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Symbolbild eines Erdbebens mit roten Kreisen um ein Epizentrum und schwarzer seismischer Wellenform auf rissigem Untergrund. Themenbild für Erdbeben bei Ätna
Beim Ätna auf Sizilien hat es am Mittwochmorgen ein deutliches Erdbeben gegeben.
Beim Ätna auf Sizilien hat es am Mittwochmorgen ein deutliches Erdbeben gegeben.
istock

Ätna: Erdbeben versetzt Region in Angst vor Ausbruch

04.03.2026 um 10:07, Stefanie Hermann
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Ein Erdbeben der Stärke 4,5 hat den Ätna auf Sizilien erschüttert. In Ragalna ist es zu Schäden an Gebäuden gekommen, die Angst vor Nachbeben ist hoch.

Ein Erdbeben der Stärke 4,5 hat am frühen Mittwochmorgen die Hänge des Ätna erschüttert. Das Zentrum lag nordwestlich der Gemeinde Ragalna in einer Tiefe von rund 3,8 Kilometern, wie das Nationale Institut für Geophysik und Vulkanologie (INGV) mitteilt.

Erdbeben am Ätna erschüttert Sizilien

Das Beben war in mehreren Provinzen Ostsiziliens, darunter Catania, Messina und Syrakus, deutlich zu spüren. In den sozialen Medien häufen sich Berichte von Menschen, die das Beben im Umkreis von mehr als 20 Kilometern gespürt haben. Viele schildern ein dumpfes Grollen, gefolgt von einer kurzen, aber kräftigen Erschütterung.

Ätna-Erdbeben verursacht Schäden in Ragalna

In Ragalna wurden nach ersten Berichten mehrere Gebäude leicht beschädigt. Mehrere Häuser weisen Risse auf, an einer Hauswand stürzte eine unbefestigte Mauer teilweise ein. Auch das Rathaus der Gemeinde wurde leicht beschädigt. Laut örtlicher Feuerwehr gibt es keine Verletzten. Der Bürgermeister lässt vorsorglich öffentliche Einrichtungen kontrollieren.

Zahlreiche Anrufe wegen Informationen, aber keine Einsatzanforderungen“, meldet die Feuerwehr am Vormittag. Dennoch ist die Verunsicherung groß. Viele Menschen haben nach der Erschütterung ihre Häuser verlassen und bleiben zunächst im Freien. Einige nehmen an, dass es sich um einen Vorboten stärkerer Beben handeln könnte.

Schulen geschlossen, Flughafen Catania bleibt offen

In der nahe gelegenen Stadt Catania hat Bürgermeister Enrico Trantino reagiert: Sämtliche Schulen bleiben heute geschlossen, Gebäude werden auf mögliche strukturelle Schäden überprüft. Der Flughafen Catania bleibt dagegen geöffnet, da keine Hinweise auf Schäden an der Infrastruktur vorliegen.

Angst vor Folgebeben

Am Vormittag registrieren die Seismographen mehrere kleine Nachbeben, das stärkste mit einer Magnitude von 2,7. Auch dieses Nachbeben tritt in unmittelbarer Nähe zu Ragalna auf, in etwa zwei Kilometern Tiefe. Die Bevölkerung bleibt in Alarmbereitschaft. Viele Familien verbringen den Tag im Freien oder bei Verwandten in sicherer Entfernung.

In der Stadt Biancavilla, nur wenige Kilometer vom Epizentrum entfernt, kontrollieren Einsatzkräfte Gebäude und Stromleitungen. Auch dort bleibt es bei leichten Schäden. Ein Sprecher des Zivilschutzes betont, dass derzeit keine akute Gefahr besteht, mahnt aber zur Wachsamkeit.

Ursache liegt tief im Vulkan Ätna

Laut INGV handelt es sich bei dem Erdbeben um ein sogenanntes vulkano-tektonisches Ereignis. Das bedeutet, dass die Erschütterung mit Bewegungen von Magma im Inneren des Vulkans zusammenhängt. Seismologische Auswertungen zeigen, dass der Anteil von Scherbewegungen nur rund 28 Prozent beträgt – ein ungewöhnlich niedriger Wert, der auf eine magmatische Ursache hindeutet.

Das könnte auf bevorstehende Veränderungen der vulkanischen Aktivität hindeuten, ohne dass zwingend ein Ausbruch bevorsteht.

Wie gefährlich ist der Ätna?

Der Ätna gilt als Europas aktivster Vulkan. Er ist rund 3.300 Meter hoch und seit Jahrhunderten regelmäßig aktiv. Neben den spektakulären Eruptionen an seinem Gipfel entstehen immer wieder flache, aber kräftige Erdbeben an seinen Hängen.

Forscher des INGV beobachten seit Wochen eine Zunahme seismischer Aktivität unterhalb des Ätna. Bereits im Jänner hatte es kleinere Erschütterungen gegeben, die als Anzeichen steigender Spannungen im Magmareservoir gewertet wurden.

Nach Auswertungen des INGV und internationaler seismologischer Datenbanken tritt ein Beben von etwa Magnitude 4,5 in dieser Region statistisch alle 2,1 Jahre auf. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich innerhalb eines Jahres ein ähnlich starkes Ereignis ereignet, liegt bei 38 Prozent.

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