Nach tödlichem Polizeieinsatz: Krawalle in Italien
Ein tödlicher Vorfall während eines Polizeieinsatzes im norditalienischen Bologna hat landesweit Entsetzen ausgelöst und schwere Unruhen nach sich gezogen. Nach dem gewaltsamen Ende der Festnahme eines 42-jährigen Mannes kam es in der Innenstadt zu einer Eskalation der Lage. Was als friedliche Gedenkkundgebung begann, schlug in stundenlange Straßenschlachten um, bei denen Dutzende Einsatzkräfte verletzt wurden. Der Fall rund um die Vorfälle beim Polizeieinsatz und die Krawalle in Bologna sorgt in ganz Italien für politische Debatten über Polizeigewalt und das Vorgehen der Behören.
Tödlicher Einsatz im Wohnviertel Pilastro
Der Vorfall ereignete sich im Viertel Pilastro im Nordosten Bolognas, wo die Polizei von Anwohnern wegen eines Randalierers alarmiert worden war. Die Beamten trafen auf den 42-jährigen Abderradim Fakir marokkanischer Herkunft, der sich Zeugenaussagen zufolge in einem psychischen Ausnahmezustand befand. Ein Anwohner-Video zeigt, wie der Mann mit auf dem Rücken fixierten Händen von zwei Beamten am Boden gehalten wurde, während er rief: „Aiuto! Basta, basta!“ (Hilfe! Genug, genug!). Obwohl der Mann verstummte und regungslos liegen blieb, schritten weder die Beamten noch anwesende Rettungssanitäter rechtzeitig ein; ein Notarzt konnte nur noch den Tod des Mannes feststellen.
Fakirs Schwester fordert Aufklärung und erklärt gegenüber der Zeitung Corriere della Sera: „Ich werde erst Frieden finden, wenn meinem Bruder Gerechtigkeit widerfahren ist. So darf man nicht sterben. Die Polizei muss uns beschützen. Wenn jemand aufgebracht ist, muss man ihn beruhigen, nicht der brütenden Hitze aussetzen und töten.“
Ausschreitungen nach zunächst friedlicher Mahnwache
Auf Aufruf des sozialdemokratischen Bürgermeisters Matteo Lepore versammelten sich Tausende Menschen in der Innenstadt zu einer stillen Mahnwache. Lepore betonte im Vorfeld: „Niemand darf auf eine solche Weise sterben.“ Nach der friedlichen Kundgebung schlug die Stimmung jedoch um, als hunderte Personen aus der linksanarchistischen Szene die Konfrontation suchten. Die Demonstranten warfen Molotowcocktails und Flaschen, brannten Barrikaden ab und beschädigten Polizeifahrzeuge. Die Exekutive setzte Wasserwerfer sowie Tränengas ein. Laut Polizeiangaben erlitten allein 64 Einsatzkräfte Verletzungen, zudem kam es auch in Mailand, Neapel und Florenz zu Protesten.
Politische Reaktionen und rechtliche Vorermittlungen
Die Ereignisse lösten heftige Kontroversen auf höchster politischer Ebene aus. Ministerpräsidentin Giorgia Meloni verurteilte die Ausschreitungen scharf und erklärte auf der Plattform X: „Die Wahrheit muss gründlich ermittelt werden, ohne Vorurteile und ohne Nachsicht gegenüber irgendjemandem. Diejenigen, die diesen Vorfall als Vorwand nutzten, um die Stadt zu verwüsten, Beamte anzugreifen und Gewalt zu verbreiten … suchten nicht die Wahrheit: Sie suchten die Konfrontation.“ Innenminister Matteo Piantedosi betonte gegenüber der Tageszeitung Il Messaggero: „So wie jeder Bürger das Recht auf die Unschuldsvermutung hat, muss derselbe Grundsatz auch für diejenigen gelten, die eine Uniform tragen.“ Kritik kam von der Senatorin Ilaria Cucchi (Grüne), die von einer „unmenschlichen Tat“ sprach und der Regierung vorwarf, „Hass und Rassismus“ zu fördern. Fraktionschef Galeazzo Bignami (Fratelli d'Italia) forderte zudem den Rücktritt von Bürgermeister Lepore, da dieser ein „brandgefährliches Klima geschaffen“ habe.
Die Staatsanwaltschaft von Bologna leitete Vorermittlungen wegen fahrlässiger Tötung gegen zwei Polizisten und vier Sanitäter ein. Aufgrund eines neu erlassenen Sicherheitsgesetzes der Regierung wurden die Beschuldigten jedoch vorerst in ein gesondertes Vorregister eingetragen, das Beamte bei Einsätzen vor einer direkten Aufnahme in das reguläre Ermittlungsregister schützt. Das Video des Vorfalls sowie eine anstehende Obduktion sollen nun weitere Erkenntnisse zum genauen Hergang bringen.