interview mit Puls24 erhebt der deutsche Moderator heute schwere Vorwürfe. Die Unwetter seien auf den Wetterkarten genau ersichtlich gewesen, man hätte nur hinsehen und warnen müssen meint der Deutsche. Er spricht im Interview sogar davon, dass alle die Gegenteiliges behaupten lügen und kanzelt die Verantwortlichen ab.

Auch auf Twitter legt er heute nach:

Warnungen haben im Alpenraum keinen Stellenwert

Für Kachelmann ist laut eigener Aussage klar: "Niemand hätte gestern sterben müssen!" Er kritisiert die schlechte Lage bezüglich Wetterwarnungen im Alpenraum und nimmt da auch Deutschland, Italien und die Schweiz nicht aus. Bezüglich Österreich platzt ihm im TV aber der Kragen und er bezichtigt die Verantwortlichen der Lüge. Auch die Journalisten verurteilt er pauschal - der Puls24 Moderator ist sichtlich irritiert, verspricht aber Selbstreflexion.

Puls24-Meteorologe Martin Kelemen gibt Jörg Kachelmann in einem darauffolgenden Interview recht. Die Heftigkeit des Unwetters überraschte ihn jedoch selbst - die Linie die das Unwetter genommen hat, war aber klar ersichtlich.

Werbung für eigenen Dienst?

Kachelmann selbst ist keine unumstrittene Persönlichkeit und regte in Vergangenheit immer wieder auf. In einem Vergewaltigungsprozess wurde der deutsche Moderator 2011 rechtskräftig freigesprochen. Den Umgang mit seiner Person kritisierte er danach aber immer wieder und führte auch Prozesse gegen Medien. Zuletzt obsiegte er am europäischen Gerichtshof für Menschenrechte gegen die mächtige Bild-Zeitung.

Ob diese Kritik nun Antipathie gegen Medien und Journalisten zeigt, oder tatsächlich ein Versagen der österreichischen Medien/Meteorologie darstellt ist damit fraglich. Natürlich will Kachelmann auch Werbung für seinen eigenen Wetterdienst machen. Trotzdem ist die klare Aussage, dass die Unwetter bereits Stunden vor dem Ereignis in Kärnten über Korsika und Italien gezogen sind korrekt und zumindest die Frage bleibt, ob wir vielleicht nicht doch etwas zu spät gewarnt worden sind.