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Der Buckelwal liegt vor der Insel Poel.
Buckelwal Timmy treibt schwer verletzt in der Ostsee und hat kaum Überlebenschancen.
Buckelwal Timmy treibt schwer verletzt in der Ostsee und hat kaum Überlebenschancen.
APA-Images / dpa / Philip Dulian

Buckelwal Timmy: Warum Rettung in der Ostsee scheitert

10.04.2026 um 08:03, Yunus Emre Kurt
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Buckelwal-Timmy-Ostsee: Der schwer verletzte Wal kämpft vor der Insel Poel ums Überleben. Experten sehen kaum noch Chancen, Hilfe ist nicht mehr möglich.

Der schwer verletzte Buckelwal Timmy treibt nahezu reglos in der flachen Kirchsee vor der Insel Poel. Fachleute sehen ihn im Sterben, Rettungsaktionen gelten als zu riskant und sind eingestellt.

Wal in kritischem Zustand

Buckelwal Timmy reagiert nach Angaben von Experten nicht mehr auf Boote, seine Atemabstände verlängern sich. Innerhalb von 24 Stunden stiegen sie von vier auf fünf Minuten. Fachleute gehen davon aus, dass der Wal stirbt, wenn er etwa eine Stunde lang nicht mehr zum Atmen auftaucht.

Der Meeresbiologe und Umweltschützer Robert Marc Lehmann erklärt, man könne inzwischen nichts mehr für den Wal tun. Er schätzt Timmys Überlebenschancen nur noch im Promillebereich und bewertet die Situation als nahezu aussichtslos.

Rettungsaktionen finden nicht mehr statt. Ein Vermessungsboot erkundet das Gewässer rund um den Wal, um seine Bergung vorzubereiten. Der Kadaver soll später im Deutschen Meeresmuseum in Stralsund obduziert werden. Der Tod des Tieres gilt für die beteiligten Fachleute als Worst-Case-Szenario.

Irrweg in die Ostsee und schwere Netzwunden

Timmys Drama begann Anfang März, als der Buckelwal allein in die Ostsee geriet. Vermutlich wurde sein Orientierungssinn – der sich an Magnetfeldern ausrichtet, durch Sonneneruptionen gestört. Studien zeigen, dass Meeressäuger an solchen Tagen häufiger stranden. 

Am 4. März verfing sich Timmy in einem Stellnetz, Teile davon wurden entfernt. Eine Woche später wurde er erneut mit einem langen Netz gesichtet. In der Nacht auf den 23. März strandete er in Niendorf; Netzreste blieben im Maul. 

Auch bei weiteren Strandungen blieb das Problem bestehen, möglicherweise befinden sich noch Reste im Körper. Versuche, das Netz zu entfernen, gelten als riskant. Der Meeresbiologe Robert Marc Lehmann kritisiert die bisherigen Maßnahmen, während Fachleute die Eingriffe insgesamt als gefährlich einschätzen.

Warum aktive Rettung und Tötung ausgeschlossen sind

Das Umweltministerium betont, dass eine Entfernung des Netzes am Großwal kaum möglich und mit hohen Risiken verbunden ist, da es bereits ins Gewebe eingewachsen sein könnte. Auch Experten halten solche Eingriffe für praktisch nicht durchführbar. 

Laut Walschützerin Bianca König leidet Timmy unter schweren gesundheitlichen Problemen. Neben der Netzwunde setzen ihm sein eigenes Gewicht außerhalb tiefen Wassers sowie der niedrige Salzgehalt der Ostsee zu, was Hautschäden, Infektionen und Organversagen begünstigt. 

Rettungsversuche, etwa das Ziehen in tieferes Wasser, gelten als zu gefährlich. Der Wal kann weder geborgen werden noch sich selbst befreien. Fachleute sehen den Fall als außergewöhnlich an und halten an der bisherigen Vorgehensweise fest. 

Auch eine aktive Tötung wird ausgeschlossen, da verfügbare Methoden als unpraktikabel, riskant oder ethisch nicht vertretbar gelten. Daher wurde entschieden, den Wal auf natürliche Weise sterben zu lassen, eine Entscheidung, die laut Umweltminister Till Backhaus äußerst schwer fiel.

Ermittlungen zum Netz und Debatte um Verantwortung

Parallel ermittelt die Wasserschutzpolizei wegen des Stellnetzes im Maul des Wals. Das sichergestellte Material soll Aufschluss über Herkunft und mögliche Verstöße geben, da solche Netze gekennzeichnet sein müssen. 

Der Fall wirft grundsätzliche Fragen zum Schutz von Meeressäugern auf. Strandungen von Großwalen kommen in der Ostsee vor, sind in Mecklenburg-Vorpommern jedoch selten, die aktuelle Lebendstrandung ist die erste seit zehn Jahren. 

Experten betonen, dass keine einzelne Person verantwortlich sei. Vielmehr verweisen sie auf ein strukturelles Problem: Jährlich sterben weltweit Hunderttausende Wale und Delfine in Stell- und Geisternetzen. Timmys Schicksal gilt daher als beispielhaft für die Risiken in stark genutzten Meeren.

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