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Ein Kreuzfahrtschiff, das von einem Hantavirus-Ausbruch betroffen ist, wird laut Spaniens Gesundheitsministerin innerhalb von drei Tagen im Hafen von Granadilla auf der Insel Teneriffa anlegen – trotz des Widerstands der Regionalregierung der Kanaren.
Die WHO bestätigt den gefährlichen Andes-Hantavirus auf der „Hondius“.
Die WHO bestätigt den gefährlichen Andes-Hantavirus auf der „Hondius“.
APA-Images / AFP / OSCAR DEL POZO

Hantavirus-Ausbruch: WHO schlägt Alarm

07.05.2026 um 08:24, Yunus Emre Kurt
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Hantavirus: Nach mehreren Todesfällen auf einem Kreuzfahrtschiff wächst die Sorge weltweit. Die WHO bestätigt nun einen besonders gefährlichen Hantavirus-Stamm.

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Nach dem tödlichen Virus-Ausbruch auf dem Expeditionsschiff „Hondius“ wächst weltweit die Sorge. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat nun bestätigt, dass es sich um den gefährlichen Andes-Hantavirus handelt. Dieser Virus-Stamm gilt als besonders problematisch, weil er, anders als viele andere Hantaviren, auch von Mensch zu Mensch übertragen werden kann. Voraussetzung dafür ist allerdings enger Kontakt mit infizierten Personen. 

Die WHO reagierte damit auf Befürchtungen von Experten, die bereits nach den ersten Todesfällen Alarm geschlagen hatten.

Mehrere Tote auf Kreuzfahrtschiff

Die Bilanz des Ausbruchs ist dramatisch: Drei Menschen starben bereits im Zusammenhang mit dem Virus. Der erste Todesfall ereignete sich Mitte April an Bord des niederländischen Expeditionsschiffs. Ein niederländischer Passagier starb zunächst auf See. Seine Ehefrau zeigte kurze Zeit später ebenfalls Symptome und verstarb später nach einem Flug nach Südafrika. Anfang Mai starb zudem eine 78-jährige Deutsche aus Passau an Bord der „Hondius“. Insgesamt geht die WHO derzeit von mindestens sieben bestätigten Infektionen aus.

Deutsche Frau unter Beobachtung

Besonders aufmerksam verfolgen die Behörden derzeit den Fall einer deutschen Kontaktperson. Die Frau wurde vorsorglich von Bord gebracht und in die Universitätsklinik Düsseldorf transportiert. Nach offiziellen Angaben zeigt sie bislang keine Symptome, steht aber unter strenger medizinischer Beobachtung. Auch in der Schweiz wurde inzwischen ein weiterer Fall bestätigt. Ein Passagier, der bereits Ende April zurückgekehrt war, wurde positiv auf das Hantavirus getestet und befindet sich aktuell im Universitätsspital Zürich.

Chaos bei Evakuierung

Zusätzliche Probleme gab es bei der Evakuierung schwer erkrankter Crewmitglieder. Zwei Patienten mussten ausgeflogen werden, doch technische Probleme mit dem Sanitätsflugzeug sorgten für Verzögerungen. Die Betroffenen strandeten vorübergehend auf den Kanarischen Inseln und mussten dort auf eine Ersatzmaschine warten. Parallel dazu läuft ein politischer Streit um das Schiff selbst. Während die spanische Zentralregierung erlaubte, dass die „Hondius“ auf Teneriffa anlegt, lehnt die Regionalregierung der Kanaren dies ab. Regionalpräsident Fernando Clavijo kritisierte die Entscheidung scharf und sprach von fehlenden Sicherheitsinformationen.

Was über das Virus bekannt ist

Hantaviren werden normalerweise durch Nagetiere übertragen. Menschen infizieren sich meist über Kontakt mit Urin, Kot oder Speichel infizierter Tiere. Auch kontaminierter Staub kann gefährlich sein. Typische Symptome reichen von grippeähnlichen Beschwerden bis hin zu schweren Nieren- oder Atemwegserkrankungen. Eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung ist bei Hantaviren selten. Beim in Südamerika verbreiteten Andes-Stamm wurde dies jedoch bereits in früheren Ausbrüchen dokumentiert. Eine Impfung existiert derzeit nicht.

WHO sieht Risiko aktuell noch als niedrig

Trotz der dramatischen Bilder und der internationalen Aufmerksamkeit versucht die WHO zu beruhigen. WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus erklärte, das allgemeine Risiko für die Bevölkerung bleibe derzeit niedrig. Dennoch beobachten Gesundheitsbehörden weltweit die Entwicklung genau. Besonders die mögliche Mensch-zu-Mensch-Übertragung macht Experten Sorgen.

Fragen rund um die „Hondius“

Das kleine Expeditionsschiff mit rund 150 Menschen an Bord war ursprünglich zu einer Naturreise Richtung Antarktis aufgebrochen. Nach dem Ausbruch durfte zunächst niemand an Land gehen. Die „Hondius“ lag zeitweise vor Kap Verde fest, bevor die Diskussion um ein mögliches Anlegen auf Teneriffa begann.

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