Dieser Suizid darf nicht umsonst gewesen sein

Jetzt ist tatsächlich etwas passiert. Eine Ärztin wurde derart bedroht, bis sie nur noch den Suizid als Ausweg sah. Wir haben lange genug zugesehen.
Autor: Robert Eichenauer, 29.07.2022 um 18:10 Uhr

Man ist fassungslos und zornig zugleich. Dabei gab es in den letzten Monaten genug Warnungen, dass die Impfgegnerszene immer mehr außer Kontrolle gerät. Die Aggressivität erreichte einen Pegel, der weit über das typisch österreichische „Ich bin auf die Politik angefressen“ hinaus ging. Auf Social Media wurde jeder bedroht und beschimpft, der sich dieser Meute entgegenstellte. Mehr und mehr resignierten die Vernünftigen und zogen sich aus dem öffentlichen Diskurs zurück. Übrig blieb ein Heer von Pöblern und Wichtigtuern. Wir haben diesem unsäglichen Treiben nun lange genug zugesehen, lange genug versucht, sie zu verstehen.

Demokratiefeinde

Das üble daran ist, dass die Regierung selbst auf den Querdenker-Zug aufgesprungen ist, sich letztlich vor deren dreckigen Karren spannen ließ. Zuerst schaffte man die Impfpflicht und die Maskenpflicht ab, zuletzt hob man die Quarantäne auf. Sieg auf der ganzen Linie für eine einstmals überschaubare Truppe. Die Regierung begeht den fatalen Fehler, sich mit jenen gemein zu machen, die das demokratische System aushebeln wollen. Denn diese Leute werden immer einen Grund finden, auf die Straße zu gehen, zu randalieren, Menschen zu bedrohen. Ist es nicht Corona, ist es der Klimaschutz. Oder der Ukraine-Krieg. Oder Tempo 100 auf Autobahnen.
Die Regierung hat diesen Leuten aus populistischen Motiven die Hand gereicht. Sie werden diese Hand mit Freude nehmen und hinunterziehen auf ihr unsägliches Niveau. Es wird nicht aufhören, solange man dort Zugeständnisse macht, wo man eigentlich klare Kante zeigen sollte. Dr. Lisa-Maria Kellermayr hat diese klare Kante gezeigt. Ich hoffe, ihr Tod war nicht umsonst und die Regierung wacht endlich auf.