Cyberangriff auf Supermärkte: Wie sicher ist Österreich?
- Kühlung auf 50 Grad: Supermarkt muss Lebensmittel entsorgen
- Italien reagiert mit Krisensitzung auf Hackerangriffe
- Hunderte Supermärkte in Frankreich betroffen
- Österreichs Supermärkte: Bisher keine Angriffe bekannt
- Experte warnt vor gefährlichen Sicherheitslücken
Kühlanlagen heizen sich auf, Lebensmittel verderben, ganze Warenbestände landen im Müll. Cyberangriffe auf Supermärkte sorgen derzeit in mehreren europäischen Ländern für Aufsehen. Unbekannte manipulieren die Temperatursteuerung von Kühlgeräten und richten damit erhebliche Schäden an. Auch Österreichs Handelsketten beobachten die Entwicklung mit wachsender Sorge.
Kühlung auf 50 Grad: Supermarkt muss Lebensmittel entsorgen
Im bayerischen Reisbach hat ein Cyberangriff die Kühltechnik eines Supermarkts getroffen. Hacker haben die Temperatur auf bis zu 50 Grad gestellt. Zahlreiche Lebensmittel sind dadurch unbrauchbar geworden.
„Die traurige Folge: Unmengen an Lebensmitteln mussten in die Tonne“, berichtete der Betreiber. Die Initiative Foodsharing konnte kurzfristig noch einen Teil der Waren retten. Inzwischen ermittelt die Kriminalpolizei Landshut.
Auch in Wetter-Volmarstein in Nordrhein-Westfalen mussten Lebensmittel entsorgt werden. Dort soll der Angriff über einen externen Dienstleister erfolgt sein, der für die Fernwartung zuständig war.
Italien reagiert mit Krisensitzung auf Hackerangriffe
Die Vorfälle beschränken sich nicht auf Deutschland. Auf Sizilien sind mindestens vier Coop-Filialen betroffen gewesen, drei in Catania und eine in Palermo. Weitere Angriffe wurden aus anderen italienischen Regionen gemeldet.
Die italienische Regierung hat angesichts der Vorfälle eine Krisensitzung einberufen. Auch die parlamentarische Kontrollkommission für die Geheimdienste beschäftigt sich mit den Angriffen.
Hunderte Supermärkte in Frankreich betroffen
Bereits im Oktober sind in Frankreich zahlreiche Handelsfilialen ins Visier von Hackern geraten. Berichten zufolge waren rund 150 Intermarché-Märkte und etwa 100 Standorte der Coopérative U betroffen. Auch andere große Handelsketten wurden genannt.
Die finanziellen Schäden sollen teilweise in die Millionen gehen. Ob die europaweiten Vorfälle zusammenhängen, ist bislang offen. Hinweise auf einen gemeinsamen Täter sind nicht bestätigt.
Hackerangriffe auf Supermärkte: Europa im Überblick
Deutschland
Angriffe auf Kühlanlagen in Reisbach und Wetter-Volmarstein. Lebensmittel mussten entsorgt werden.
Italien
Mindestens vier betroffene Coop-Filialen auf Sizilien. Die Regierung befasst sich mit den Vorfällen.
Frankreich
Berichte über rund 250 betroffene Intermarché- und Coopérative-U-Standorte. Teilweise Schäden in Millionenhöhe.
Wichtig: Ein Zusammenhang zwischen den Angriffen in den verschiedenen Ländern ist bislang nicht nachgewiesen.
Österreichs Supermärkte: Bisher keine Angriffe bekannt
In Österreich gibt es derzeit keine Meldungen über vergleichbare Attacken. Das Bundesamt für Cybersicherheit hat Anfang November bestätigt, dass keine konkreten Fälle bekannt sind.
Spar verweist auf eine eigene Cybersicherheitsabteilung. Auch Rewe mit Billa, Billa Plus, Penny und Adeg sowie Hofer und Lidl melden keine entsprechenden Vorfälle.
Experte warnt vor gefährlichen Sicherheitslücken
Wie leicht Kühlanlagen angreifbar sein können, zeigt der Blick auf die Technik. IT-Sicherheitsexperte Christoph Fischer kritisiert veraltete Steuerungen und Standardpasswörter, die Angreifern den Zugriff erleichtern können.
Bei den Angriffen in Frankreich standen ältere Steuergeräte des Herstellers Danfoss im Fokus. Ob dieselben Schwachstellen auch bei den jüngsten Vorfällen ausgenutzt wurden, ist nicht geklärt.
Fischer fordert bessere Zugangssicherungen und weniger direkt mit dem Internet verbundene Geräte. Sein Appell: „Es muss nicht alles ins Internet.“
So können Hacker Supermarkt-Kühlanlagen angreifen
Moderne Kühlanlagen lassen sich teilweise aus der Ferne überwachen und steuern. Sind die Zugänge unzureichend geschützt, können Angreifer versuchen, die Temperaturregelung zu manipulieren.
- Standardpasswörter: Nicht geänderte Zugangsdaten können unbefugten Zugriff erleichtern.
- Veraltete Steuerungen: Ältere Geräte können bekannte Sicherheitslücken aufweisen.
- Fernwartungszugänge: Schlecht abgesicherte Verbindungen können zusätzliche Angriffswege eröffnen.
- Temperaturmanipulation: Veränderte Sollwerte können die Kühlkette unterbrechen und Lebensmittel unbrauchbar machen.
Was schützt? Individuelle Passwörter, verschlüsselte Verbindungen, aktuelle Software und die Begrenzung direkt erreichbarer Steuergeräte reduzieren das Risiko.
Die genannten Schwachstellen sind mögliche Angriffswege. Die konkrete Ursache ist nicht bei allen gemeldeten Vorfällen bestätigt.