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Gaza-Flottille-Aktivist nach Israel-Haft mit Verletzungen im Gesicht – Teilnehmer berichten von Schlägen und Missbrauch
Gaza-Flottille-Aktivist zeigt Verletzungen nach der Abschiebung aus Israel. Mehrere Teilnehmer berichten von Gewalt, Schlägen und Misshandlungen in israelischer Gefangenschaft.
Gaza-Flottille-Aktivist zeigt Verletzungen nach der Abschiebung aus Israel. Mehrere Teilnehmer berichten von Gewalt, Schlägen und Misshandlungen in israelischer Gefangenschaft.
APA-Images / AFP / OZAN KOSE

Schläge und Übergriffe: Aktivisten schocken mit Details aus Israel-Gefangenschaft

22.05.2026 um 15:55, Jovana Borojevic
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Israel stoppt Gaza-Flottille: Aktivisten berichten von Gewalt und Demütigungen in Gefangenschaft. Ben-Gvir-Video löst weltweit Empörung aus.

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Mit mehr als 50 Booten und über 430 Aktivisten aus mehr als 40 Ländern machte sich die „Global Sumud“-Flottille auf den Weg Richtung Gaza. Die Aktivisten wollten die israelische Seeblockade durchbrechen, symbolische Hilfsgüter liefern und auf die katastrophale Lage im Gazastreifen aufmerksam machen.

Doch die Gaza-Flottille wurde noch in internationalen Gewässern von der israelischen Marine gestoppt. Israel sprach von einem „PR-Stunt“ und kündigte an, jede Annäherung an Gaza zu verhindern.

430 Gaza-Aktivisten festgenommen und abgeschoben

Nach dem Zugriff brachte Israel mehr als 430 Aktivisten nach Ashdod. Viele der Gaza-Aktivisten wurden gefesselt festgehalten und später über die Türkei abgeschoben. Unter den Betroffenen befanden sich Bürger aus Italien, Spanien, Frankreich, Irland, Kanada und weiteren Ländern.

Die Bilder der festgenommenen Aktivisten verbreiteten sich weltweit und sorgten für massive Empörung. Mehrere europäische Staaten bestellten israelische Diplomaten ein und verlangten Erklärungen für das Vorgehen gegen die Gaza-Flottille.

„Fast alle wurden geschlagen“

Die schwersten Vorwürfe kommen von den Aktivisten selbst. Der italienische Journalist Alessandro Mantovani schilderte nach seiner Freilassung brutale Szenen: „Fast alle wurden geschlagen, und wir hörten die Schreie von draußen.“

Mantovani berichtete weiter: „Wir wurden geschlagen, mit Handschellen und Ketten an den Knöcheln.“ Manche Aktivisten hätten Rippen- und Armbrüche erlitten. Andere seien getreten, erniedrigt oder halb nackt festgehalten worden.

Der italienische Politiker Dario Carotenuto sagte nach seiner Rückkehr: „Ich habe einen Schlag ins Auge bekommen und kurzzeitig nichts gesehen.“ Frauen hätten zudem sexuelle Übergriffe gemeldet.

Auch der neuseeländische Aktivist Mousa Taher erhob schwere Vorwürfe gegen israelische Sicherheitskräfte. Ein Soldat habe ihm „den Stiefel ins Gesicht gedrückt und ein Foto gemacht, als hätte er ein Tier gefangen“.

Die israelische Menschenrechtsorganisation Adalah (Anm. d. Red.: Adalah ist eine unabhängige Menschenrechtsorganisation und ein juristisches Zentrum in Haifa, Israel. Die Organisation setzt sich für die Rechte der arabischen Minderheit in Israel und der Palästinenser ein) sprach von „schweren und weitverbreiteten Verletzungen“ sowie von sexueller Belästigung und Demütigung der Gaza-Aktivisten.

Ben-Gvir veröffentlicht Demütigungs-Video

Für weltweite Fassungslosigkeit sorgte Israels ultrarechter Polizeiminister Itamar Ben-Gvir. Er veröffentlichte selbst Videos der festgenommenen Gaza-Aktivisten. Zu sehen sind gefesselte Menschen, die kniend mit gesenktem Kopf am Boden sitzen, während die israelische Nationalhymne abgespielt wird.

Dazu schrieb Ben-Gvir stolz: „So heißen wir Terrorunterstützer willkommen.“

In einem weiteren Video läuft der Minister grinsend zwischen den Gefangenen herum, schwenkt eine israelische Flagge und ruft: „Willkommen in Israel! Wir haben hier das Sagen!“

Als eine Aktivistin „Free Palestine“ ruft, wird sie von Sicherheitskräften brutal zu Boden gestoßen. Das Ben-Gvir-Video verbreitete sich weltweit und löste einen Sturm der Entrüstung aus.

Massive Kritik an Israel

Die internationale Kritik an Israel wächst. Sogar Deutschlands Außenminister Johann Wadephul bezeichnete das Verhalten von Ben-Gvir als „vollkommen inakzeptabel“.

Der US-Botschafter in Israel, Mike Huckabee, erklärte: „Ben-Gvir hat die Würde seiner Nation verraten.“

Auch Spanien sprach von einer „monströsen, unwürdigen und unmenschlichen“ Behandlung der Gaza-Aktivisten. Frankreich, Großbritannien, Kanada, Polen, Belgien, Griechenland und die Niederlande protestierten offiziell gegen Israels Vorgehen.

Italien fordert Sanktionen gegen Ben-Gvir

Besonders deutlich reagierte Italien auf die Bilder der Gaza-Flottille. Ministerpräsidentin Giorgia Meloni sprach von einer „inakzeptablen Verletzung der Menschenwürde“.

Außenminister Antonio Tajani forderte sogar Sanktionen gegen Itamar Ben-Gvir auf EU-Ebene. Die Behandlung der Aktivisten verletze „die grundlegendsten Menschenrechte“.

Italien bestellte den israelischen Botschafter ein und verlangte offiziell eine Entschuldigung für die Behandlung der festgenommenen Gaza-Aktivisten.

Quellen

  • Il Fatto Quotidiano
  • Oberösterreichische Nachrichten
  • Frankfurter Allgemeine Zeitung (F.A.Z.)
  • Euronews.com

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